# taz.de -- Konferenz in Hamburg: Kuppeln für die Entwicklungspolitik
> Die internationale Entwicklungskonferenz will öffentliche und private
> Investoren zusammenbringen, eine neue Kommission den Globalen Süden und
> Norden.
IMG Bild: Familienklüngelei International und mit Scholz (hier nicht im Bild)
Deutschland will sich als Akteur in der globalen Entwicklungsagenda
hervortun. Zum dritten Mal organisierte der Bund zusammen mit der Stadt
Hamburg, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und der
privaten Otto-Stiftung die zweitägige Hamburger Nachhaltigkeitskonferenz,
die am Dienstag zu Ende ging. Rund 1.600 Teilnehmende aus 115 Ländern
diskutierten laut Veranstalter über internationale Zusammenarbeit und
nachhaltige Entwicklung.
Der aktuelle Fahrplan dazu steht kurz vor dem Ende. [1][Bis 2030 hat die
Staatengemeinschaft 17 globale Entwicklungsziele festgelegt] – unter
anderem wollten sie extreme Armut und Hunger beenden. Jeder Mensch sollte
Zugang zu sauberem Wasser und Energie, zu Gesundheit und Bildung haben.
Doch kurz vor Ablauf der Frist ist die Bilanz schlecht. Die meisten Ziele
sind kaum vorangekommen, in manchen Bereichen hat sich die Lage
verschlimmert. Der internationale Zusammenhalt für die Agenda 2030 scheint
noch fragiler als 2015, als die Vereinten Nationen sie beschlossen.
Einen Beitrag für eine bessere Kooperation zwischen Globalem Süden und
Norden soll die von der Bundesregierung eingesetzte
[2][Entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission] leisten. Am Dienstag nahm
sie offiziell die Arbeit auf. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali
Radovan (SPD) betonte bei der Vorstellung der Kommission in Hamburg, die
aktuellen krisenhaften Zeiten böten die Chance, neue Beziehungen aufzubauen
und „langjährige Versprechen gegenüber den Ländern des Globalen Südens
einzulösen – wirtschaftliche Chancen zu schaffen und Reformen der
internationalen Ordnung voranzutreiben, die der Welt des 21. Jahrhunderts
gerecht werden“.
Geleitet wird die Kommission von der [3][ehemaligen Präsidentin Costa Ricas
Laura Chinchilla] und Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Einig waren sich
die beiden bereits darin, keine Erwartungen vorwegzunehmen, sondern die
Ideen gemeinsam mit den 20 Kommissionsmitgliedern zu erarbeiten, die im
Herbst bekannt gegeben werden sollen.
## Nord-Süd-Kommission soll 2028 Empfehlungen vorlegen
In einem Jahr soll es einen Zwischenbericht geben. 2028 erhofft sich
Ministerin Alabali Radovan konkrete Empfehlungen an die Politik. Die Chefin
der Welthandelsorganisation hob bei der Vorstellung der Kommission den
Wunsch nach konkreten Aktionspunkten hervor. „Die Menschen sind es müde,
nur Reden zu hören“, sagte Ngozi Okonjo-Iweala. Sie warnte zudem davor, den
Globalen Süden als homogen zu verstehen.
Neben der internationalen Zusammenarbeit ging es in Hamburg vor allem um
privates Kapital. Der Veranstaltungsort könnte nicht passender sein. Das
Hamburger Rathaus und die Handelskammer teilen sich hier einen Palast der
Neorenaissance.
„Die Wirtschaft als starken Partner zu gewinnen“, sei zentrales Anliegen
der Konferenz, stellte Alabali Radovan bereits in ihrer Eröffnungsrede am
Montag heraus. Auf der Konferenz würden Investitionen angestoßen und
Allianzen geschmiedet.
## Mehr öffentlich-private Investitionen erhofft
Eine der Initiativen, die privates Kapital mobilisieren soll, ist die
Plattform Scaled. Sie soll es Investoren erleichtern, nachhaltige Projekte
im Globalen Süden zu finanzieren – abgesichert durch öffentliche Gelder und
in Kooperation mit den Versicherern Allianz, Axa und Zurich. 125 Milliarden
US-Dollar sollen so in den nächsten 10 Jahren mobilisiert werden.
Die Plattform wurde bereits auf der ersten Hamburger
Nachhaltigkeitskonferenz vor zwei Jahren initiiert, im vergangenen Jahr
folgte eine gemeinsame Absichtserklärung. In diesem Jahr durften dann
Vertreter*innen unter anderem von der deutschen Förderbank KfW, dem
Entwicklungsministerium und der Versicherer einen großen roten Buzzer
drücken, um den Start zu signalisieren.
Trotz der Zusicherung von Garantien läuft die Mobilisierung von privatem
Kapital aus Deutschland nur schleppend. Das zeigt sich auch in der
[4][EU-Investitionsinitiative Global Gateway].
## Wenig Fokus auf Rahmenbedingungen für Privatkapital
Wenig im Fokus standen bei der Hamburger Konferenz die globalen
Rahmenbedingungen für Privatkapital, die noch [5][bei der UN
Entwicklungskonferenz in Sevilla für Diskussionen sorgten]: die hohen
Kosten von Kapital im Globalen Süden, Steuer- und Schuldregeln. Ein Panel
zu Verschuldung fand im wohl kleinsten Raum des Palastes statt. Auch
Stimmen von NGOs waren in Hamburg nur wenig vertreten und spielten eher
eine Beobachterfunktion.
Die Vizegeneralsekretärin der Vereinten Nationen, Amina Mohammed, hatte in
ihrer Eröffnungsrede auf die ungleiche internationale Finanzarchitektur
hingewiesen: „Wir wollen, dass Länder in Entwicklung investieren, aber die
Rahmenbedingungen dafür fehlen.“ Die Staatengemeinschaft solle ehrlich
sein, wie Ungleichheiten fortgeschrieben würden. „Wir müssen über
Umverteilung von Reichtum reden“, der nicht in den Händen einiger weniger
konzentriert sein dürfe, sagte Mohammed.
Auch Minh-Thu Pham von der UN-Stiftung sieht darin die Aufgabe für die
nächsten fünfzehn Jahre, um die ambitionierten Entwicklungsziele zu
erreichen. Sie hat selbst die Ziele mit erarbeitet. „Es geht nicht darum,
neue Ziele zu definieren oder sie zu verlängern, sondern wir müssen noch
mehr auf deren Umsetzung schauen“, sagt Pham. Denn die sei „im alten
Paradigma von Geber und Nehmer“ festgefahren, „mit von außen festgelegten
Zielen und von außen interpretierten Regeln“.
30 Jun 2026
## LINKS
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DIR [5] /UN-Entwicklungskonferenz-in-Sevilla/!6094805
## AUTOREN
DIR Leila van Rinsum
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