URI: 
       # taz.de -- Urteile am Obersten Gericht der USA: Noch mehr Macht für Donald Trump
       
       > Die obersten Richter der USA geben dem Präsidenten die Befugnis,
       > unabhängige Amtsträger ohne Grund zu entlassen. Ausnahme: die Zentralbank
       > der USA.
       
   IMG Bild: Angerichtet: mehr Macht für Trump
       
       Der Supreme Court der USA hat die Macht von Präsident Donald Trump weiter
       ausgeweitet. Die Richter:innen entschieden, dass der US-Präsident dazu
       befugt sei, Amtsträger:innen unabhängiger Bundesbehörden ohne
       stichhaltigen Grund zu entlassen.
       
       Laut dem Urteil, das am Montag veröffentlicht wurde, könne der Präsident
       sogar die Amtszeit von Amtsträger:innen, die vom US-Senat bestätigt wurden,
       nach Belieben verkürzen. Der Supreme Court kippte damit einen gesetzlichen
       Maßstab, der seit mehr als 90 Jahren Gültigkeit hatte.
       
       Geklagt hatte eine Mitarbeiterin der US-Handelsbehörde, Rebecca Slaughter.
       Diese war im März 2025 ohne Erklärung entlassen worden: Das Weiße Haus
       teilte ihr damals in einer E-Mail mit, dass sie mit sofortiger Wirkung
       gekündigt sei, da ihre weitere Tätigkeit „nicht mit den Prioritäten der
       Regierung vereinbar“ wäre.
       
       Slaughters Entlassung erfolgte [1][im Zuge einer Welle von politischen
       Personalentscheidungen der Trump-Regierung] im Zusammenhang mit der Arbeit
       der von Elon Musk geleiteten „Behörde für Regierungseffizienz“ (DOGE), die
       zu einer Personalreduzierung von mehr als 270.000 Personen über alle
       US-Bundesbehörden und Ministerien der USA hinweg führte.
       
       ## Rechtliche Schritte gegen Kündigungen
       
       Viele der Gekündigten gingen rechtlich dagegen vor. [2][Unzählige
       Kündigungen wurde daraufhin wieder zurückgenommen]. Nicht so in Slaughters
       Fall, der schließlich beim Obersten Gericht landete.
       
       Chief Justice John Roberts, der Vorsitzende Richter, begründete das mit 6
       gegen 3 Stimmen ergangene Urteil damit, dass der Präsident auf die
       Unterstützung von Amtsträgern angewiesen sei, „denen er vertrauen kann“.
       Auch bei vom Senat bestätigten Amtsträgern liege es im Ermessen des
       Präsidenten, ob eine weitere Zusammenarbeit möglich sei.
       
       „Untergebene, die Befugnisse des Präsidenten ausüben, können von diesem
       ihres Amtes enthoben werden. Nur so bleiben sie gegenüber dem Präsidenten
       rechenschaftspflichtig – und der Präsident gegenüber dem Volk“, schrieb
       Roberts.
       
       Richterin Sonia Sotomayor, eine der drei Gegenstimmen, erklärte, dass die
       Entscheidung Trump mächtiger als einen König machen würde. „Das Gericht
       verleiht dem Präsidenten eine Befugnis, die selbst der englischen Krone –
       gegen die sich die Gründerväter aufgelehnt hatten – unbekannt war; es
       erhebt ihn über die ihm einst gleichrangigen Staatsgewalten“, schrieb sie.
       
       ## Höhere Hürde für Fed-Entlassungen
       
       In einem weiteren Fall, bei dem es ebenfalls um eine versuchte Kündigung
       geht, entschieden die Richter:innen allerdings gegen Trump. Mit 5 gegen
       4 Stimmen erklärte der Oberste Gerichtshof Trumps Entlassung von Lisa Cook,
       einer einst von Joe Biden berufenen Zentralbank-Gouverneurin, für
       rechtswidrig.
       
       Die Richter:innen machten deutlich, dass in diesem Fall eine höhere
       Hürde vorliege. Die Trump-Regierung müsse bei Gouverneur:innen der
       Zentralbank (Fed) gewisse Verfahren befolgen, die erhobenen Vorwürfe
       detailliert benennen und der beschuldigen Person Gelegenheit geben, dazu
       Stellung zu nehmen. All dies sei im Fall Cook nicht passiert.
       
       Der konservative Richter Brett Kavanaugh warnte bereits bei der mündlichen
       Anhörung des Falls im Januar, dass eine unbeschränkte Befugnis des
       Präsidenten, Fed-Gouverneur:innen zu entlassen, „die Unabhängigkeit der
       Federal Reserve schwächen, wenn nicht gar zerstören“ könne. Kavanaugh und
       Chief Justice Roberts stimmten daher zusammen mit der liberalen Minderheit
       am Gericht gegen die Regierung.
       
       Als offiziellen Grund für die Entlassung Cooks hatte die Trump-Regierung
       den Vorwurf des Hypothekenbetrugs angeführt. Cook bestreitet diese
       Anschuldigung. Sie glaubt, dass ihre Entlassung eine Revanche dafür war,
       dass sie sich geweigert hatte, für von Trump geforderte Zinssenkungen zu
       stimmen. Dies hat Trump seit dem Beginn seiner zweiten Amtszeit immer
       wieder gefordert.
       
       „Die Entscheidung des Obersten Gerichts […], erkennt an, dass die
       Unabhängigkeit der Federal Reserve für die Erfüllung des vom Kongress
       erteilten Mandats zur Gewährleistung von Preisstabilität und maximaler
       Beschäftigung unerlässlich ist“, sagte Cook in einer Stellungnahme.
       
       30 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Regierungs-Shutdown/!6119303
   DIR [2] /Trumps-Kahlschlag-bei-Staatsbediensteten/!6072861
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hansjürgen Mai
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Supreme Court
   DIR Federal Reserve
   DIR Elon Musk
   DIR Entlassungen
   DIR GNS
   DIR Reden wir darüber
   DIR Kolumne Gesten der Macht
   DIR Federal Reserve
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
   DIR Schwerpunkt USA unter Trump
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Gewaltenteilung in den USA: Recht, Richter, Donald Trump
       
       Der Supreme Court hat es in dieser Woche geschafft, Recht und Verfassung
       gleichzeitig zu stärken und zu schwächen.
       
   DIR Ex-Chef der US-Notenbank: Alan Greenspan gestorben
       
       Von 1987 bis 2006 leitete Alan Greenspan die US-Notenbank Federal Reserve
       und erarbeitete sich dort den Titel „Orakel“. Nun starb er mit 100 Jahren.
       
   DIR Mögliche US-Präsidentschaftskandidatur: Newsom wirft Trump Ermittlungen gegen ihn aus Wahlgründen vor
       
       Der mögliche demokratische Präsidentschaftskandidat wirft der Regierung
       vor, aus politischen Gründen gegen ihn zu ermitteln. Worum genau es dabei
       geht, ist unklar.
       
   DIR Ein Jahr USA unter Trump: Amerika, ein Jahr später
       
       Donald Trump ist seit einem Jahr zum zweiten Mal Präsident – eine
       Zwischenbilanz aus den USA zwischen Repression, Protest und kultureller
       Gegenwehr.