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       # taz.de -- Zusammenarbeit von BSW und AfD: Wagenknecht will endlich mal wieder mit Weidel reden
       
       > Das BSW lädt AfD-Chefin Weidel vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland
       > zum „Anti-Brandmauer-Gipfel“ mit Parteigründerin Wagenknecht ein. Es geht
       > um Aufmerksamkeit.
       
   IMG Bild: Handreichung über die Brandmauer: Sahra Wagenknecht, BSW, und Alice Weidel, AfD
       
       Sarah Wagenknecht will endlich mal wieder mit AfD-Chefin Alice Weidel
       diskutieren. Über die von ihr abgelehnte Brandmauer zur AfD, über die
       Positionen des Bündnisses Sahra Wagenknecht und der extremen Rechten, über
       „immer engere Meinungskorridore“. Der letzte gemeinsame Talkshowauftritt
       liegt immerhin schon eineinhalb Jahre zurück.
       
       In einem Brief an Weidel und AfD-Co-Chef Tino Chrupalla wirbt die
       BSW-Bundesspitze jetzt für gemeinsame Auftritte vor den Landtagswahlen in
       Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Auf je „einem großen Marktplatz
       im Osten der Republik“ – vorschlagsweise in den Landeshauptstädten
       Magdeburg und Schwerin – sollten sich BSW-Gründerin Wagenknecht und
       AfD-Frontfrau Weidel „eine kontroverse Debatte“ liefern, so der Vorschlag.
       
       „Das Angebot zu diesem Duell, zum Hin- und Rückspiel, ist auch ein Versuch,
       die große Ausgrenzung zu überwinden, die sowohl wir als auch die AfD nicht
       zuletzt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erfahren“, begründet
       BSW-Generalsekretär Oliver Ruhnert den Vorstoß im Gespräch mit der taz.
       Ruhnert hat das Schreiben mit den beiden BSW-Vorsitzenden Fabio De Masi und
       Amira Mohamed Ali verfasst.
       
       Ob und wie die AfD auf die Offerte reagiert – unklar. Eine entsprechende
       Nachfrage der taz bei der AfD-Parteiführung blieb bis Redaktionsschluss
       unbeantwortet. Bestätigt ist nur, dass das Schreiben bei der
       Bundesgeschäftsstelle der extrem rechten Partei eingegangen ist, obwohl es
       vom BSW falsch adressiert wurde.
       
       Denkbar ist, dass Weidel und Chrupalla dankend ablehnen. Denn welchen
       Vorteil sollte die in Umfragen führende AfD von gemeinsamen Auftritten
       haben? [1][Schließlich dominiert sie in Mecklenburg-Vorpommern und
       insbesondere in Sachsen-Anhalt längst die Marktplätze]. Und dass es das BSW
       im September überhaupt in die Landtage schafft, ist alles andere als
       sicher. In beiden Ländern turnt die einst im Osten so erfolgreiche Partei
       nur noch um die 5-Prozent-Hürde herum.
       
       ## Große Aufregung um „Geheimbrief“
       
       Die Aufregung ist trotzdem groß. Die Bild-Zeitung etwa liest aus den Zeilen
       des „Geheimbriefs“, dass das BSW in Sachsen-Anhalt und
       Mecklenburg-Vorpommern von der AfD gestellte Ministerpräsident:innen
       tolerieren werde. Wagenknecht biete der extremen Rechten „in beiden Ländern
       den Steigbügel zur Regierungsmacht an“.
       
       Nun ist der vermeintliche Geheimbrief so geheim nicht – er findet sich
       unter anderem [2][auf der Homepage der Wagenknecht-Partei]. Auch von einer
       Tolerierung einer AfD-Regierung ist nicht die Rede. „Es wäre gut, wenn die,
       die sich jetzt aufregen, den Brief auch gelesen hätten“, sagt BSW-General
       Ruhnert. „Wir biedern uns hier nirgends an. Das Gegenteil ist der Fall: Der
       Brief ist die Einladung an die AfD zu einem kontroversen Duell, nicht zu
       einer netten Tratschrunde.“
       
       Der Inhalt des Schreibens ist aber vor allem auch für die Öffentlichkeit
       bestimmte Propaganda. So nimmt die Herausstellung „wesentlicher
       Unterschiede“ zwischen BSW und AfD breiten Raum ein: Anders als das BSW
       wolle die AfD Milliardäre nicht „angemessen besteuern“, unterstütze die
       „Hochrüstungspolitik der Bundesregierung“, rechtfertige „die Kriege der USA
       und Israels“. Und so weiter.
       
       Ein weiterer Hauptzweck des vermeintlichen Geheimbriefs besteht darin,
       einmal mehr den aktuellen BSW-Schlager von einer „Bürgerregierung“
       anzustimmen: Die Regierungen, so Wagenknechts Idee, sollen künftig nicht
       mehr von Parteipolitiker:innen geführt werden, sondern von
       „überparteilichen Ministerpräsidenten, die in den Landtagen mit wechselnden
       Mehrheiten regieren unter Einbindung der AfD“.
       
       Es gehe nun mal nicht an, „dass die Rechte der stärksten Fraktion
       beschränkt werden, was wahrscheinlich die AfD sein wird“, sagt
       BSW-Generalsekretär Oliver Ruhnert. Dass alle anderen Parteien, die AfD
       inklusive, eine „Bürgerregierung“ ablehnen, ficht ihn dabei nicht an. Er
       sei sich sicher, „dass das nach der Wahl ganz schnell ganz anders
       aussieht“. Aber zunächst will man ja sowieso nur diskutieren, bei einem, so
       die Parteiheilige Wagenknecht in der Bild, „Anti-Brandmauer-Gipfel“.
       
       ## Landesverbände haben nichts zu melden
       
       Für die Zeit nach den Landtagswahlen im September stellt Ruhnert gleichwohl
       klar, dass seine Partei „weder einen CDU- oder SPD- noch einen
       AfD-Ministerpräsidenten mitwählen“ werde. Entweder es gebe „eine
       überparteiliche Persönlichkeit als Chef einer Regierung“ oder das BSW
       spiele nicht mit.
       
       Das kann man glauben oder nicht. Absehbar ist, dass für den Fall eines
       Einzugs in die Landesparlamente von Sachsen-Anhalt und
       Mecklenburg-Vorpommern ohnehin nicht vor Ort entschieden wird, wie mit der
       AfD umzugehen ist, sondern in der Parteizentrale in Berlin.
       
       So mussten bereits vor Monaten alle BSW-Bewerber:innen für einen Sitz in
       den beiden Landtagen vorsorglich [3][eine Verpflichtungserklärung
       unterzeichnen], sich im Parlament „loyal für die konkrete politische
       Ausrichtung und die zentralen politischen Vorhaben unserer Partei“
       einzusetzen. Andernfalls, so der Schwur, werde man das Mandat sofort
       niederlegen. Die Partei rechtfertigt das mit dem „schweren Anfängerfehler“
       in Thüringen, wo sich das Landes-BSW nach der Landtagswahl 2024 über
       gegenteilige Befehle aus Berlin hinweggesetzt hatte und mit CDU und SPD
       eine Koalition bildete.
       
       30 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Ulrich-Siegmund-und-Co/!6187384
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       ## AUTOREN
       
   DIR Rainer Rutz
       
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