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       # taz.de -- Folgen von Rattengift: Füchse, Habichte und Spatzen werden vergiftet
       
       > Spezielles Gift soll Ratten bekämpfen. Gegen die Nager hilft es jedoch
       > oft nicht so gut, wie es soll – andere Tiere hingegen sterben.
       
   IMG Bild: Rattengift ist eine Gefahr für andere Tiere: Auch Spatzen sind unter den Opfern
       
       Vergiftete Rattenköder dürfen künftig nur noch an Orten ausgelegt werden,
       an denen tatsächlich ein Rattenbefall festgestellt wurde. Das geben
       strengere Regeln für Rattengift vor, die zum 1. Juli in Kraft getreten
       sind. Da auch Wildtiere wie Spitzmäuse, Habichte und Füchse mit dem
       Rattengift in Kontakt kommen, warnen Umwelt- und Tierschützer*innen
       schon lange vor den Risiken des Rattengifts. Die jetzige Änderung sei
       richtig, aber nicht ausreichend, sagen sie.
       
       Anton Friesen vom [1][Umweltbundesamt (UBA)] ist zuständig für die
       Bewertung des Umweltrisikos von Rattengift. Das Gift werde in Form von
       Ködern in Behältern platziert und „im Nahbereich von Menschen“ ausgelegt,
       sagt er – in Kellern, Wohngebäuden, Parks und an Ufern. Die Ratten würden
       an den Ködern knabbern und innerlich verbluten, bis sie schließlich
       sterben. Friesen stellt klar: „Es ist ein qualvoller Tod, der sich über
       mehrere Tage hinzieht.“
       
       Das Gift und die qualvollen Folgen träfen über verschiedene Wege auch
       geschützte und gesundheitlich unbedenkliche Tiere wie Mäuse, Vögel und
       Füchse. Singvögel oder Waldmäuse würden die Köder fressen, wodurch das Gift
       zusätzlich in Nahrungsketten gelangt. „Sie werden dann wiederum von Vögeln
       oder Füchsen gegessen“, erklärt Friesen.
       
       In Tieren an der Spitze der Nahrungsketten, wie zum Beispiel bei Habichten,
       reichere sich auf diese Weise immer mehr Gift an. „In Berlin waren über 80
       Prozent der Habichte durch Rattengift belastet“, sagt Friesen und bezieht
       sich damit auf [2][Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Zoo- und
       Wildtierforschung], des Umweltbundesamtes (UBA) und des
       Julius-Kühn-Instituts. Das Gift wurde auch in Rotmilanen und Seeadlern
       weiträumig nachgewiesen. Kritisch sei dabei die Langlebigkeit des Gifts:
       Einmal in der Nahrungskette, verbleibe es dort sehr lange.
       
       ## Spatzen sterben
       
       [3][Viele Spatzen würden sterben], weil sie die Giftköder für Futter
       halten, sagt auch Artenschützerin Caroline Seige vom Naturschutzverband
       NaturFreunde Berlin der taz. In Berlin seien deutliche Rückgänge von
       Spatzenkolonien dokumentiert worden, wobei sich das Ausmaß nicht durch
       Veränderungen im Lebensraum erklären lasse. Daher werde davon ausgegangen,
       dass die Vögel durch das Gift gestorben seien.
       
       „Boxen mit vergiftetem Getreide befinden sich in regelmäßig genutzten
       Lebensräumen und werden als Futterquellen identifiziert“, so Seige. „Und
       wenn ein Spatz Nahrung findet, ruft er seine Artgenossen heran.“ So würden
       ganze Spatzenkolonien sterben.
       
       Gleichzeitig ist der dauerhafte Erfolg des Gifteinsatzes im Kampf gegen
       Ratten umstritten. „Man versucht seit Jahrzehnten, die Tiere damit zu
       bekämpfen, aber sie sind immer noch da“, moniert Friesen vom
       Umweltbundesamt.
       
       Einige Ratten würden die Köder gar nicht fressen, weil sie schmackhaftere
       Nahrungsquellen wie Dönerreste oder Vogelfutter zur Verfügung hätten. Zudem
       „haben sie genetische Resistenzen gegen das Gift entwickelt“, sagt Friesen.
       
       ## Den Ratten geht es zu gut
       
       Bisher durfte in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei
       Lebensmittelbetrieben, Rattengift auch ohne nachgewiesenen Befall ausgelegt
       werden. Durch die Gesetzesänderung, die nun in Kraft getreten ist, fallen
       diese Ausnahmen weg. Mit der Verschärfung der Regeln wird eine
       [4][EU-Verordnung zu Bioziden] umgesetzt.
       
       Das Verbot der sogenannten befallsunabhängigen Dauerbeköderung begrüßt
       Friesen: „Das ist längst überfällig.“ Mit der rein präventiven Ausbringung
       des Gifts habe man „für den Gesundheitsschutz keinen nennenswerten Mehrwert
       erzielt, aber ein Umweltproblem verschärft“. Artenschützerin Seige wünscht
       sich mehr: „Das Verbot ist wichtig, jedoch ist die Wirkung für Spatzen
       begrenzt.“ Solange das Gift im Lebensraum der Spatzen zugänglich ausliege,
       sei das Risiko, die falschen Tiere zu treffen, immer noch zu hoch.
       
       Dass Ratten eingedämmt werden müssen, sei wegen des Infektionsschutzes
       notwendig, erklärt Friesen. Aber wie können Ratten bekämpft werden, ohne
       andere Tiere zu gefährden? [5][Unsere Städte seien für Ratten viel zu
       attraktiv], sagt Friesen: „Wir bieten ihnen eine Wohlfühloase“ – bei
       genügend Nistmöglichkeiten und Futterquellen würden sich Ratten allen
       Bekämpfungsmaßnahmen zum Trotz schnell vermehren. Artenschützerin Seige
       sieht das ähnlich: „Eine wirksame Rattenbekämpfung funktioniert nur, wenn
       die Ursachen konsequent beseitigt werden. Und das sind der [6][zugängliche
       Müll und die offenen Abfälle].“
       
       Um das in den Griff zu bekommen, „braucht es ein modernes und kommunales
       [7][Müll]- und Rattenmanagement“, betont die Artenschützerin. Wichtige
       Maßnahmen seien dicht verschließbare Mülltonnen und das digitalisierte
       Erfassen überlaufener Container, damit kein Müll mehr offen rumliege.
       Rattenbefall könne zudem digital erfasst und dann gezielt bekämpft werden.
       Außerdem sei Aufklärung wichtig: „Es muss verstanden werden, wie gefährlich
       dieses Gift ist.“
       
       1 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.umweltbundesamt.de/
   DIR [2] https://www.izw-berlin.de/de/pressemitteilung/untersuchung-toter-greifvoegel-zeigt-dass-nagetiergifte-in-der-umwelt-eine-bedrohung-ihrer-bestaende-darstellen.html
   DIR [3] /Vogelzaehlung-des-Nabu/!6181837
   DIR [4] https://www.baua.de/DE/Themen/Chemikalien-Biostoffe/Chemikalienrecht/Biozide
   DIR [5] /Rattenplage-am-Hermannplatz/!6091459
   DIR [6] /Megathema-Muell-in-Berlin/!6186176
   DIR [7] /Muellproblematik-in-Berlin/!6144968
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Charlotte Gabel
       
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