# taz.de -- Namen von Fleischersatzprodukten: Fleischlobby frisst „Seitan-Steak“ und „Veggie-Hühnchen“
> Pflanzliche Fleischalternativen gehören für viele fest zum Speiseplan.
> Die EU hat nun final entschieden: Bestimmte Begriffe dafür sind nun tabu.
IMG Bild: Steaks aus Seitan: Tabu sind künftig Bezeichnungen, die sich auf Tier- bzw. Fleischarten und einzelne Teilstücke („Cuts“) beziehen
dpa | [1][Pflanzliche Fleischalternativen] dürfen künftig in der EU nicht
mehr mit Begriffen wie „Steak“, „Speck“ oder „Leber“ beworben werden. Das
beschlossen die EU-Staaten in Luxemburg endgültig und folgten damit einer
[2][Einigung mit Vertretern des Europäischen Parlaments]. Hersteller und
Händler haben drei Jahre Zeit, bis die neuen Regeln angewendet werden und
sie ihre Produkte umbenennen müssen. Das soll ihnen Zeit geben, ihre
Vermarktungsstrategien anzupassen. Bereits hergestellte Produkte dürfen in
diesem Zeitraum zudem abverkauft werden.
Bislang dürfen typische Bezeichnungen für Fleischprodukte auch für
pflanzliche Alternativen verwendet werden. Dies soll auch weiter
grundsätzlich möglich sein. Tabu sind dann künftig aber Bezeichnungen, die
sich auf Tier- bzw. Fleischarten und einzelne Teilstücke („Cuts“) beziehen:
zum Beispiel Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Leber, Kotelett
oder Speck. Sie dürfen auch nicht für im Labor gezüchtete oder zellbasierte
Produkte verwendet werden. Fleisch wird in dem Text als „genießbare Teile
von Tieren“ definiert.
## Name „Veggie-Burger“ sollte weg
[3][Abgeordnete des Europaparlaments hatten im vergangenen Jahr ein Verbot
von Begriffen wie „Tofu-Wurst“, „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Burger“ für
vegetarische Produkte ins Spiel gebracht.] Konkret sollten demnach Begriffe
wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ nur noch für Tierprodukte
verwendet werden dürfen. Sie begründeten dies mit dem Schutz von
Verbrauchern und Landwirten.
Unter anderem in Deutschland wurde der Vorschlag stark kritisiert, auch von
Bundesernährungsminister Alois Rainer. Auch die nun abgeschwächte Liste mit
Begriffen, die künftig Fleischprodukten vorbehalten sind, sah er im März
kritisch. Sie bedeute für die Branche unnötigen Mehraufwand, sagte der
CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Die Verbraucher seien schlau
und mündig. Bei der endgültigen Abstimmung im Rat enthielt sich
Deutschland.
## Viele Menschen in Deutschland essen die Produkte
Pflanzliche Fleischalternativen gehören in vielen Haushalten in Deutschland
inzwischen fest zum Speiseplan. Das zeigt die neue Nachhaltigkeitsstudie
des Marktforschers YouGov im Auftrag des Handelskonzerns Rewe. Vor allem
junge Menschen greifen danach. Studienautor Robert Kecskes rechnet damit,
dass die Produkte weiter an Bedeutung gewinnen und sich im Mainstream
etablieren. Häufig steht hinter dem Kauf der Wunsch, den Fleischkonsum zu
verringern.
Bis 2022 stieg laut YouGov die Zahl der Haushalte deutlich, die sich um
eine vegane Ernährung bemühen. Anschließend schwächte sich die Dynamik ab.
Kecskes führt das unter anderem auf den Begriff „Ersatz“, fehlendes
Vertrauen in das Versprechen „Gesundheit“ und die angestrebte
Geschmacksparität zurück. Wichtigste Käufergruppe sind laut Studie
Flexitarier – also Menschen, die nicht ganz auf Fleisch verzichten wollen.
Langfristige Veganer hätten hingegen häufig kein Verlangen mehr nach
Fleischgeschmack und benötigten weniger Ersatzprodukte.
30 Jun 2026
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