# taz.de -- Plan gegen Shein und Temu: Paris beschließt Gesetz gegen Wegwerfmode
> Ultra-Fast-Fashion-Plattformen wie Shein oder Temu sollen nicht mehr
> werben dürfen. Andere EU-Länder könnten nachziehen.
IMG Bild: Frankreich gegen Fast Fashion
Die mexikanische Influencerin Karime Pindter räkelt sich in einem schwarzen
Trägertop von [1][Shein], das nur knapp fünf Euro kostet. Der chinesische
Ultra-Fast-Fashion-Anbieter erreicht mit dieser Art von Werbung täglich
Millionen Kundinnen und Kunden. Doch damit soll in Frankreich bald Schluss
sein. Ein neues Gesetz, das am Dienstag abschließend durch den Senat ging,
verbietet Werbung für Wegwerfmode – auch für Influencerinnen und
Influencer.
„Wir können nicht die Exzesse eines Wirtschaftsmodells kritisieren, das auf
übermäßigem Konsum beruht, und gleichzeitig die Werbung dafür grenzenlos
weiter laufen lassen“, sagte Handelsminister Serge Papin bereits in der
vergangenen Woche in der Nationalversammlung, wo das Gesetz zuerst
verabschiedet wurde. 3,6 Milliarden neue Textilartikel seien im vergangenen
Jahr neu auf den französischen Markt gekommen, rechnete der ehemalige Chef
der Supermarktkette Super U vor. Als Hauptschuldige dieser Schwemme nannte
Papin neben Shein die chinesischen Online-Plattformen [2][Temu] und
AliExpress.
Alle drei Unternehmen trifft nun das neue Gesetz – und droht mit Strafen.
Diese werden fällig, wenn zwei eher vage formulierte Kriterien erfüllt
sind: eine außergewöhnlich hohe Zahl neu auf den Markt gebrachter Produkte
und ein so niedriger Preis, dass sich das Reparieren nicht lohnt.
Umweltverbände und Grüne kritisierten diese Formulierung, die europäische
Hersteller wie [3][Zara] oder den französischen Sportdiscounter Decathlon
faktisch ausklammere. „Unter dem Gewicht der Lobbyisten hat der Text an
Ehrgeiz verloren“, bemerkte der Grünen-Abgeordnete Charles Fournier. „Zara,
H&M und Uniqlo sind keine Vorbilder für nachhaltige Mode.“
## Informationen zu Umweltschäden
Die genauen Grenzwerte des Gesetzes, das am 1. Januar in Kraft tritt,
sollen später Verordnungen regeln. Klar ist, dass die Strafzahlung
höchstens die Hälfte des Nettopreises betragen darf. Für einen Mantel kämen
bis zu 13 Euro und für eine Jeans bis zu 7 Euro zusammen, kündigte der
beigeordnete Minister für den ökologischen Umbau, Mathieu Lefèvre, an. Das
eingenommene Geld soll in ökologisches Recycling und die Reparatur von
Kleidung fließen.
Außerdem soll der Kauf von Ultra-Fast Fashion künftig mit Informationen zu
[4][Umweltschäden] verbunden sein. Kundinnen und Kunden sollen aufgefordert
werden, nicht zu viel Billigkleidung zu kaufen und sie lieber auszubessern
oder weiterzuverkaufen anstatt wegzuwerfen.
„Dieser Text ist ein entscheidender erster Schritt“, sagte die Abgeordnete
Anne-Cécile Violland von der Regierungspartei Horizons, die den
Gesetzentwurf vor gut zwei Jahren eingebracht hatte. „Er muss Europa den
Weg weisen.“
Auch andere Länder engagieren sich. Beim EU-Umweltrat in Luxemburg setzten
sich in der vergangenen Woche neben Frankreich auch Deutschland und die
Niederlande für ein koordiniertes europäisches Vorgehen gegen Ultra-Fast
Fashion ein. Sie forderten die EU-Kommission auf, die Regelungen wirksamer
gegen besonders kurzlebige Textilien auszurichten. Slowenien und Dänemark
unterstützten die Initiative.
## Auch bei Päckchengebühr war Frankreich Erster
Frankreich war auch bereits mit einer Gebühr auf Päckchen Vorreiter. Das
Land verlangt seit März 2 Euro für jedes kleine Päckchen, das dort ankommt.
Die Maßnahme zielte auf den außereuropäischen Onlinehandel und da wiederum
besonders auf die Fast-Fashion-Plattformen. Diese umgingen die Strafe
allerdings, indem sie ihre Produkte nach Belgien lieferten und von dort aus
mit Lastwagen nach Frankreich transportieren ließen.
Am Dienstag kündigte die Regierung an, die Gebühr aufzuheben. Stattdessen
soll ab Mittwoch die EU-weite Aufhebung der Freigrenze von 150 Euro gelten.
Dann muss für Pakete aus dem außereuropäischen Ausland, deren Wert unter
150 Euro liegt, eine 3 Euro hohe Zollgebühr gezahlt werden. Außerdem dürfen
große Modehersteller ihre unverkauften Waren ab dem 19. Juli EU-weit nicht
mehr vernichten. Kleinere Unternehmen könnten folgen.
Die Ultra-Fast-Fashion-Händler sollen so für die wirtschaftlichen und
ökologischen Schäden in die Verantwortung genommen werden, die sie mit
ihren Produkten verursachen. Die Textilindustrie verursacht bis zu 8
Prozent der jährlichen globalen Treibhausgasemissionen. Seit Jahren treiben
Onlinehändler wie Shein und Temu den Absatz von Billigprodukten an. Allein
Shein soll täglich rund 6.000 neue Modelle anbieten. Französische Marken
wie NafNaf oder Kookaï mussten schließen, weil sie der chinesischen
Konkurrenz nicht standhalten konnten.
Die Billigware kommt täglich in Millionen Kleinpaketen aus China in die EU.
Die Herstellung der Kleidung belastet Luft, Gewässer und die Gesundheit
derer, die sie tragen. Die französische Wettbewerbs- und
Verbraucherschutzbehörde DGCCRF testete im Mai 700 Billigprodukte: 70
Prozent der Waren verletzten nationale Regeln, 45 Prozent waren
gesundheitsgefährdend.
30 Jun 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Christine Longin
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