# taz.de -- Verfassungsschutzbericht 2025: Risiko durch Rechte und Russland
> Der Verfassungsschutz warnt vor zunehmenden Bedrohungen von rechts und
> aus dem Ausland. Dobrindt warnt vor Linksextremismus.
IMG Bild: Innenminister Dobrindt und Sinan Selen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, stellen den Verfassungsschutzbericht vor
Russland und Rechtsextreme – das sind laut Innenminister Alexander Dobrindt
(CSU) und Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen die größten Bedrohungen in
Deutschland. Das extrem rechte Personenpotenzial ist laut dem
Inlandsgeheimdienst sogar deutlich und auf den höchsten Stand seit Erhebung
gewachsen: und zwar um 17 Prozent auf 58.700 Personen, von denen 15.600
gewaltbereit seien. Damit geht auch der Anstieg rechtsextremer Gewalt
einher, die um 9 Prozent auf 1.395 Taten stieg, wobei [1][die Dunkelziffer
deutlich größer sein dürfte]. Die neuen Zahlen gehen aus dem
[2][Verfassungsschutzbericht 2025] hervor, den die Behördenchefs am
Dienstag in Berlin vorstellten.
Besonders eine zunehmende Radikalisierung junger Menschen konstatierten die
Behörden und machten dafür den Einfluss und Resonanzräume in den sozialen
Medien dafür verantwortlich, ebenso werde KI zunehmend relevant für
Cyberangriffe und Propagandaproduktion. Auf Tiktok und Instagram
mobilisierten vor allem Islamist*innen und Rechtsextreme mit
Propaganda, ebenso würden Gaming-Plattformen wie Roblox dafür genutzt, um
Kinder zu radikalisieren.
„Es ist eine Herausforderung der Zeit, dass die Täter immer jünger werden“,
so Dobrindt, teilweise handele es sich noch um Kinder. Er verwies etwa auf
die „zerschlagene Letzte Verteidigungswelle“, in der Rechtsextremisten ab
15 sich vernetzt hatten und mittlerweile [3][wegen rechten Terrors
angeklagt sind].
Mit Blick auf hybride Angriffe aus Russland verwies Dobrindt etwa auf
[4][verurteilte sogenannte „Wegwerf-Agenten“], die russische Geheimdienste
für wenig Geld anwerben, um Ziel auszuspähen und Anschlägen zu planen.
Ebenfalls gebe es [5][Bedrohungen durch China] und Iran. Auch VS-Chef Selen
machte Russland als größte Bedrohung aus: „Russland betrachtet Deutschland
als zentralen Gegner in Europa betrachtet und setzte die volle Bandbreite
an Mittel ein: Cyberangriffe, Manipulationen, Sabotage und Ausspähung von
Opfern im Zusammenhang mit Attentatsplänen.“ Die Situation werde den
Verfassungsschutz über Jahre herausfordern.
## Bei neuer AfD-Jugend sieht der Verfassungsschutz „personelle
Kontinuität“
Zur neu gegründeten AfD-Jugend, der Ende 2025 gegründeten „Generation
Deutschland“, sagte Selen: „Wir sehen programmatische und personelle
Kontinuität und ziehen unsere entsprechenden Schlüsse.“ Die „Generation
Deutschland“ war gegründet worden, nachdem die Junge Alternative sich mit
gerichtlich bestätigter Einstufung als „gesichert rechtsextrem“ selbst
aufgelöst hatte.
Die AfD selbst firmiert weiter als Verdachtsfall, wenngleich Dobrindt sie
eine „extremistische Organisation“ nannte und ankündigte, nach dem
Beschluss des Verwaltungsgerichts Köln Material nachzulegen. 28.000 der
70.000 AfD-Mitglieder hält der Verfassungsschutz für rechtsextrem. Köln
hatte die Einstufung der Bundespartei als gesichert rechtsextrem vorläufig
abwiesen. Auch das Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte, welche
die AfD für verbotsreif hält, wolle man prüfen, kündigte Dobrindt an.
Zu einem möglichen künftigen AfD-Innenminister in Sachsen-Anhalt sagte
Selen etwas kryptisch: „Wir müssen das Thema begleitet sehen.“ Was wohl
Geheimdienstsprache ist für: Wir versuchen uns vorzubereiten, aber könnten
in einem solchen Fall nicht einfach ein Landesamt aus unserem Datensystem
entfernen – und: Hoffentlich passiert das nicht.
## Achtung, militanter Antifaschismus
Ebenso warnte Dobrindt vor steigendem Linksextremismus (42.200 Personen)
und „militanten Antifaschismus“ – auch als Reaktion auf den „wahrgenommenen
Rechtsruck“, deren Gewalt richte sich vor allem gegen Rechtsextremisten und
Polizisten. Hier seien ebenfalls die gezählten Straftaten angestiegen.
Dobrindt verwies hier etwa auf Sabotageakte auf die Berliner
Strominfrastruktur Anfang 2026.
„Deutschland steht unter Druck“, fasste Dobrindt zusammen. Die Gegner kämen
von außen mit Sabotage und Spionage und von innen mit Extremismus und
Radikalisierung. Dobrindt rechtfertigte mit der Bedrohungslage die von
Schwarz-Rot geplanten Aufrüstungen für Nachrichtendienste und bei digitalen
Ermittlungsbefugnissen: „Wir müssen dafür sorgen, dass unsere
Sicherheitsdienste und Nachrichtendienste zu echten Geheimdiensten werden“,
sagte Dobrindt.
Das dürfte auch Sinan Selen freuen, dessen Behörde mehr Mittel bekommen
dürfte und der zudem auf den Islamismus (28.645 Personen) verwies, bei dem
es keine Zunahme, aber auch keine Entwarnung gebe: Hier sind Anschläge mit
Todesopfern nach ähnlichen Tatmustern (Messer, Fahrzeuge) zu verzeichnen.
Auch verwies er auf einen erneuten Anstieg beim Antisemitismus im Zuge des
Nahostkonflikts. In diesem Kontext verwies er auch auf „Kooperationslinien“
vom Linksextremismus zu anderen Akteuren.
30 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Bilanz-rechtsextremer-Straftaten/!6174993
DIR [2] https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/sicherheit/BMI26012-vsb2025.pdf?__blob=publicationFile&v=7
DIR [3] /Letzte-Verteidigungswelle-vor-Gericht/!6153190
DIR [4] /Urteil-in-Muenchen/!6125680
DIR [5] /Urteil-gegen-Ex-Bueromitarbeiter-von-Krah/!6112895
## AUTOREN
DIR Gareth Joswig
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