# taz.de -- Schleswig-Holsteins Klimaschutzplan: Moore sollen fossile Restheizungen ausgleichen
> Regierung und Verbände vereinbaren Weg zur Klimaneutralität bei Gebäuden.
> Ab 2040 kein Neubau fossiler Heizungen. Restemissionen werden toleriert.
IMG Bild: Ein Schlüssel zum Klimaschutz im Gebäudesektor: eine Wärmepumpe, wie sie hier aufgebaut wird
Von der reetgedeckten Kate hinterm Deich bis zum Hochhaus in Kiel gibt es
[1][in Schleswig-Holstein rund 850.000 Wohngebäude mit 1,5 Millionen
Wohnungen]. Eigentlich wollte die schwarz-grüne Landesregierung, dass der
Gebäudesektor bis 2040 klimaneutral beheizt und mit sauberer Energie
versorgt ist. In einer Vereinbarung mit der Wohnungs- und Bauwirtschaft
sowie Sozialverbänden weicht die Regierung nun von diesem Ziel ab.
Dafür nennt sie Wege, wie die [2][Transformation sozialverträglich laufen]
kann. Die Klimaneutralität soll über andere Wege erreicht werden. Einen
„Meilenstein“ nennt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die
Vereinbarung.
Die Landesregierung hat dafür ein breites Bündnis von Vereinen und
Verbänden zusammengetrommelt, vom Mieterbund bis zum Sozialverband. Mit
dabei ist auch der [3][Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen, der das
Klimaziel zuletzt kritisiert] hatte.
In dem Papier erklären beide Seiten, dass sie am Ziel der Klimaneutralität
bis 2040 – also früher als auf Bundesebene geplant – grundsätzlich
festhalten. Gleichzeitig erkenne „die Landesregierung an, dass auch nach
2040 im Gebäudesektor Restemissionen verbleiben können“, sagte Günther.
## Ausgleich durch natürliche Senken
Zurzeit entlassen Häuser und Wohnungen 43 Prozent weniger CO₂ in die Umwelt
als im Vergleichsjahr 1990 – doch bis zur Nullmarke bleiben noch 57
Prozent. Damit Schleswig-Holstein sein Emissionsziel rechnerisch einhalten
kann, soll CO₂ an anderen Stellen eingespart oder im Boden gehalten werden,
das [4][sieht das Klimaschutzprogramm der Regierung vor].
Den Ausgleich können „natürliche Senken“ wie Wälder und vor allem Moore
bilden. „Ebenso pragmatisch wie ambitioniert“, nannte Umweltminister Tobias
Goldschmidt (Grüne) die Einigung.
Dabei bleibt das Land ehrgeiziger als der Bund: In Schleswig-Holstein muss
„ab dem Jahr 2040 beim erstmaligen Einbau oder einem Heizungstausch eine
klimaneutrale Wärmeversorgung gewährleistet werden“, heißt es in der
Vereinbarung. Das „Gebäudemodernisierungsgesetz“ der Bundesministerin
Katherina Reiche (CDU) sieht für 2040 nur einen Anteil von 60 Prozent
erneuerbarer Energie vor.
„Klimaneutralität von Wohnimmobilien ist weder Hexenwerk noch
Raketenwissenschaft“, sagt Alexander Blažek, Verbandsvorsitzender
Schleswig-Holsteinischer Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, die in
Schleswig-Holstein zu 80 Prozent aus Privatpersonen bestehen. Bis 2040
müssten in älteren Gebäuden ohnehin die meisten Heizungen getauscht werden.
Erfolge dann der Anschluss an ein Nah- oder Fernwärmenetz oder der Einbau
einer Wärmepumpe, sei „die Wohnimmobilie automatisch klimaneutral“. Bei
Fragen helfe der Verband mit Energieberatung, an deren Kosten sich das Land
mit einer Förderung beteiligt.
Auch der Deutsche Mieterbund hat die Einigung unterschrieben, [5][warnt
aber davor, Mieter:innen für Dämmung und Heizungstausch zur Kasse zu
bitten]: „Die Kostenlast sollte nur beschränkt bei der Bevölkerungsgruppe
mit dem kleinsten Geldbeutel landen“, sagt der Landesvorsitzende Volker
Kiersch.
In der zehnseitigen Vereinbarung finden sich neben gegenseitigen Zusagen
auch zahlreiche Willensbekundungen. Zu weich, findet Ulf Kämpfer,
SPD-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2027. Er
sieht Unverbindlichkeit, Allgemeinplätze und oft unkonkrete
Absichtserklärungen. „Da hätte man nach vier Jahren mit dem Klimaziel 2040
schon viel weiter sein müssen“, findet er.
Christopher Vogt, Fraktionschef der FDP im Landtag, lehnt den „regionalen
Sonderweg“ zur Klimaneutralität bis 2040 generell ab und sieht nun auch die
Regierung bei der Umsetzung gescheitert. „Diese Vereinbarung ist nicht mehr
als eine schwarz-grüne PR-Nummer für den Landtagswahlkampf“, kritisiert
Vogt.
30 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.statistik-nord.de/fileadmin/Dokumente/NORD.regional/Schleswig-Holstein.regional/Band_2_-_Bau,_Wohnen/SH_regional_Band_2_2022.pdf
DIR [2] /Anhoerung-zum-neuen-Heizungsgesetz/!6189607
DIR [3] /Klimaneutralitaet-bis-2040/!6121950
DIR [4] /Klimaschutz-in-Schleswig-Holstein/!5945299
DIR [5] /Ausstellung-ueber-klimagerechtes-Bauen/!6050907
## AUTOREN
DIR Esther Geißlinger
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