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       # taz.de -- Ausnahmezustand auf der Krim: „Fast niemand hat noch Vorräte“
       
       > Nach ukrainischen Angriffen auf die von Russland besetzte Krim hat sich
       > der Alltag dort verändert. Geschäfte schließen. Immer mehr verlassen die
       > Halbinsel.
       
   IMG Bild: Jewpatorija auf der Krim, 26. Juni: ein leerer Strand, nachdem die örtlichen Behörden den Notstand ausgerufen haben
       
       Die taz panterstiftung präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden
       Mittwoch eine wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen,
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       „Istories“ öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den
       ganzen Text [2][lesen Sie hier auf Russisch]. 
       
       Auf der von Russland [3][annektierten Halbinsel Krim] ist der
       Ausnahmezustand ausgerufen worden. Sergej Aksjonow, der von Russland
       eingesetzte Gouverneur, begründete diesen Schritt mit der Notwendigkeit,
       „finanzielle Fragen zu ordnen“. Was er damit genau meint, sagte er nicht.
       Zugleich fehlt es vielerorts an Treibstoff, es kommt zu Stromausfällen und
       auch die Wasserversorgung ist immer wieder unterbrochen. Bewohner*innen
       der Krim schildern „Istories“, wie sich ihr Alltag in den letzten Wochen
       verändert hat – und wie sie wegen der Krimkrise ihre Arbeit verloren haben.
       
       „Fast niemand hat noch Vorräte“, sagt eine Bewohnerin. „Alle sparen, selbst
       zum doppelten Preis will derzeit kaum jemand Benzin verkaufen, weil niemand
       weiß, wann die Tankstellen wieder beliefert werden.“ Hinzu kommt: Die
       normale Bevölkerung kann derzeit gar keinen Kraftstoff kaufen. Wer Benzin
       kaufen will, ist auf den Schwarzmarkt angewiesen. Doch auch dort wird das
       Angebot allmählich knapp.
       
       Früher habe es Leute gegeben, die über staatliche Stellen oder Bekannte an
       Benzin kamen und es weiterverkauften, sagt eine weitere Krimbewohnerin
       gegenüber „Istories“. „Der Kraftstoff war eigentlich für staatliche Zwecke
       bestimmt, aber ein Teil wurde abgezweigt und verkauft. Auch Angehörige des
       Militärs haben das gemacht.“ Doch inzwischen habe selbst das aufgehört.
       „Wir hatten früher einen Verkäufer, der Benzin privat anbot. Seit Beginn
       der Krise hat auch er nichts mehr.“
       
       ## Ganze Stadtviertel ohne Strom
       
       Der Kraftstoffmangel hat auch Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr.
       Durch die Behörden wurde er eingeschränkt und die Zahl der Buslinien
       reduziert. Wegen der Stromausfälle wurde der Oberleitungsbusverkehr
       eingestellt.
       
       In der letzten Woche [4][hat die ukrainische Armee ihre Angriffe auf die
       Energieinfrastruktur der Krim intensiviert]. In der Folge fiel in weiten
       Teilen der Halbinsel der Strom aus. Zwei Bewohner*innen von Sewastopol
       berichten, dass ganze Stadtviertel praktisch ohne Elektrizität auskommen
       müssen. Zudem wird die Wasserversorgung immer wieder unterbrochen, da auch
       die Pumpstationen Strom benötigen.
       
       „Die meisten Geschäfte, vor allem die kleineren, privaten Läden, sind
       geschlossen“, sagt eine Bewohnerin. In den geöffneten Geschäften könne in
       der Regel nur bar bezahlt werden, Kartenzahlung sei nur in großen
       Supermarktketten möglich. „Die meisten Geldautomaten funktionieren nicht.
       Die wenigen, die über Notstrom versorgt werden, sind leer. Deshalb
       versuchen viele Menschen, Bargeld abzuheben, da Kartenzahlungen wegen
       fehlendem Strom oder Internet oft nicht möglich sind“, so die Bewohnerin
       weiter.
       
       Anfang Juni begannen viele Geschäfte damit, den Verkauf von
       Grundnahrungsmitteln wie Zucker, Reis, Buchweizen und anderen
       Getreideprodukten zu beschränken. Pro Person dürfen nur noch wenige
       Kilogramm davon gekauft werden.
       
       „Die Menschen hatten aus Angst alles aufgekauft“
       
       „Die Menschen gerieten in Panik und begannen, Vorräte anzulegen“, sagen
       „Istories“ zwei Bewohner*innen von Sewastopol. „Wir waren in einem
       großen Supermarkt, dort standen noch Paletten mit Reis, Buchweizen und
       Nudeln, von denen wir etwas kauften. Als wir am nächsten Tag wiederkamen,
       waren die Regale leer, offenbar hatten die Menschen aus Angst alles
       aufgekauft.“
       
       In Lebensmittelgeschäften, die mit Notstromaggregaten betrieben werden,
       werden derzeit nur Produkte verkauft, die keine Kühlung brauchen.
       Kühlregale sind mit Absperrbändern abgetrennt, die Ware riecht verdorben.
       
       Laut einer Bewohnerin leben in Sewastopol nur noch wenige junge Menschen.
       Viele von ihnen seien auf das russische Festland gezogen, um dort bessere
       Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten zu finden. Geblieben sind vor allem
       ältere Menschen und diejenigen, die aus beruflichen oder familiären Gründen
       nicht wegziehen können.
       
       Die jüngsten Angriffe auf die Energieinfrastruktur hätten jedoch auch
       einige der Verbliebenen dazu gebracht, erneut über einen Umzug
       nachzudenken. „In meinem Bekanntenkreis überlegen sogar Unternehmer, die
       Krim zu verlassen“, sagt eine Frau aus Sewastopol. „Es gibt kaum noch
       Arbeit, die Lage ist katastrophal.“
       
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       1 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Unser-Fenster-nach-Russland/!t5916992
   DIR [2] https://istories.media/news/2026/06/26/gorod-stanovitsya-pokhozh-na-svoyu-ten-mestnie-zhiteli-o-situatsii-v-krimu
   DIR [3] /Meduza-Auswahl-15---21-Mai-/!6089375
   DIR [4] /Ukrainische-Angriffe-auf-Russland/!6183617
   DIR [5] https://secure.spendenbank.de/form/1705?langid=1--
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tigran Petrosyan
       
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