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       # taz.de -- Nach langem Streit in Hamburg: Historikerin wird neue Antisemitismusbeauftragte
       
       > Der Hamburger Senat hat Anna von Villiez als neue
       > Antisemitismusbeauftragte bestellt. Der unterlegene Bewerber hatte
       > dagegen geklagt und verloren.
       
   IMG Bild: Soll in Hamburg künftig für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus kämpfen: die Historikerin Anna von Villiez
       
       Nach einer halbjährigen Vakanz hat der rot-grüne Hamburger Senat die
       Historikerin Anna von Villiez als neue Antisemitismusbeauftragte der Stadt
       bestellt. Das Besetzungsverfahren war von einem unterlegenen Mitbewerber
       angefochten worden. Hintergrund ist ein Streit zwischen dem liberalen
       Israelitischen Tempelverband und der eher orthodox ausgerichteten Jüdischen
       Gemeinde Hamburg, bei dem sich die liberale Gemeinde vom Senat
       benachteiligt sieht.
       
       Von Villiez leitet seit 2018 die an die Volkshochschule angedockte Gedenk-
       und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule im Hamburger
       Karolinenviertel. Davor hat sie am Institut für Geschichte und Ethik der
       Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gearbeitet sowie an der
       Arbeitsstelle für Provenienzforschung der Hamburger Staatsbibliothek. Von
       2007 bis 2011 leitete sie in Oxford ein Forschungsprojekt zu den Opfern
       medizinischer Experimente im Nationalsozialismus.
       
       Von Villiez künftige Aufgabe ist ein an die Wissenschaftsbehörde
       angegliedertes weisungsunabhängiges Ehrenamt. Dessen Aufgabe ist es, das
       jüdische Lebens zu fördern, Antisemitismus vorzubeugen und diesen zu
       bekämpfen. Von Villiez bringe dafür „wissenschaftliche Expertise, eine
       starke Verankerung in der Stadtgesellschaft und viel Erfahrung im Dialog
       mit allen Hamburger:innen mit“, lobte Wissenschaftssenatorin Maryam
       Blumenthal (Grüne).
       
       Auf einen Dialog auf Augenhöhe hofft insbesondere ihr unterlegener
       Mitbewerber Eike Steinig vom Vorstand des Israelitischen Tempelverbandes.
       „Wir wünschen uns eine Amtsführung, die die religiöse und institutionelle
       Vielfalt des Judentums in Hamburg anerkennt, unterschiedliche jüdische
       Stimmen einbezieht und allen Strömungen mit derselben Wertschätzung und
       Offenheit begegnet“, heißt es in einem Glückwunschschreiben des
       Tempelverbandes an von Villiez.
       
       ## Gleichbehandlung gefordert
       
       Dazu gehöre es, alle jüdischen Gemeinden gleichermaßen einzuladen,
       einzubeziehen und als gleichwertige Partnerinnen und Partner zu behandeln.
       „Das Amt sollte Brücken bauen, Vertrauen wiederherstellen und dazu
       beitragen, dass sich keine jüdische Gemeinschaft ausgeschlossen oder
       übergangen fühlt“, heißt es in dem Brief.
       
       Steinig und seine Co-Vorsitzende Galina Jarkova beziehen sich auf die
       [1][aus ihrer Sicht schlechten Erfahrungen mit dem vorigen
       Antisemitismusbeauftragten Stefan Hensel]. Jener gehört der orthodox
       dominierten Gemeinde an und wird von der liberalen Gemeinde als
       voreingenommen wahrgenommen.
       
       Der Senat hatte Hensel im November 2024 für eine zweite Amtszeit bestellt,
       ohne zu berücksichtigen, dass sich auch Steinig für das Amt beworben hatte.
       [2][Steinig klagte und bekam vom Oberverwaltungsgericht recht]: Der Senat
       musste das Stellenbesetzungsverfahren fortführen und Steinig dabei
       berücksichtigen. Als der Senat dann Ende vergangenen Jahres von Villiez
       bestellte, klagte Steinig erneut, scheiterte aber am 11. Juni endgültig.
       
       Steinig wirft dem Senat vor, für das Amt eine Affinität zur jüdischen
       Einheitsgemeinde gefordert zu haben. Das habe ihn „als Kandidaten gleich
       schon rausgekegelt“. Denn die [3][liberale Gemeinde will sich nicht von der
       weitaus größeren Jüdischen Gemeinde Hamburg vereinnahmen lassen.] Sie pocht
       darauf, die ältere, ungebrochene Tradition zu haben und will als
       eigenständiger Ansprechpartner ernst genommen werden.
       
       Anna von Villiez wollte sich vor ihrer Vorstellung am 21. Juli nicht zu dem
       Konflikt äußern. Nach der Verfolgung in der NS-Zeit habe Hamburg wieder
       eine lebendige und spannende jüdische Gegenwart, teilte sie mit. Als ihre
       wichtigste Aufgabe betrachte sie, „dem [4][grassierenden Antisemitismus]“
       effektive Maßnahmen entgegenzusetzen. „Darüber hinaus werde ich mich dafür
       einsetzen, dass [5][jüdisches Leben als Teil unserer Stadtgesellschaft]
       noch sichtbarer wird“, versprach sie.
       
       1 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Gernot Knödler
       
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