# taz.de -- Porträt Angela Merkels: Blau, das uns nach sich zieht
> Enthüllung des neuen Merkel-Porträts: Taugt der Blazer der Kanzlerin a.
> D. zum Blaumann der Republik?
IMG Bild: Im Bode-Museum in Berlin wurde ein Porträt der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel enthüllt
Klassisch mutet das neue, das offizielle Porträt der Angela Merkel,
Kanzlerin a. D. an. Staatsmännischer als so mancher ihrer Vorgänger steht
sie frontal im Bild, ja, auch konservativer gepinselt. Bar jedweder
Abstraktion, jeder Verspieltheit und auch jeder doppelten Bedeutung,
Symbolik, Allegorie und überhaupt fast allem, was sich der malende Mensch
so im jahrhundertealten Genre der Porträtdarstellung an Kommunikation
abseits des Abbilds überlegt hat.
Merkel, so betonte es auch Marion Ackermann, Direktorin der Stiftung
Preußischer Kulturbesitz, kommunizierte wie kein anderer Kanzler zuvor
durch Farben. Blau und Gelb sind es, [1][die ihr Porträt nun dominieren.]
Flächig der ultramarin strahlende Blazer, darüber ein warmes
Bernsteincollier (ein Verweis an ihren Wahlkreis Vorpommern-Rügen?)
erleuchtet im goldenen Seitenlicht, gerahmt mit Schattenfuge und schwerem
Blattgold.
Vielleicht wird dieses Blau bald das Orange der Merkel-CDU in unserer
kollektiven Erinnerung an die Kanzlerin überschreiben, strahlte doch schon
das Cover ihrer Biografie „Freiheit“ im selben Ton. Und für ebenjene steht
es auch, das Blau, zumindest in der französischen Trikolore. Auch in der
Flagge der EU bildet es sie ab, hier gepaart mit der Weite des Himmels, an
dem die Staatensternchen leuchten.
Maria, die Himmelskönigin, wird ebenfalls gern in Blau gekleidet,
insbesondere in spätmittelalterlichen Darstellungen. Für ihre Abbildung war
es gerade gut genug, das selten-teure, ferne Pigment aus afghanischem
Lapislazuli. Naturgemäß wollten auch Könige sich darin kleiden: Louis VIV.,
V., VI. … sie alle posieren im nachtsamtenen Mantel mit goldener
Lilienstickerei.
Herrschen oder dienen, ließe sich hier fragen, kommen einem doch die
Blauhemden der DDR-Jugenorganisationen in den Sinn, oder einfach
reparieren? Der Blazer als Blaumann der Republik?
## Goethes Farbenlehre
„Wie wir den hohen Himmel, die fernen Berge blau sehen, so scheint eine
blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen
Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern
an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht“,
schreibt Goethe in seiner Farblehre über die „sinnlich-sittliche Wirkung
der Farbe“.
Blau als Farbe der Ferne und des Entzugs – ist das die Nachricht, die die
Altkanzlerin hier im Bild versteckt hat? Sie zieht uns an, während sie sich
entfernt. Mag die Nation sich noch so sehr nach ihrem besonnenen Gemüt
verzehren. Und plötzlich ergibt auch der flächige Farbauftrag einen
tieferen Sinn.
4 Jul 2026
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DIR Hilka Dirks
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