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       # taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Geht’s eigentlich noch neutraler?
       
       > Gianni Infantino trifft im Stadion auf eine seiner größten Kritikerinnen.
       > So recht kann er nicht verstehen, was sie gegen ihn vorbringt.
       
   IMG Bild: Fußball verbindet: Fifa-Chef Gianni Infantino begrüßt seine größte Kritikerin Lise Klaveness
       
       ## 1. Juli 2026
       
       Als ich heute Morgen, so wie ich es immer nach dem Aufstehen tue,
       nachgesehen habe, was in den sozialen Medien über mich berichtet wird, ist
       mir immer wieder ein Bild begegnet, das den Fifa-Präsidenten an der Seite
       einer rothaarigen Frau zeigt. Oft waren merkwürdige Kommentare unter den
       Bildern zu lesen, ganz so, als wäre ich mit dieser Frau in einer Art
       Kriegszustand. Manchmal frage ich mich, was ich eigentlich noch alles tun
       soll, damit die Menschen endlich verstehen, dass ich ein Mann des Friedens
       bin? Wie viele Friedenspreise muss ich vergeben, bis endlich erkannt wird,
       wie gut ich es eigentlich meine?
       
       Die Frau, die in diesem wunderbaren Stadion in Dallas neben mir saß, auch
       [1][sie gehört zu meinen Kritikerinnen]. Jene Frau namens Lise Klaveness
       leitet den norwegischen Fußballverband. Sie unterstützt [2][ein Anliegen
       von Aktivisten], die erreichen wollen, dass die Ethikkommission der Fifa
       gegen mich ermittelt. So etwas macht mich natürlich nachdenklich.
       Ausgerechnet das Ausloben eines Friedenspreises soll gegen die Statuten
       unseres wunderbaren Verbands verstoßen, gegen das Gebot der politischen
       Neutralität, zu der sich die Fifa verpflichtet hat.
       
       Ich kann das nicht nachvollziehen. Sich politisch neutral zu verhalten, ist
       doch dann am besten möglich, wenn man im Frieden miteinander lebt, wenn man
       keinen Streit austragen muss, weil man eine andere politische Meinung hat.
       Ich selbst versuche alles, um selbst keine politische Meinung zu
       entwickeln.
       
       ## Keine Meinung
       
       Das war doch auch die Botschaft, die ich aussenden wollte, als ich meinem
       Freund Donald [3][jene wunderschöne Trophäe für den Träger dies
       Fifa-Friedenspreises] übergeben habe: Egal, was der US-Präsident denkt und
       tut, der Fifa-Präsident hat keine Meinung dazu. Mehr politische Neutralität
       geht nicht.
       
       Natürlich habe ich versucht, Lise Klaveness meinen Standpunkt zu erläutern.
       Und eigentlich war ich mir sicher, dass sie mich verstehen wird. Sie ist
       eine rothaarige Frau und hat als Mädchen vielleicht die gleichen Hänseleien
       über sich ergehen lassen müssen wie ich. Während ich diese Zeilen schreibe,
       muss ich an den kleinen Gianni zurückdenken, diesen rothaarigen,
       sommersprossigen Jungen, über den sich seine Mitschüler so gerne lustig
       gemacht haben.
       
       Aber sie wollte mich nicht verstehen und hat mir erzählt, dass jetzt auch
       50 Mitglieder des Europäischen Parlaments eine Untersuchung gegen meine
       Person befürworten. Ich frage mich, ob Parlamentarier, die einer Partei
       angehören, die richtigen Ansprechpartner sind, wenn es um Fragen
       politischer Neutralität geht.
       
       Ich jedenfalls sehe allen Ermittlungen gegen mich, sollten sie denn
       eingeleitet werden, mit großer Gelassenheit entgegen. Und wenn ich mich zur
       Wiederwahl stelle, ist es ja jedem Verband freigestellt, gegen mich zu
       votieren. Auch Gegenstimmen gehören für mich zur Demokratie, solange das
       Ergebnis stimmt.
       
       1 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Norwegischer-Fussballverband/!6098125
   DIR [2] https://fairsq.org/reboot-fifa-campaign-launches-with-class-action-complaint-against-gianni-infantino/
   DIR [3] /Fussball-WM-2026/!6178485
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Gianni Infantino
       
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