URI: 
       # taz.de -- Proteste gegen Ausländer in Südafrika: Ein Klima von Einschüchterung und Angst
       
       > Der Protesttag gegen „illegale“ Migranten in Südafrika eskalierte
       > vielerorts in Gewalt. Viele Ausländer fliehen, aber so einfach ist das
       > nicht.
       
   IMG Bild: Protest von einwanderungsfeindlichen Gruppen am 30. Juni in Durban, Südafrika
       
       Es begann als landesweiter Protesttag gegen illegale Migration, es
       eskalierte schnell. Gewalt, Plünderungen, Zerstörung und gezielte Angriffe
       entwickelten sich im Laufe des 30. Juni in den südafrikanischen Provinzen
       KwaZulu-Natal, Gauteng, Western Cape und Eastern Cape und offenbarten die
       sich vertiefenden sozialen und politischen Spannungen über Migration,
       Ungleichheit und die Effektivität der Regierung.
       
       Zu den Protesten hatte unter anderem die Bewegung March an March
       aufgerufen, die insbesondere in KwaZulu-Natal stark ist. Sie hatte ein
       Ultimatum gesetzt, [1][dass „unregistrierte Ausländer“ bis zum 30. Juni
       Südafrika verlassen sollen]. Migranten, sagt sie, trügen zu
       Arbeitslosigkeit und der Überlastung öffentlicher Dienste bei, obwohl
       Ökonomen dieser Analyse widersprechen. Die Gruppe will ihrer Forderung mit
       weiteren Protesten Nachdruck verleihen.
       
       Ein massiver Polizeieinsatz sollte am Dienstag Gewalt verhindern.
       Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa warnte: „Nur die Regierung darf
       Einwanderungsgesetze durchsetzen. Aufwiegelung und Gewalt werden nicht
       toleriert.“ Zuvor hatte er erklärt, dass es zwar einen realen Frust in der
       Bevölkerung über hohe Arbeitslosigkeit und unzulängliche staatliche Dienste
       gebe, dieser aber nicht an Zuwanderern ausgelassen werden dürfe.
       
       Dennoch herrschte unter den gut drei Millionen afrikanischen Migranten in
       Südafrika Angst. Denn bei ausländerfeindlichen Gewalttaten wird selten
       zwischen „legalen“ und „illegalen“ Migranten unterschieden. „Wenn ich
       bleibe, werden sie mich angreifen“, war ein oft zu hörender Satz. Ein
       Malawier sagte: „Ich muss vor dem 30. Juni weg, sonst bringen sie meine
       Familie um.“
       
       Mindestens vier Menschen wurden im Vorlauf zum Protesttag getötet, rund
       25.000 verließen Südafrika. Am 30. Juni erschienen viele Ausländer nicht
       zur Arbeit. Im Einzelhandel in den Townships, wo viele Migranten aus
       Simbabwe, Mosambik, Malawi, Äthiopien, Nigeria und Somalia kleine Läden und
       Verkaufsstände betreiben, kam es im Laufe des Tages zu Übergriffen.
       
       ## Fliehende können Südafrika nur schwer verlassen
       
       Die sogenannten Spaza-Shops wurden vielerorts gestürmt, geplündert und
       zerstört, ihre Betreiber und deren Angehörige suchten Zuflucht in Kirchen,
       Gemeindehallen und Konsulaten. Es gab auch vereinzelt Zusammenstöße
       zwischen ausländerfeindlichen Demonstranten und Gegendemonstranten.
       
       Derweil wird es fliehenden afrikanischen Ausländern schwer gemacht,
       Südafrika zu verlassen. Die simbabwische Bürgerrechtsorganisation CWZ
       (Citizens Watch Zimbabwe) erklärte, viele Rückkehrer nach Simbabwe steckten
       am Grenzübergang Beitbridge fest. Es gibt [2][Berichte], dass es 24 Stunden
       dauern kann, über die Grenze zu kommen, und es den Menschen schwer gemacht
       wird, persönlichen Besitz über die Grenze zu bringen. Und in Simbabwe seien
       sie erneut mit Gewalt, Diskriminierung und Unsicherheit konfrontiert.
       
       „Es ist herzzerreißend, dass Simbabwer, die in Südafrika Einschüchterung
       und Verfolgung aushalten mussten, in der Heimat mit Verhaftung und weiterer
       Verfolgung rechnen müssen“, erklärte CWZ-Präsidentin Patience Chard. „Was
       für eine Regierung schafft es nicht, ihre eigenen Bürger zu schützen?
       Unsere Menschen verdienen Würde, Gerechtigkeit und den Schutz des Gesetzes,
       egal wo sie sind.“
       
       Nigerias Regierung kündigte an, ihre [3][Evakuierungsflüge aus Südafrika]
       fortzusetzen. Nachdem vergangene Woche ein erster Flug aus Südafrika mit 66
       Nigerianern, hauptsächlich Frauen und Kinder, im nigerianischen Lagos
       gelandet war, flog am Dienstag eine weitere Maschine 271 Nigerianer aus dem
       südafrikanischen Johannesburg aus. Manche sagten, sie mussten alles
       zurücklassen. „Wir sind dazu verpflichtet, unsere Staatsbürger außerhalb
       der Landesgrenzen zu schützen“, sagte Nigerias Außenministerin Bianca
       Odumegwu-Ojukwu. „Die Evakuierungen werden weitergehen, auch nachdem das
       Ultimatum (30. Juni; Anm. d. Red.) abgelaufen ist, damit kein Nigerianer
       zurückgelassen wird, der nach Hause will.“
       
       1 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Auslaenderfeindlichkeit-in-Suedafrika/!6191597
   DIR [2] https://matabeletoday.com/?p=2272
   DIR [3] https://guardian.ng/news/violence-tension-in-s-africa-as-fg-evacuates-271-seeks-compensation-for-nigerians/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tintswalo Baloyi
   DIR Akani Chauke
   DIR Njubulo Mkhize
   DIR Emeka Okonkwo
       
       ## TAGS
       
   DIR Südafrika
   DIR Schwerpunkt Rassismus
   DIR Simbabwe
   DIR Nigeria
   DIR Social-Auswahl
   DIR Südafrika
   DIR Südafrika
   DIR Südafrika
   DIR Reden wir darüber
   DIR Südafrika
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Zuwanderer verlassen Südafrika: Kein Gemüse, kein Friseur, kein Gärtner, kein Bauarbeiter
       
       Über 160.000 afrikanische Zuwanderer sind aus Südafrika geflohen. Das hat
       drastische Auswirkungen – vom Kleinhandel in den Townships bis zu
       Großfarmen.
       
   DIR Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Zehntausende auf der Flucht
       
       Immer mehr afrikanische Migranten verlassen Südafrika. Die Grenze zu
       Simbabwe wird zum wichtigsten Transitpunkt. Auch dort sollen sie nicht
       bleiben.
       
   DIR „Ausländer raus“ in Südafrika: Massenproteste und vereinzelte Übergriffe
       
       Aktivisten gegen „illegale“ Migranten in Südafrika bringen Zehntausende
       Menschen auf die Straßen. Weitere Aktionen sind geplant.
       
   DIR Fremdenfeindlichkeit in Südafrika: Eine Schande für die einstige Regenbogennation
       
       Bis zum 30. Juni sollen Ausländer ohne gültige Papiere Südafrika verlassen.
       Aus dem Land der Freiheit ist eins der Remigration geworden.
       
   DIR Ausländerfeindlichkeit in Südafrika: Der Tag, vor dem ein ganzes Land Angst hat
       
       Bis 30. Juni, sagen radikale Kampagnen, sollen „illegale“ Zuwanderer
       Südafrika verlassen. Angst geht um: Geschäfte schließen, Migranten reisen
       aus.