# taz.de -- Homophobie beim WM-Spiel in Mexiko: Die Sache mit dem Schrei
> Mexikanische Fans fallen im Spiel gegen Ecuador mit homophobem Gebrüll
> auf. Ein altes Problem, das auch eine Kampagne vor der WM nicht
> beseitigen kann.
IMG Bild: Mexikanische Fans verbindet man nicht nur mit guter Partystimmung
Schon wieder konnte es nicht verhindert werden. Kann das denn wahr sein?
[1][Weit über ein Jahrzehnt geht das nun so.] Im Interesse des
mexikanischen Nationalteams wäre es gewiss gewesen, dass nach dem
2:0-Triumph gegen Ecuador und dem Einzug ins Achtelfinale weltweit nur über
die große Fußballparty im Land gesprochen worden wäre. Aber da waren wieder
diese hässlichen Störgeräusche.
Auf dem Portal der mexikanischen Zeitung La Razón kann man sie nachhören.
Mit ohrenbetäubenden Pfiffen wurde der Anlauf von Hernán Galíndez, dem
Torhüter Ecuadors, zum Abstoß begleitet, und als er den Ball trat, war der
Schrei „puto“ (ins Deutsche am ehesten mit dem Wort „Stricher“ zu
übersetzen) überdeutlich zu vernehmen. In mexikanischen Stadien scheint
diese homophobe Fanfolkore eben einfach dazuzugehören – allen Strafen zum
Trotz.
Die Puto-Rufe waren schon bei der WM 2014 in Brasilien zu hören, [2][Manuel
Neuer wurde bei der WM 2018 in Moskau von mexikanischen Fans entsprechend
geschmäht.] Das gleiche Schicksal ereilte gegnerische Torhüter bei der WM
2022 in Katar, bei allen anderen möglichen Wettbewerben und in
Freundschaftsspielen.
Der mexikanische Fußballverband dürfte die Übersicht verloren haben, wie
viele Geldstrafen er dafür schon entrichten musste. Allein für die Vorfälle
bei der letzten WM 2022 waren es 114.000 US-Dollar. Sogar Geisterspiele
wurden dem Verband schon auferlegt. Erst vergangenen Mai, beim
mexikanischen WM-Testspiel gegen Ghana, [3][hatte die Fifa wieder einmal
Sanktionen] wegen dieser Rufe verhängt und Teilbereiche im Stadion von
Puebla für Zuschauer gesperrt.
## Fußballlegende Hugo Sánchez meldet sich zu Wort
Die verzweifelte Angst, als Co-Gastgeber dieser WM erneut
verhaltensauffällig zu werden, war groß, weshalb trotz zahlloser
fruchtloser Kampagnen in der Vergangenheit, zum Beispiel „Ruft was ihr
wollt – aber nichts, was uns aus dem Spiel nimmt“, vom Fußballverband
wieder eine neue ins Leben gerufen wurde. Neben dem derzeitigen
Nationaltrainer Javier Aguirre meldete sich dabei auch Mexikos größte
Fußballlegende Hugo Sánchez zu Wort.
„La Ola Sí, El Grito No“ heißt die aktuelle Kampagne, was so viel bedeutet
wie: „Ja zur La-Ola-Welle, Nein zum Schrei“. Wie die Partie gegen Ecuador
zeigte, ist auch diese erfolglos geblieben. Dass einfach nur von dem Schrei
und nicht von Homophobie die Rede ist, beschreibt möglicherweise ein
Grundproblem. Es besteht eine Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen.
In Mexiko streiten viele Menschen ab, dass das Wort „puto“ eine eindeutig
homophobe Note hat. Obwohl es im derben Alltagssprachgebrauch auch
gleichbedeutend für „Feigling“ genutzt wird, ist allerdings die
herabwürdigende sexuelle Herkunft des Wortes nicht zu leugnen.
Freilich ist Homophobie und Sexismus unter Fans kein exklusiv mexikanisches
Problem. Bei der WM 2018 verhängte die Fifa auch gegen Argentinien, Peru
und Uruguay Strafen, die mit explizit diskriminierenden Gesängen auffielen.
Homophobe und sexistische Beschimpfungen gehören ebenfalls zum deutschen
Fußballalltag, auch wenn sie im Profibereich eher selten orchestriert
vorgetragen werden. Der letzte massive Vorfall trug sich im März 2025 beim
Drittligaspiel zwischen Verl und Rot-Weiss Essen zu. Die Gästefans
beschimpften die Schiedsrichterin Fabienne Michel als „Hure“ und sangen:
„Die Blonde wird gef***, olé, olé.“
Interessant wird nun zu sehen sein, wie die Fifa auf die Vorfälle beim
Spiel in Mexiko-Stadt reagiert. Nach seinem eigenen Regelwerk, dem
sogenannten Drei-Stufen-Verfahren, hätte das Schiedsrichterteam nach den
„Puto“-Rufen die Partie unterbrechen müssen und der Stadionsprecher oder
die Stadionsprecherin das Publikum auffordern müssen, mit den Schmähungen
aufzuhören. Hätte all das nichts genutzt, hätte die Partie in einem letzten
Schritt abgebrochen werden müssen.
Möglicherweise haben die mexikanischen Fans ihre homophobe Folklore im
Bewusstsein möglicher strengerer Strafen bewusst dosiert vorgetragen. Von
weiteren Rufen dieser Art im Verlaufe der Partie wurde jedenfalls nicht
berichtet. Es war wahrlich kein Fußballfesttag am Dienstag in Mexiko-Stadt.
1 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Johannes Kopp
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