# taz.de -- Mercosur-Gipfel in Paraguay: Der einsame Linke Lula da Silva
> In den Mercosur-Staaten regieren immer mehr rechte und rechtsextreme
> Präsidenten. Was das für die Menschen bedeutet – und für den Handel mit
> der EU.
IMG Bild: Ankunft des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva in Paraguay zum Mercosur-Gipfel am 30. 6. 2026
Es sollte ein routinemäßiges Gipfeltreffen der Präsidenten der Mitglieds-
und assoziierten Staaten der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft
Mercosur am Dienstag in der paraguayischen Hauptstadt Ascunción werden.
Doch wie schon beim letzten Gipfel, [1][als Brasiliens linker Präsident
Lula da Silva nicht gekommen war], sagte diesmal sein rechtslibertärer
Amtskollege Javier Milei in der letzten Minute sein Kommen ab.
Stattdessen empfing Argentiniens Präsident zwei Tage zuvor demonstrativ
Flavio Bolsonaro in Buenos Aires. Es war eine weitere Geste der
Unterstützung im Vorfeld der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober in
Brasilien, bei der der Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair
Bolsonaro gegen Lula antreten wird.
Lula konterte geschickt, als er am Tagungstisch schilderte, welche
Situation er bei seinem Amtsantritt 2023 vorgefunden hatte: eine nicht
funktionierende Verwaltung infolge der Entlassungswelle unter Amtsvorgänger
Bolsonaro, Millionen Menschen in Armut, ein abgeschafftes Frauenministerium
und außer Kraft gesetzte Rechte für Minderheiten. Es war Wahlkampf gegen
Bolsonaro Junior und zugleich die Beschreibung dessen, was Milei eines
Tages in Argentinien hinterlassen könnte.
Und doch droht Lula zu einem linken Mahner in der rechten Wüste zu werden.
Außer dem sozialdemokratischen Präsidenten Yamandú Orsi aus Uruguay werden
künftig nur rechte und rechtsextreme Staatsoberhäupter am Tisch sitzen.
Auch in den assoziierten Staaten Chile, Peru und Kolumbien sind oder werden
bald rechte Präsident*innen im Amt sein. Soziale Themen blieben in
allen Reden der Tagungsteilnehmer nicht mehr als pflichtschuldig
hinzugefügte Floskeln.
## Ausnahmezustand in Bolivien
Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, lieferte der Präsident aus Bolivien.
So sprach Rodrigo Paz angesichts der Proteste in Bolivien von einem
drohenden „südamerikanischen Frühling“ in Anspielung auf den Arabischen
Frühling, als 2010 Millionen von Menschen in Nordafrika und der arabischen
Halbinsel auf die Straße gingen.
Die Proteste bolivianischer Gewerkschaften, Bauern und Arbeiter richten
sich gegen die Wirtschaftskrise im Land und politische Vorhaben der
rechtskonservativen Regierung Paz'. Vor zwei Wochen dann [2][hatte Paz den
Ausnahmezustand über das Land verhängt]. In der Abschlusserklärung beim
Mercosur-Gipfel zeigten die Mitgliedstaaten ihre Besorgnis über die Lage in
Bolivien nach sieben Wochen Protesten.
Das Treffen brachte auch eine Kritik des paraguayischen Präsidenten
Santiago Peña an den „Asymmetrien“ mit sich, die sich aus dem
Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union ergeben. So streiten sich
die südamerikanischen Regierungen darum, wer und in welchem Umfang welche
Produkte in die EU liefern darf. „Welchen Sinn hat ein Abkommen, das
bestehende Asymmetrien reproduziert, anstatt sie zu korrigieren?“, fragte
der gastgebende Präsident.
Nachdem das Abkommen in den vier Mercosur-Gründerstaaten Argentinien,
Brasilien, Paraguay und Uruguay ratifiziert wurde, setzte die EU-Kommission
das Abkommen am 1. Mai in Kraft, obwohl die Ratifizierung im
Europaparlament noch aussteht, weil die Abgeordneten den Europäischen
Gerichtshof (EuGH) [3][mit einer Prüfung beauftragt haben]. Ein Zurück wird
es trotz der noch ausstehenden Entscheidung des EuGH nicht geben. Je mehr
und schneller jetzt Fakten geschaffen werden, desto sicherer wird das
Abkommen Bestand haben, so der Tenor unter den Befürwortern.
Mehr noch. Am Ende des Treffens wurde der formelle Beginn der Verhandlungen
über ein Freihandelsabkommen mit Japan bekannt gegeben. Und Uruguay
erklärte, dass es schon in den kommenden Monaten einer Einigung mit Japan
näherkommen werde.
1 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Jürgen Vogt
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