# taz.de -- Finale Staffel von „The Bear“: Das letzte Mahl
> Auch in der fünften Staffel erzählt die Koch-Serie wieder die gleiche
> Geschichte. Und trotz dieser Redundanz ist sie eine der besten Serien
> jemals.
IMG Bild: Ab jetzt hat Sydney (Ayo Edebiri) das Sagen in „The Bear“
Es regnet in Chicago – und zwar so richtig. Wie aus Kübeln ergießt sich das
Wasser über die Millionenstadt, lässt Gullys überlaufen, Autos die
Kontrolle verlieren und [1][im „The Bear“] die Rohre platzen.
Braune Brühe flutet den Boden im schicken Restaurant, und das ist nur ein
Problem, das den Service für den Abend gefährdet. Die Waschbecken in der
Küche sind unbenutzbar, eine wichtige Lieferung mit Lebensmitteln kommt
nicht an, die Reservierungs-App versagt und bucht den Laden dreimal aus.
Und dann erfährt die Belegschaft auch noch ungeplant, dass ihr Koch und
Chef Carmy (Jeremy Allen White) gekündigt hat. Doch weil das Geld knapp
ist, ist es keine Alternative, den Laden für einen Abend zu schließen. Der
Betrieb muss weiterlaufen. [2][Es gibt also Stress – wie immer bei „The
Bear“.]
Seit fünf Staffeln versucht Carmy gemeinsam mit Familie und Freund_innen
aus dem ehemaligen Sandwich-Laden seines verstorbenen Bruders ein
erfolgreiches Fine-Dining-Restaurant zu machen. Und obwohl das Team über
die Jahre einige Erfolge vorzuweisen weiß, befindet es sich in einem
ständigen Überlebenskampf.
## Emotionen hinter Schreianfällen
Dass es dabei ständig an seine Grenzen kommt, liegt daran, dass es aus
einem Haufen kaputter Leute besteht. Sie haben Traumata, durchlaufen
existenzielle Krisen, kämpfen mit Liebeskummer und verstecken ihre
Emotionen hinter Schreianfällen. Oder um es mit den Worten der Köchin
Jessica (Sarah Ramos) zu sagen: „Alle, die hier arbeiten, haben eine
Persönlichkeitsstörung.“
Doch gerade diese komplexen Figuren, diese Antiheld_innen und ihre noch
komplexeren Beziehungen zueinander zeichnen die Serie aus. Sie sind es, die
einen am Bildschirm halten, denn die Geschichte besteht letztlich aus
Wiederholungen.
Wann immer sie im Restaurant einen Erfolg vorzuweisen haben, bahnt sich der
nächste Rückschlag an. An Geld fehlt es eigentlich immer und das ist nur
das Grundrauschen, auf dem sich ein Problem nach dem anderen aufbaut. Doch
diese Redundanzen tun der Serie, die mit zahlreichen Golden Globes und
Emmys ausgezeichnet wurde, keinen Abbruch. Denn neben dem herausragenden
Cast brilliert sie durch Erzähltechniken und Bilder.
Auch wenn nicht alle fünf Staffeln die gleiche hohe Qualität abliefern
konnten, hat doch jede Szenen oder Episoden, die auch Jahre später noch im
Gedächtnis bleiben.
## Endlich wieder ausatmen
[3][Wie etwa die Weihnachts-Episode „Fishes“ der zweiten Staffel]. In einem
Rückblick kocht die Mutter von Carmy (Jamie Lee Curtis) für die
Großfamilie, wobei sie mehr zur Flasche Wein als zu den Kochtöpfen greift.
Doch nicht nur sie kommt bei diesem Fest an ihre Grenzen, in eigentlich
jeder Szene schreien sich die verschiedenen Familienmitglieder an.
Zwischendurch schrillt die Küchenuhr, der Herd auf höchster Stufe wird in
Nahaufnahme gezeigt. Die Zuschauer_innen können dabei zuschauen, wie der
Tag Schritt für Schritt weiter eskaliert, bis das Zusehen kaum mehr
auszuhalten ist.
Und dieses Gefühl des kaum mehr Aushaltbaren schaffen sie immer wieder, auf
die Zuschauer_innen zu übertragen. Der Stress zwischen den Teammitgliedern
und in der Küche ist auch zu Hause vor dem Fernseher körperlich spürbar,
sodass man nach jeder Episode das Gefühl hat, erst nach dem Abschalten
wieder richtig Ausatmen zu können.
Auch der letzten und finalen Staffel gelingt dieses Phänomen. Die Handlung
findet nur an einem einzigen Tag statt. Dem verregneten Chaos-Tag, an dem
Sydney (Ayo Edebiri) beweisen muss, dass ihr es künftig gelingen wird, den
Laden auch ohne Carmy zu schmeißen.
Wann der richtige Zeitpunkt ist, eine Serie zu beenden, bleibt eine
schwierige Frage. Auch bei „The Bear“ sind sich die Fans uneinig. Einige
meinen, schon nach der zweiten Staffel hätte Schluss sein müssen. Andere
trauern der Serie jetzt schon hinterher und hätten sich noch weitere
Staffeln gewünscht.
Doch auch wenn es keine Episoden mehr geben wird, hinterlässt die Serie ein
großes popkulturelles Erbe. Denn nicht nur die fünf Staffeln bleiben,
sondern auch eine großartige Schauspielerin (Ayo Edebiri), ein neues
Sexsymbol (Jeremy Allen White), ein virales Rezept (Kartoffelchip-Omelett)
sowie ein großer Hype um Serien und Filme rund um die Küche.
2 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Carolina Schwarz
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