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       # taz.de -- Bremen führt Hundeführerschein ein: Mehr Kopfarbeit für Zweibeiner
       
       > Wer sich in Bremen nun erstmals einen Hund anschafft, muss seine
       > Kompetenz dafür nachweisen. Tierschützer*innen freuen sich.
       > Bürokraten auch.
       
   IMG Bild: Bremen führt Hundeführerschein ein: Muss der angeleint werden, wenn Kinder kommen?
       
       Prüfungsfrage: Sie gehen mit Ihrem Hund unangeleint spazieren und es kommt
       Ihnen eine Gruppe Kinder entgegengerannt. Was tun Sie? Zur Auswahl stehen
       vier Antworten: 1. Wenn Ihr Hund Kinder nicht beißt, können Sie ihn laufen
       lassen. 2. Ihr Hund hat einen relativ guten Gehorsam. Sie können ihn laufen
       lassen. 3. Sie rufen den Kindern zu, dass diese stehenzubleiben haben, da
       sonst bei dem Hund ein Jagdverhalten auslösbar wäre. 4. Sie leinen Ihren
       Hund an.
       
       Die Frage ist eine von 35, die all diejenigen beantworten müssen, die sich
       seit dem 1. Juli 2026 in Bremen oder Bremerhaven einen Hund zulegen wollen.
       Die 35 Fragen bilden den theoretischen Teil des „Hundeführerscheins“, den
       der Stadtstaat eingeführt hat. Einen praktischen Teil gibt es auch: Hier
       müssen die angehenden Hundehalter*innen zeigen, dass ihr Hund auf
       Kommandos wie „Sitz“, „Bleib“ und auf einen „Rückruf“ hören und entspannt
       an der Leine gehen kann.
       
       Die Ersthundehalter*innen müssen die theoretische Prüfung ablegen,
       bevor der Hund ins Haus kommt. Für die praktische Prüfung mit ihrem Hund
       haben sie dann ein Jahr Zeit. Verschont von Prüfungen bleibt, wer seinen
       Hund schon vor dem 1. Juli 2026 aufgenommen hat: Diese
       Hundebesitzer*innen brauchen für ihr Tier keinen Hundeführerschein.
       
       Angestoßen wurde der Bremer Hundeführerschein von einem [1][Vorfall im Jahr
       2023], bei dem sich ein Rottweiler an der Weser von der Leine gerissen und
       ein sechsjähriges Mädchen mit Bissen in den Kopf schwer verletzt hatte. Die
       Bremer Innenbehörde begründet die neue Regelung mit der Einschätzung, dass
       „Personen, die im Umgang mit Hunden geschult sind, eher in der Lage sind,
       ihre Hunde sicher zu führen. Der Hundeführerschein sorgt dafür, dass
       Halterinnen und Halter ihr Wissen über den Umgang mit dem Tier nachweisen.“
       
       Bremen folgt mit der Einführung dem benachbarten Niedersachsen, wo
       weitgehend identische Regelungen [2][seit 2013 gelten]. Das Besondere am
       bremisch-niedersächsischen Hundeführerschein ist, dass er alle
       Hundehalter*innen in die Pflicht nimmt und nicht nur diejenigen, die
       bestimmte Hunderassen halten wollen.
       
       Beispielsweise in Hamburg und Schleswig-Holstein gild dagegen eine
       Nachweispflicht nur für Halter*innen von gefährlichen Hunden – dazu
       zählen in Hamburg unter anderen Bullterrier und Rottweiler. Eine
       [3][Debatte zum Thema] gab es in Hamburg im Jahr 2022, als ein Hund auf dem
       Balkon einer Oma deren zweijährige Enkelin [4][lebensgefährlich in den Hals
       biss].
       
       Ob ein Hundeführerschein hilft, die Zahl an Beißvorfällen zu reduzieren,
       ist statistisch nicht belegt. In der Bremer Innenbehörde stützt man die
       neue Regelung nicht auf Zahlen: „Ziel der Neuregelung ist es, Risiken durch
       eine verbesserte Sachkunde zu verringern“, schreibt die Pressestelle.
       
       Aus Niedersachsens zuständigem Landwirtschaftsministerium ist zu erfahren,
       dass keine Statistik zu den Effekten des Hundeführerscheins vorliegt: „Die
       Zahl der Hundebisse wird in Niedersachsen nicht zentral erfasst. Auch wird
       nicht jeder Hundebiss der zuständigen Behörde bekannt, da es keine
       rechtliche Verpflichtung gibt, Hundebisse zu melden.“ Weiter schreibt das
       Ministerium: „Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge liegt das Problem
       bei Beißvorfällen nicht bei den Hunden selbst, sondern am anderen Ende der
       Leine.“
       
       Bei Tierschützer*innen ist das Echo auf Bremens Hundeführerschein
       positiv. Die Tierschutzorganisation Peta findet, „ein Hundeführerschein
       kann nicht nur Beißvorfällen vorbeugen, sondern auch nachhaltig Tierleid
       verhindern und Tierheime entlasten. Deshalb ist die bundesweit
       verpflichtende Einführung längst überfällig.“ Auch der Deutsche
       Tierschutzbund [5][fordert einen verpflichtenden theoretischen
       Sachkundenachweis für Tierhalter*innen] – nicht nur in Bezug auf Hunde,
       sondern in Bezug auf alle Haustiere.
       
       ## Im Detail wird's knifflig
       
       Weniger begeistert dürften die angehenden Hundehalter*innen selbst und
       die Gegner*innen von Bürokratie sein. Der Hundeführerschein mag im
       Grundsatz schnell zu verstehen sein, aber im Detail wird es knifflig: Gilt
       der Hundeführerschein aus Niedersachsen auch in Bremen? Muss man ihn beim
       Gassigehen mitführen? Muss jedes Mitglied eines Hundehaushalts den
       Hundeführerschein machen? Welche Hilfsmittel sind in der Prüfung erlaubt?
       Wer darf die Prüfung abnehmen? Und nicht zuletzt: Wer überprüft das Ganze?
       
       Die Bremer Innenbehörde beantwortet zwanzig dieser Fragen auf einer
       [6][Website]. Diese macht durch ihre bloße Existenz deutlich: Wer sich
       erstmals einen Hund anschaffen will, überlege sich das gut. Das gilt in
       Teilen auch für diejenigen, die bereits einen Hund haben – und noch einen
       wollen: Wer in den vergangenen fünf Jahren schon einen Hund für mindestens
       zwei Jahre besessen und die theoretische Prüfung bereits abgelegt hat, muss
       mit einem neuen Hund nur noch den praktischen Teil absolvieren.
       
       Andererseits hängt die Messlatte beim Theorietest nicht allzu hoch: Eine
       Handvoll gesunder Menschenverstand hilft da schon weiter. Also: Was tun
       wir, wenn uns beim Gassigehen eine Gruppe Kinder entgegengerannt kommt? Es
       stimmt Antwort Nummer vier: Wir leinen den Hund an.
       
       1 Jul 2026
       
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   DIR [5] https://www.tierschutzbund.de/ueber-uns/aktuelles/presse/meldung/oesterreich-fuehrt-verpflichtenden-sachkundenachweis-ein/
   DIR [6] https://www.inneres.bremen.de/inneres/buerger-und-staat/hundefuehrerschein-30149
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Klaus Irler
       
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