# taz.de -- 5 Jahre Humboldt Forum in Berlin: Noch zu wenig Forum
> Fünf Jahre nach der Eröffnung des Humboldt Forums fordert die Stiftung
> Zukunft Berlin Nachbesserungen. Die Gründungsidee sei noch nicht
> verwirklicht.
IMG Bild: Jubiläum: 5 Jahre Humboldt Forum. Ein Grund zum Feiern?
Das Humboldt Forum steckt in einer Identitätskrise. So jedenfalls sieht es
die Stiftung Zukunft Berlin (SZB), die fünf Jahre nach der (schrittweisen)
Eröffnung der Museen und Ausstellungen im neu aufgebauten Stadtschloss
Bilanz zieht. Um sich aus dieser „Identitätskrise“ zu befreien, brauche die
Institution Unterstützung. „In den vergangenen fünf Jahren hat das Humboldt
Forum zwar Fuß gefasst“, heißt es von der Arbeitsgruppe der SZB, die sich
mit dem Forum befasst. Das Humboldt Forum müsse sich aber noch
weiterentwickeln, um bei den Berliner:innen gut anzukommen – und noch
mehr ein Raum des Austauschs werden. „Die Gründungsidee ist nicht
verwirklicht“, meint Sven Sappelt, Sprecher der Arbeitsgruppe der SZB.
Bei der SZB haben sie auch direkt viele Ideen und Ansprüche, aber es fehlt
an konkreten Vorschlägen. Die Stiftung ist ein gemeinnütziges und politisch
unabhängiges Forum für bürgerschaftliche Mitverantwortung. Gründer der
Stiftung Zukunft Berlin war der Berliner Kunstsammler und Mäzen Dieter
Rosenkranz, gemeinsam mit Volker Hassemer, ehemaliger Senator für
kulturelle Angelegenheiten. Die Stiftung erhofft sich, dass das Humboldt
Forum einen kulturellen Beitrag zu den „konfliktreichen Herausforderungen
unserer globalisierten Welt“ leistet.
## Änderungen an der Berlin Etage geplant
Ein Beispiel dafür ist die erste Etage: Seit 2021 können Besucher*innen
dort die Ausstellung „Berlin Global“ ansehen. Für 9 Euro können sie sich
über die Wechselwirkungen von globalen Geschehnissen auf und aus Berlin
informieren. Zu sehen ist etwa auch die Tür der Clubs „Tresor“. Ab 2028
wird die erste Etage des Humboldt Forums wieder frei. Wie es dann
weitergehen soll, steht noch nicht fest. Eines ist aber jetzt schon klar:
Eine weitere Dauerausstellung oder Zwischennutzung lehnt die SZB ab.
Stattdessen schlägt Klaus-Dieter Lehmann, ehemaliger Präsident der Stiftung
Preußischer Kulturbesitz, vor: Man wolle mit ausländischen Experten
arbeiten und spezifisch mit dem Goethe-Institut eine gemeinsame Abmachung
für eine dauerhafte Zusammenarbeit treffen. Als ehemaliger Präsident des
Goethe-Instituts muss ihm dieser Vorschlag besonders gut gefallen. Auch
Katharina Schultens, Kuratorin und Leiterin des Hauses für Poesie, möchte
für die Berliner Etage ein übergreifendes Thema finden, das fehle ihrer
Meinung nach noch.
Schultens will langfristige Beziehungen zu Künstler:innen stärken und
die internationalen Netzwerke weiter ausbauen, etwa mit der Akademie der
Künste. „Berlin ist ein Resonanzraum für Austausch“, sagt sie. Das Humboldt
Forum sei mehr als nur ein Museum. Stattdessen soll die Rolle des Forums
als Gastgeber stärker beleuchtet werden. Das strebt auch das Humboldt Forum
an. Eine Sprecherin sagte auf Anfrage der taz, dass das „Folgeprojekt auf
den Flächen von Berlin Global“ die Idee des Forums stärker sichtbar machen
solle. Das Humboldt Forum plane wechselnde Themen, Formate und
Beteiligungsmöglichkeiten. Damit wollen sie den Anspruch unterstreichen,
„mehr als ein Museum“ zu sein.
## Viele offenen Fragen
Um die Ideen der SZB und des Humboldt Forums umzusetzen, braucht es
weiterhin finanzielle Unterstützung vom Land Berlin, denn die
Verantwortlichkeit für die Umsetzung der zukünftigen Ausrichtung der Berlin
Etage liege beim Berliner Senat, so das Humboldt Forum auf Anfrage der taz.
Die Finanzierung könnte aber wackeln. In den aktuellen Richtlinien der
Regierungspolitik heißt es: „Der Senat überprüft die Beteiligung im
Humboldt Forum.“ Es ist unklar, ob diese Prüfung jemals erfolgt ist.
Daniel Wesener, finanz- und kulturpolitischer Sprecher der Grünen, verweist
aber auf 18 Millionen Euro, die die schwarz-rote Koalition, auf Betreiben
des CDU-Fraktionsvorsitzenden Dirk Stettner kurz vor Abschluss der letzten
Berliner Haushaltsberatungen für eine „Freiheitsausstellung“ im Humboldt
Forum eingestellt hat. So scheint zumindest vorerst ein Interesse an der
finanziellen Beteiligung zu bestehen. Welche Vereinbarungen Bund und Land
in den aktuell laufenden Verhandlungen über den neuen
Hauptstadtfinanzierungsvertrag treffen, steht allerdings noch aus. Auch
findet Wesener es überhaupt fragwürdig, dass historische Ausstellungen von
Regierungen bei öffentlichen Kulturinstitutionen „bestellt“ werden.
Selbst wenn das Geld da ist, steht das Humboldt Forum aber noch vor vielen
offenen Fragen. Zurzeit gleiche das „Profil und die komplexen
Governance-Strukturen des Humboldt Forums eher einem Gemischtwarenladen als
einer modernen, funktionsfähigen Kultureinrichtung“, findet Wesener. Der
Sprecher der Arbeitsgruppe der SZB fordert, die Frage nach der Intendanz zu
klären. Man wolle diesen Prozess nicht hinter verschlossenen Türen führen,
sagt er.
Noch hat Hartmut Dorgerloh die Stelle als Generalintendant und
Vorstandsvorsitzender der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss inne.
Nach der Eröffnung des Humboldt Forums im [1][Dezember 2020 sagte Dorgerloh
nichts zu Nigerias Ansprüchen auf ihre Benin-Bronzen], die im Humboldt
Forum zu sehen sein sollten. Durch öffentlichen Druck gehören mittlerweile
[2][512 Benin-Bronzen aus Berlin nun offiziell Nigeria.]
## Reden ist Silber, entscheiden ist Gold
Das dürfte der Arbeitsgruppe der SZB auch bekannt sein, aber zu den
berechtigten Kontroversen rund um Restitution, fragwürdige Fassaden und
[3][Kuppelinschriften] sowie [4][rechtsextremen Geldgebern] äußern sie sich
nicht. Hassemer räumt lediglich ein: „Die Fassade ist problematisch.“ Und:
„Ein Museum kann nicht mit gestohlenen Gegenständen arbeiten.“
SZB und Wesener finden: Ein Anfang wäre, wenn sich die Verantwortlichen
zusammenfinden würden. Bund und Land, Intendanz Humboldt Forum, Stiftung
Preußischer Kulturbesitz, Stadtmuseum und Kulturprojekte Berlin GmbH und
die Humboldt-Universität hätten bisher noch nicht gemeinsam über den
weiteren Verlauf gesprochen. Auch hier kritisiert die SZB: Die
Verantwortlichen müssten erst noch ein gemeinsames Selbstverständnis
entwickeln.
3 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Ann Toma-Toader
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