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       # taz.de -- Die WM-Highlights: Spiele für die Ewigkeit
       
       > Von den 104 Begegnungen dieser Weltmeisterschaft werden sechs in bester
       > Erinnerung bleiben. Der Rest kann getrost vergessen werden.
       
   IMG Bild: Julián Alvarez sorgt in der englischen Abwehr für große Aufregung
       
       ## 14. Juni 2026, Brasilien – Marokko 1:1
       
       Das sechste Spiel dieser Weltmeisterschaft, und bislang nix los.
       Verunsicherte Mannschaften, überhebliche Mannschaften, unauffällige
       Mannschaften, langweilig! Nichts, was in Erinnerung bliebe. Das kann was
       werden! Aber dann dieses Spiel. Mangels TV auf dem Smartphone unter der
       Decke ohne Ton in einem fremden Bett irgendwo im Niemandsland zwischen
       Hamburg und Berlin. [1][Rekordweltmeister] und amtierender Afrikameister
       prallen aufeinander. Wörtlich, mit Wucht, mit Tempo. Gespielt wie im
       Zeitraffer. Ist das derselbe Sport wie etwa beim Eröffnungsspiel? Ein
       schnörkelloser Blitzstart der Marokkaner, die den Ball traumwandlerisch
       sicher laufen lassen. Aber irgendwann brechen auch mal die Brasilianer
       durch. Dann geht es hin und her. Die wollen spielen, die wollen gewinnen,
       die wollen unterhalten! Alle beide. In der 20. Minute eine perfekte
       Kombination, die perfekt in den Lauf von Saibari mündet, ein eleganter
       Lupfer über den Torwart – zum Juchzen schön. Anders schön dann der
       Ausgleich, den Vinícius Júnior nach dynamischem Anziehen wuchtig ins lange
       Eck haut. Das ist Weltmeisterschaft, jetzt bin ich drin! Dass es nach der
       Halbzeit, in der ich dann aus anderen Gründen einschlafe, weniger krachend
       weiterging – so what? Beate Willms
       
       ## 28. Juni 2026, Österreich – Algerien 3:3
       
       Wie es sich gehört für legendäre Spiele bei Weltmeisterschaften, und welche
       könnten legendärer sein, ranken sich im Vorhinein diverse Mythen in das
       Spiel hinein. Österreich gegen Algerien, das gab es schon mal, 1982 in
       Spanien, auch damals stand Österreich im letzten Gruppenspiel vor dem
       Scheideweg: Welches Ergebnis reicht, um weiterzukommen? Diesmal, an einem
       klimakrisenherdigen Morgen, hieß es für die kleine Fernsehnation:
       durchmachen oder sehr früh aufstehen, Anpfiff 4 Uhr MESZ. So einige Geräte
       wurden erst um 5.30 Uhr eingeschaltet, da stand es noch beruhigend 2:1 für
       Rot-Weiß-Rot, die drei Tore waren wunderschön. Dann aber schlägt Riyad
       Mahrez zu, Algerien braucht schließlich auch einen Punkt, und fortan fielen
       allen die Augen zu, Österreich war weiter, Algerien auch, die konnten so
       sogar Spanien ausweichen, eigentlich könnte jetzt Schluss sein. Nur: Wie
       damals in Gijon war es doch nicht, irgendjemand hatte vergessen, Mahrez zu
       briefen, der ließ sich in der 90. plus 2 nämlich die urplötzliche Chance
       zum 3:2 nicht nehmen. Schockschwerenot! Sollte es das gewesen sein? Ralf
       Rangnick beeilte sich, einen Sturmtank ins Spiel zu werfen, irgendwie
       landete der Ball noch einmal auf links bei Sabitzer, der schlägt eine
       Flanke, Gregoritsch köpft den Ball zurück an den Fünfer, da ist Kalajdžić,
       Kalajdžić!!! [2][Bist!! Du!! Deppat!!] René Hamann
       
       ## 29. Juni 2026, Deutschland – Paraguay 3:4 n. E.
       
       In den Augen vieler war es für die Deutschen lediglich eine Art
       Vorbereitungsspiel auf das Achtelfinale gegen Frankreich. Die Niederlage
       gegen Ecuador, nun ja, solche Hänger hat schon ein jeder Weltmeister auf
       dem Weg zum großen Erfolg gehabt. Es ist jedes Mal aufs Neue faszinierend,
       dabei zuzusehen, [3][wie das DFB-Team an seiner Hybris scheitert.] Solide
       südamerikanische Abwehrarbeit genügte auch dem Team von überschaubarem
       Talent aus Paraguay, um die Deutschen im Verlauf der Partie immer panischer
       werden zu lassen. Gut möglich, dass die Elf von Nagelsmann in dieser Partie
       mehr Flanken in den Strafraum geschlagen hat als alle anderen Teams während
       dieser WM zusammen. Eine neue Facette des Scheiterns gab es dieses Mal zu
       begutachten. Erstmals verlieren die Deutschen in einem Elfmeterschießen bei
       einer WM. Auch dieses letzte Überlegenheitsgefühl ist noch
       abhandengekommen. Tröstlich bleibt nur die übliche Schiedsrichterschelte:
       Hätte der Unparteiische das Tor von Tah zählen lassen, es wäre gewiss ein
       ganz anderes Turnier geworden. Beim nächsten Mal mit Bundestrainer Jürgen
       Klopp wird selbstverständlich alles besser.
       
       Johannes Kopp 
       
       ## 7. Juli 2026, Argentinien – Ägypten 3:2
       
       Verrückt! Und typisch argentinisch. Nach einem Rückstand doch noch
       gewinnen, das war die Spezialität [4][der Mannschaft um Lionel Messi] bei
       diesem Turnier. Im Achtelfinale gegen Ägypten lagen die Argentinier bis zur
       79. Minute mit 0:2 zurück. Dann traf Cristian Romero, dann Messi und in der
       dritten Minute der Nachspielzeit Enzo Fernández. Freudentränen flossen
       sturzbachartig, Tränen der Trauer ebenfalls. Die Ägypter sprachen von
       Schiebung. Die Fifa solle den Titel doch gleich an Argentinien vergeben.
       Und dann erinnerten sie an ein Tor, das ihnen gestohlen wurde. Vielleicht
       war es das schönste Tor des ganzen Turniers. Ein Spielzug wie gemalt. Ganz
       tief aus der eigenen Hälfte heraus startet Haissem Hassan den Angriff,
       treibt den Ball nach vorne, lässt ganz elegant mal eben zwei Gegenspieler
       aussteigen und bedient Mo Salah. Der schickt Mostafa Ziko in die Gasse.
       Dann der Chip. Was für ein Ballgefühl! Tor! Nein, kein Tor. Ganz hinten bei
       der Balleroberung sei ein Argentinier gefoult worden, moniert der VAR. Der
       Schiedsrichter nimmt das Tor zurück. Wer es gesehen hat, wird es dennoch
       nie vergessen.
       
       Andreas Rüttenauer 
       
       ## 11. Juli 2026, Norwegen – England 1:2
       
       Eigentlich fand ich die ja ziemlich peinlich, die Norweger, mit ihrem
       ganzen Wikingergetue, [5][dem ständigen Uh-uh-uh] und dem konformistischen
       Rudern. Und dann noch dieser übertriebene Haaland-Hype! Dieser nicht
       sonderlich gut aussehende Hüne, der doch nur abstauben kann. Vielleicht war
       ich auch nur sauer, weil sie meinen heimlichen Favoriten, Côte d’Ivoire, im
       Sechzehntelfinale rausgekickt hatten. Völlig unverdient, wie ich fand. Doch
       dann kam der Sieg gegen Brasilien und schließlich: Viertelfinale gegen
       England. Das kleine Norwegen, das bislang noch nie ein K.-o.-Spiel gewonnen
       hatte, stellt sich dem Mutterland des Fußballs. Und schießt sich dann auch
       noch mit einem Traumtor von Andreas Schjelderup in Führung. Nein, Norwegen
       ist nicht nur Haaland, sie sind ein eingespieltes Team. Und sie wollen es
       wissen. Sogar Kane zittert vor den Wikingern, ja, vielleicht schaffen sie
       es tatsächlich, die Sensation der WM zu werden. Vor dem Spätibildschirm in
       Berlin sind nun auch alle (bis auf ein paar verlorene Engländer) für die
       Norweger. Doch in Miami ist das Spidercamkabel leider auf der Seite der
       Engländer. Dann wird auch noch das 2:1 für die Skandinavier zurückgenommen,
       weil Haaland zu stark schubst. Und Bellingham macht den Siegtreffer.
       Immerhin nicht Kane. Ruth Fuentes
       
       ## 15. Juli 2026, Argentinien – England 2:1
       
       Dieses Halbfinale hatte von der ersten Minute an alles, was ein großes
       Fußballspiel braucht. England mit seinen berühmten „60 years of hurt“ –
       sechs Jahrzehnte voller Frust, Rückschläge und verpasster Chancen.
       Irgendwie schien jetzt endlich der Moment gekommen zu sein, für diese
       Geschichte ein Happy End zu schreiben. Auf der anderen Seite Lionel Messi.
       Der beste Fußballer aller Zeiten, bei seiner letzten Weltmeisterschaft,
       bereit, noch einmal allen zu zeigen, warum dieser Titel genau ihm gehört.
       [6][Historisch war dieses Duell ohnehin aufgeladen.] Der Falklandkrieg, das
       legendäre Viertelfinale von 1986 – zwischen England und Argentinien geht es
       nie nur um Fußball. Und genau das war vom Anpfiff an zu spüren. Die erste
       Halbzeit erinnerte stellenweise eher an einen Boxkampf als an ein
       WM-Halbfinale – und obwohl es kaum Torraumszenen gab, war der
       Unterhaltungswert riesig. Anthony Gordon brachte England nach der Pause in
       Führung. Doch danach zogen sich die Three Lions immer weiter zurück und
       überließen Argentinien das Spiel. Diese rannten unermüdlich an und stellten
       in den letzten zehn Minuten das Spiel auf den Kopf. Messi war mit zwei
       Vorlagen an beiden Treffern beteiligt und zeigte wieder einmal, warum er
       nicht von diesem Planeten ist.
       
       Rico Setz
       
       18 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
   DIR Rico Setz
   DIR René Hamann
   DIR Johannes Kopp
   DIR Beate Willms
   DIR Ruth Lang Fuentes
       
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