# taz.de -- Kampfansage an die Belegschaft: Volkswagen sucht die maximale Konfrontation
> VW-Chef Blume will den Konzern schrumpfen, um den Gewinn zu erhöhen. Die
> Schließung von Werken steht im Raum. IG Metall rüstet sich zum
> Abwehrkampf.
IMG Bild: Die fetten Jahre sind bei VW längst vorbei – auch in Wolfsburg
Ein großes Plakat hängt am VW-Heizkraftwerk am Mittellandkanal in
Wolfsburg. „Niedersachsen. Das ist groß“, steht neben einem Bild des
Landeswappens mit dem weißen Pferdchen. „Willkommen im Autoland“, grüßt das
Plakat, das zu einer Imagekampagne des Landes Niedersachsen gehört. Doch
das Autoland hat ein großes Problem. VW-Vorstandschef Oliver Blume will aus
dem Konzern höhere Gewinne pressen und geht dafür auf maximalen
Konfrontationskurs mit der Belegschaft. Betriebsrat und die Gewerkschaft IG
Metall bereiten sich auf den größten Abwehrkampf in der Geschichte des
Konzerns vor. Ende August werden Blume und andere Vorstandsmitglieder bei
außerordentlichen Betriebsversammlungen in neun Werken den Beschäftigten
Rede und Antwort stehen müssen, kündigte der VW-Betriebsrat am Freitag an.
Doch vorher kehrt erst einmal Ruhe ein. In der Wolfsburger Autofabrik
stehen Werksferien an. Ab dem 20. Juli ist das große Gewerkschaftshaus der
IG Metall gegenüber dem langgestreckten VW-Werk nur noch halbtags geöffnet.
„Ab dem 10.8.2026 sind wir wieder zu den gewohnten Öffnungszeiten
erreichbar“, steht auf dem Schild an der Tür zum Foyer, in dem ein heller
VW-Käfer steht.
Das Secondhand-Möbelhaus gegenüber von Werkstor 17 macht gleich ganz zu.
„In den Werksferien ist halb Wolfsburg leer“, sagt der Verkäufer. Zu den
Plänen der VW-Führung will er sich lieber nicht äußern. Auch die
Beschäftigten, die an diesem Mittwoch zum Schichtwechsel durch den Tunnel
an Tor 17 auf die andere Seite des Mittellandkanals strömen, winken ab.
„Ich kann, will und darf nichts sagen“, sagt eine Frau im Vorübergehen.
Diese Vorsicht ist verständlich. VW-Boss Blume will den Konzern massiv
umbauen. Niemand im Unternehmen weiß, was das für ihn oder sie bedeuten
wird. Blume will die Umsatzrendite von jetzt knapp 3 Prozent auf 8 bis 10
Prozent vervielfachen. Das bedeutet, dass von jedem Euro Umsatz acht bis
zehn Cent Gewinn übrig bleiben. Das will Blume aber nicht mit einem Ausbau
der Produktion erreichen, sondern durch ein massives Schrumpfen und
gnadenlose Kostensenkungen. Sollte er sich mit seinen Vorstellungen
durchsetzen, wird der Konzern ein völlig anderer sein.
## Der Druck auf die Beschäftigten wird erhöht
Was jetzt bei VW geschieht, spiegelt die Lage der deutschen Wirtschaft. Die
weltpolitische Unsicherheit, Donald Trumps Zollpolitik, hohe Energiekosten,
schärfere Konkurrenz vor allem aus China und eine schleppende Nachfrage
sorgen für schlechte Stimmung. Statt Antworten auf diese Herausforderungen
zu finden, wird der Druck auf die Beschäftigten erhöht – von den
Regierenden in Berlin ebenso wie von den Manager:innen in der
VW-Zentrale in Wolfsburg.
VW ist gemessen am Umsatz der größte Konzern in Europa. Zu ihm gehören
Marken wie Audi, Skoda oder Porsche. Der Konzern beschäftigt weltweit rund
622.900 Leute, davon 284.000 in Deutschland. Vom Abbau von bis zu 100.000
Jobs ist die Rede, von Werksschließungen und einem Umbau des Konzerns, der
die Rechte der Beschäftigten erheblich einschränken würde. Nie zuvor waren
sie so heftigen Attacken des Managements ausgesetzt. „Brutalo-Pläne“ nennt
der VW-Betriebsrat Blumes Vorstellungen.
Über viele Jahrzehnte verkörperte VW das westdeutsche Wirtschaftswunder,
stand für Ingenieurskunst, Massenmobilität und Verlässlichkeit. Schon lange
ist das Image angekratzt, nicht nur durch wiederkehrende Kürzungsprogramme.
Skandale wie der von 2005 um Bordell-Reisen, mit denen das Management die
damaligen Betriebsräte gefügig machen wollte, erschütterten das Bild vom
deutschen Vorzeigekonzern. Die Betrugsaffäre um kriminelle
Abgasmanipulationen bei Diesel-Fahrzeugen kostete VW mehr als 30 Milliarden
Euro.
Wie den anderen deutschen Autobauern Mercedes und BMW machen VW
Überkapazitäten auf dem Weltmarkt zu schaffen. Weltweit werden weniger
deutsche Autos verkauft, vor allem in China. Gerade dort war VW lange
führend. Früher brachten Fachleute aus Wolfsburg ihr Wissen nach China,
jetzt greift die VW-Tochter PowerCo für die Batteriefabrik in Salzgitter
auf chinesisches Know-how zurück. Technologisch sind die chinesischen
Konkurrenten weit vorn. Viel zu spät hat VW auf E-Autos gesetzt. Bis heute
haben die Wolfsburger keinen günstigen Stromer im Portfolio, erst 2027 soll
ein Elektroauto für rund 20.000 Euro auf den Markt kommen. Trotzdem ist VW
beim Absatz von E-Autos in Europa führend.
## VW hat 2,6 Milliarden Euro an die Aktionär:innen ausgeschüttet
Volkswagen ist nach wie vor stark. „VW hat eine ungeheure Finanzkraft“,
sagt Markus Wissen, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht
Berlin mit dem Fachgebiet sozial-ökologische Transformation. Der Gewinn von
VW ist 2025 zwar um rund 44 Prozent zurückgegangen, lag aber immer noch bei
stolzen 6,9 Milliarden Euro. Gerade hat VW 2,6 Milliarden Euro an die
Aktionär:innen ausgeschüttet, in den letzten zehn Jahren waren es mehr
als 40 Milliarden Euro – trotz laufender Kürzungsprogramme, die an den
deutschen Standorten einen Abbau von mehr als 35.000 Jobs bis 2030
vorsehen. Das Unternehmen hat laut Geschäftsbericht 2025 Gewinnrücklagen in
Höhe von 161 Milliarden Euro.
Aber das Geschäftsmodell, die Exportorientierung, gerät wie bei vielen
anderen deutschen Unternehmen ins Wanken. „Der Konzernvorstand hat immer
wieder betont, dass unser aktuelles Geschäftsmodell so nicht mehr für alle
Marken funktioniert: Autos in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren
und weltweit exportieren“, heißt es in einer Stellungnahme des Konzerns.
Das Management will VW deshalb mehr „Kosten- und Investitionsdisziplin“
verordnen. „Der gesamte Konzern – inklusive Marken und Gesellschaften –
muss sich tiefgreifend verändern“, heißt es. Die „umfassende
Transformation“ habe das Ziel, Volkswagen „bis 2030 zum attraktivsten
Automobilunternehmen der Welt“ zu machen.
„Das ist eine Transformation, die auf dem Rücken der Beschäftigten
ausgetragen wird“, sagt Wissenschaftler Wissen. Er plädiert für einen
anderen Weg als den vom Management eingeschlagenen Schrumpfkurs: die
Entwicklung zu einem nachhaltigen Mobilitätsunternehmen, das Fahrzeuge für
die Verkehrswende baut, etwa E-Busse oder E-Sammeltaxis. Angesicht der
Klimakrise und völlig verstopfter Straßen ist der Bedarf dafür groß. „Damit
könnten Arbeitsplatzverluste mehr als kompensiert werden“, sagt er.
## Vorbild für das Modell der Sozialpartnerschaft
Betriebsrät:innen und Gewerkschafter:innen verstehen den Vorstoß
der Unternehmensspitze als Drohung. Denn es ist gerade einmal anderthalb
Jahre her, dass der Vorstand ein hartes Kürzungsprogramm durchgesetzt hat.
Ende 2024 wurde nach langen Verhandlungen beschlossen, die Kosten um 4
Milliarden Euro pro Jahr zu drücken. Beschäftigte verzichteten auf
Lohnerhöhungen und Urlaubsgeld. Beschlossen wurde auch, dass in den Werken
Dresden und Osnabrück die Produktion ausläuft. Jetzt stehen weitere
Standorte zur Disposition, die VW-Fabriken in Emden, Hannover und Zwickau
sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. [1][Für die betroffenen Regionen wären
die Werksschließungen eine Katastrophe.] An den Fabriken hängen nicht nur
gut bezahlte Jobs und Steuereinnahmen, sondern auch viele Zulieferer.
VW galt lange als vorbildlich für das deutsche Sozialpartnerschaftsmodell,
bei dem Arbeitgeber und Gewerkschaften mitunter nach harten Verhandlungen,
aber letztendlich einvernehmlich gemeinsam Lösungen erzielen. Damit ist es
vorbei. Anders als früher bei VW üblich, sucht Vorstandschef Blume bei
seinen Plänen gar nicht erst den Schulterschluss mit Betriebsrat und
Gewerkschaft, bevor er damit in die Öffentlichkeit geht.
Seit Januar arbeitet der Vorstand an einem „Sparplan“. Vor der
Aufsichtsratssitzung am zweiten Julidonnerstag wurden Einzelheiten wie die
vorgesehenen Werksschließungen und der Jobabbau via Manager-Magazin
durchgestochen. Blumes Plan und die Wahl seines Kommunikationskanals sind
eine Kampfansage an die Beschäftigten, aber auch an das Land Niedersachsen,
das mit einem Stimmrechtsanteil von 20 Prozent eine Sperrminorität besitzt.
Für das Land ist VW ein wichtiges industriepolitisches Instrument. Die
Entscheidung, in Emden eine Autofabrik zu bauen, hatte auch den
Hintergrund, die strukturschwache Region zu stärken. Im Herbst sind
Kommunalwahlen in Niedersachsen, nächstes Jahr wird der Landtag neu
gewählt. Für die rot-grüne Landesregierung wäre die Ankündigung, dass die
Werke in Emden, Hannover und Osnabrück schließen werden, schlecht.
Im Aufsichtsrat ist Blumes Vorstoß erst einmal erwartungsgemäß an den
Vertreter:innen der Beschäftigten und des Landes Niedersachsen
gescheitert. Standortschließungen sind nur mit einer Zweidrittelmehrheit
des Aufsichtsrats möglich, also nur, wenn auch die
Arbeitnehmervertreter:innen zustimmen. Diese starke Stellung ist
Resultat der Unternehmensgeschichte. Weil andere Autokonzerne in den
1930er-Jahren keinen billigen Wagen fürs Volk bauen wollten, gründeten die
Nazis ein eigenes Unternehmen für einen „Volkswagen“. Sie finanzierten das
mit 130 Millionen Reichsmark, die sie durch die Enteignung der
Gewerkschaften erbeutet hatten. Das VW-Gesetz von 1960 trägt dem Rechnung,
indem es den Vertreter:innen der Beschäftigten so viel Macht gibt wie
in keinem anderen deutschen Unternehmen. Sollte die von Blume geforderte
Auslagerung des Pkw- und des Komponentengeschäfts tatsächlich erfolgen,
würde das VW-Gesetz nur noch für die Konzernhülle gelten. Die Macht des
Betriebsrats wäre gebrochen.
## „Ein Desaster auf ganzer Linie“
VW-Chef Blume habe das Scheitern seines Plans im Aufsichtsrat bewusst
herbeigeführt, vermuten Beobachter:innen. Er bereitet so den Weg dafür vor,
dass über seinen Vorstoß auf einer Hauptversammlung der
Anteilseigner:innen abgestimmt wird. Das ist möglich, wenn das
Unternehmen als „gefährdet“ gilt. In Medien erklären immer wieder
namentlich nicht genannte Personen genau das – offensichtlich mit Blick auf
eine mögliche Hauptversammlung.
Da sind die Machtverhältnisse völlig anders als im Aufsichtsrat: Die
Familien Porsche und Piëch haben die Mehrheit der Stimmrechte, nach dem
Land Niedersachsen ist Katar der drittgrößte Aktionär. Der Rest der Aktien
befindet sich in Streubesitz, gehört also verschiedenen Investoren. Die
Beschäftigten bleiben außen vor. Den größten Nutzen von einer
Vervielfachung der Rendite haben die Familien Porsche und Piëch. Blume
dürfte bei seinem Vorstoß ihre Rückendeckung haben, wenn nicht sogar einen
Auftrag von ihnen.
„Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht
mehr zu überbieten“, sagt [2][Betriebsratschefin Daniela Cavallo]. Nach der
Aufsichtsratssitzung am zweiten Julidonnerstag stellt sie ein Ultimatum:
Entweder Blume nimmt gegenüber der Belegschaft Stellung oder er wird zu
außerordentlichen Betriebsversammlungen zitiert. Doch Blume schweigt
zunächst. Dann gibt er einer Boulevardzeitung ein Interview. Und am Montag,
morgens um 8 Uhr, meldet er sich über den VW-eigenen Medienkanal
„KonzernNews“ bei den 110.000 VW-Beschäftigten in Deutschland. „Oliver
Blume: Wir haben die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche
Transformation“ [3][steht über dem Gespräch, dass der Konzernchef mit einem
seiner Pressesprecher geführt hat und das die Beschäftigten auf ihrem
Bürorechner oder ihrem Smartphone lesen können].
Blume wiederholt nicht alle seine Forderungen, aber er distanziert sich
auch nicht deutlich. Er spricht weiter von Überkapazitäten, die abgebaut
werden sollen. Die Wogen glätten kann er nicht. „Die Kommunikation des
Vorstandes bleibt ein Desaster auf ganzer Linie“, sagt ein Sprecher der IG
Metall Niedersachsen.
## Auch für die IG Metall steht viel auf dem Spiel
Das Interview ist nicht die Erklärung, die Cavallo gefordert hat. Streiken
können die Beschäftigten derzeit nicht, denn wegen der noch laufenden
Tarifverträge herrscht Friedenspflicht. Deswegen die jetzt angekündigten
außerordentlichen Betriebsversammlungen, bei denen ebenfalls die Produktion
stillsteht. Die entscheidende Frage sei, ob der Vorstand diese Krise
gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie, sagt der
Sprecher der IG Metall. „In letzterem Fall folgt ein Konflikt, der sich
gewaschen hat“, gibt er sich kämpferisch. Auch für die IG Metall steht viel
auf dem Spiel. Ein Scheitern bei VW könnte Folgen für den Stand der
Gewerkschaft in der ganzen Branche haben.
Trotz Werksferien werden in den kommenden Wochen Vorstände, Anteilseigner,
IG Metall und Betriebsrat um eine Lösung ringen – wenn auch nicht alle das
gleiche Interesse haben, einen Kompromiss zu finden. „Es werden auch
weiterhin konstruktive Gespräche mit unterschiedlichen Partnern geführt“,
sagt ein Sprecher der niedersächsischen Landesregierung. „Das gemeinsame
Ziel bleibt die Abwendung von Werkschließungen durch Lösungen, die die
Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit der Standorte nachhaltig
stärken.“
Zwei Optionen werden immer wieder ins Spiel gebracht: In den VW-Werken
könnten chinesische Autos montiert werden und Standorte könnten für die
Rüstungsproduktion genutzt werden. Der niedersächsische Ministerpräsident
Olaf Lies (SPD) kann sich den Zusammenbau von chinesischen Teilen in
deutschen VW-Fabriken gut vorstellen. Die gezielte Einbindung chinesischer
Partner sei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Erfolgsfaktor im
zunehmend globalen Wettbewerb, ist Lies überzeugt.
Eine Blaupause für die Rüstungsproduktion könnte das VW-Werk in Osnabrück
werden, rund 200 Kilometer nordwestlich vom Wolfsburger Stammwerk entfernt.
Derzeit wird hier das letzte Cabriolet produziert, das VW noch im Portfolio
hat: der T-Roc Cabriolet, ein Verbrenner. Im Sommer 2027 soll damit Schluss
sein. Was dann aus dem Werk mit seinen etwa 2.000 Beschäftigten wird, ist
unklar. „Für die Zeit danach prüft Volkswagen derzeit tragfähige
Perspektiven“, heißt es dazu offiziell. Konkrete Entscheidungen zur
künftigen Ausrichtung des Standorts seien noch nicht getroffen.
Am liebsten hätte Vorstandschef Blume Osnabrück bereits im vergangenen Jahr
dicht gemacht. Das konnte die IG Metall in den Haustarifverhandlungen
abwenden. Dass in Osnabrück keine „normalen“ Autos von VW mehr gebaut
werden, scheint jedoch beschlossene Sache zu sein. Unklar ist, ob das Werk
geschlossen, verkauft oder zu einer Rüstungsschmiede umfunktioniert wird.
## Militärisch umgerüstete VW-Pick-ups
Auch aufgrund seiner düsteren Vergangenheit als Wehrmachtzulieferer hat
sich VW bisher in der Rüstungsproduktion zurückgehalten. Eine Ausnahme
bildet die seit 2010 bestehende Kooperation zwischen der
VW-Nutzfahrzeugsparte MAN und Rheinmetall bei Militärfahrzeugen. Angesichts
von Hunderten von Milliarden, die die Bundesregierung und andere EU-Staaten
für Rüstungsprojekte bereitstellen, wachsen auch in Wolfsburg
Begehrlichkeiten. Im Sommer 2025 richtete der Konzern das „Group Defense
Office“, eine Stabsstelle für potenzielle künftige Rüstungsaktivitäten ein.
VW werde aber auch künftig keine Waffen produzieren, sondern „nur“
militärisches Gerät, zum Beispiel Transportfahrzeuge, versichert
Vorstandschef Blume.
Dabei könnte Osnabrück zum Modell werden. Da der Standort auf kleinere
Serien und Sondermodelle ausgelegt war, wäre der Switch kein so großer wie
in den anderen Fabriken. Sowohl die Werksleitung als auch der Betriebsrat
wären dazu bereit, sich für eine Zukunft in der Rüstungsproduktion zu
öffnen. Auch die niedersächsische Landesregierung zeigt sich nicht
abgeneigt. Medienberichten zufolge prüft sie eine Beteiligung an dem Werk
in Osnabrück, um den Umbau zur Rüstungsproduktion zu stützen.
Wie flexibel in Osnabrück produziert wird, demonstrierte VW Ende Februar in
Nürnberg auf der Enforce Tac, einer internationalen Messe für Sicherheits-
und Verteidigungstechnologie. Dort wurden zwei militärisch umgerüstete
olivgrüne Prototypen des Pick-ups VW Amarok und des Kleintransporters VW
Crafter präsentiert. Das sei Teil „einer ergebnisoffenen Markterkundung
gewesen“, teilte eine Sprecherin des Osnabrücker VW-Werks mit.
Im Frühjahr wurde bekannt, das VW Gespräche mit Rheinmetall über einen
Einstieg führt. Doch das zerschlug sich, weil der Düsseldorfer
Rüstungskonzern einen Auftrag zur Produktion des sechsrädrigen
Fuchs-Panzers von der Bundeswehr nicht bekommen hat. Auch der
niederländische Panzerhersteller KNDS soll Interesse bekundet haben. Daraus
wurde ebenfalls nichts.
Vielversprechender schienen die Verhandlungen mit dem Rüstungsbauer Rafael
Advanced Defense Systems. Eine Absichtserklärung wurde im April
unterzeichnet. Aber die Pläne des israelischen Staatskonzerns, in Osnabrück
Teile eines für die Bundeswehr bestimmten Flugabwehrsystems zu fertigen,
könnten scheitern. Angeblich soll sich der katarische Staatsfonds Qatar
Investment Authority querstellen gegen eine Kooperation mit dem
israelischen Unternehmen. Als drittgrößter Aktionär stellt Katar mit
Mohammed Saif al-Sowaidi und Hessa Sultan al-Jaber zwei Vertreter:innen
im Aufsichtsrat.
## Rüstungsproduktion ist nicht sehr arbeitsintensiv
Wissenschaftler Wissen hält weder von der Option, Teile aus China in
deutschen Werken zusammenzusetzen, noch von der Rüstungsproduktion etwas.
Chinesische Autos zu bauen, werde das Problem mit den Überkapazitäten nicht
lösen. Auf Rüstungsproduktion zu setzen, hält er nicht nur aus
friedenspolitischen Gründen für falsch. „Es ist eine Illusion zu glauben,
dass Arbeitsplätze damit gerettet werden können“, sagt er. Die
Rüstungsproduktion sei nicht sehr arbeitsintensiv.
Das sieht auch der frühere VW-Betriebsrat Stephan Krull so, Koordinator der
Arbeitsgruppe „Zukunft Auto Umwelt Mobilität“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung,
die der Linkspartei nahesteht: „VW muss sich auf etwas Neues besinnen.“ Das
könnte die Transformation in einen modernen Mobilitätsdienstleister sein,
findet auch er. Das VW-Elektroshuttle-Fahrzeug Moia etwa ist ein
Sammeltaxi, das autonom fahren kann und in Hamburg seit Kurzem eingesetzt
wird. Mit ihm können KI-gesteuerte Fahrdienste angeboten werden. Entwickelt
und gebaut wurden die Moia-Modelle im VW-Werk Osnabrück.
In solchen Diensten liegt die Zukunft, meint Krull. Auch US-amerikanische
und chinesische Hersteller arbeiten an solchen Konzepten. Deshalb müsse VW
dieses Segment schnell ausdehnen, wenn es seinen Vorsprung nicht verlieren
wolle. Aber das Management macht keinerlei Anstalten, das zu tun. Krull:
„Das ist beinahe zum Verzweifeln.“
18 Jul 2026
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