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       # taz.de -- Deutscher Verlagspreis: Alles nur ein Missverständnis?
       
       > Überwachung, Misstrauen, Selbstzensur: In der Debatte über den Deutschen
       > Verlagspreis geht es um mehr als ein verändertes Auswahlverfahren.
       
   IMG Bild: Deutscher Verlagspreis: die einzige Form der Verlagsförderung, die es hierzulande gibt
       
       Kurz war die Aufregung groß. Wolfram Weimer habe das Auswahlverfahren des
       Deutschen Verlagspreises geändert und entscheide nun selbst, welche Verlage
       Preisgelder in Höhe von insgesamt 2 Millionen Euro erhielten, meldete die
       dpa vor wenigen Tagen. Nach der Debatte über den Deutschen
       Buchhandlungspreis im März – [1][der Kulturstaatsminister hatte drei linke
       Buchläden von der Liste der Auszuzeichnenden gestrichen,] nachdem er beim
       Verfassungsschutz nachgefragt und nicht näher ausgeführte „Erkenntnisse“
       über die drei Geschäfte erhalten habe – winkte nun der nächste Skandal, so
       schien es. Seltsam mutete es da an, dass der Börsenverein des Deutschen
       Buchhandels die Änderung ausdrücklich unterstützte. Gut, immerhin wurde der
       Preis überhaupt noch ausgeschrieben, die einzige Form der Verlagsförderung,
       die es hierzulande gibt. Aber eine Verbesserung – stellte die neue Regelung
       die wirklich dar?
       
       Ja, erklärt ein Sprecher des Börsenvereins auf Nachfrage, man habe auf die
       Änderung des Verfahrens sogar gedrängt. Allerdings gerieten in der
       Kommunikation die Dinge durcheinander. Neu sei nicht, dass die
       Letztentscheidung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
       Medien (BKM) erfolge, das sei „schon immer der Fall“ gewesen, sondern dass
       er „gerade nicht alleine solche Entscheidungen wie beim Buchhandlungspreis
       trifft, sondern u. a. [die] Kurt-Wolff-Stiftung und wir bei Zweifelsfällen
       des BKM beratend hinzugezogen werden“, in Form eines Gremiums.
       
       Auch beim Spiegel hat man die Ankündigung missverstanden. Mehrfach wurde
       der neue Juryvorsitzende des Deutschen Verlagspreises, Jörg Thadeusz, im
       Interview auf die Änderung im Prozedere, das früher angeblich ohne
       Einmischung auskam, angesprochen. Thadeusz wusste anscheinend auch nicht
       Bescheid, zumindest korrigiert er die Interviewerin an keiner Stelle.
       Stattdessen nimmt er Weimer in Schutz. Was soll denn schon passieren? „Dass
       Wolfram Weimar irgendeine Gruppe neokonservativer Wagnerianer bevorzugt,
       die in ihrem kleinen Verlag das Andenken an Richard Wagner reinwaschen?“,
       fragt Thadeusz. „So lächerlich wird das sicherlich nicht werden.“
       
       ## Nationalromantische Gefühle
       
       Doch, so lächerlich ist es bereits. Beim BKM lässt man
       [2][nationalromantische Gefühle] ganz offen an die Luft. Ein Beispiel: Vor
       einem Monat war „Staatsminister Weimer bei den Feierlichkeiten in der
       Sagrada Família in Barcelona“, wie eine Pressemitteilung überschrieben war.
       Stunden später kam die Korrektur der Überschrift: „Kulturstaatsminister
       Weimer würdigt bei den Feierlichkeiten in der Sagrada Família in Barcelona
       insbesondere das deutsche Turmkreuz“, musste es nun heißen.
       
       Als lächerlich stellt Thadeusz im Interview vielmehr die Aufregung um den
       Deutschen Buchhandlungspreis dar. „Leute fühlen sich auf den Schlips
       getreten, weil Wolfram Weimer irgendwelchen Zausel-Buchhandlungen kein Geld
       zubilligt“, weiß er. Dass es in der Sache immer um mehr ging, um ein Klima
       des Misstrauens und der Überwachung, das das Bundesinnenministerium schürt,
       indem es ausdrücklich den Wunsch nach routinierter Abfrage von
       Fördergeldempfängern beim Verfassungsschutz formuliert – geschenkt.
       
       Auch die Vorgeschichte des Ganzen blendet Thadeusz aus. Wäre Weimer derart
       offensiv gegen linke Buchhandlungen vorgegangen, spürte er nicht noch den
       Atem des rechten Portals Nius im Nacken, das im Herbst letzten Jahres
       [3][eine Hetzkampagne gegen einige ausgezeichnete linke Verlage losgetreten
       hatte?] Ob das neue Gremium nun etwaige Zweifel des Kulturstaatsministers
       zerstreuen kann und ob der nicht doch lieber beim Verfassungsschutz
       nachfragt, sollten diese Zweifel aus irgendwelchen Gründen nach
       Linksradikalismus schmecken, ist ebenso stark zu bezweifeln.
       
       17 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kulturstaatsminister-Wolfram-Weimer/!6157080
   DIR [2] /Alte-Gedichte-des-Kulturstaatsministers/!6132059
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       ## AUTOREN
       
   DIR Julia Hubernagel
       
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