# taz.de -- Wie Österreich die Hitzewelle erlebt: „Bombay-Wetter“ in Wien
> Schwimmen in der Donau, auf dem Fahrrad etwas Grün suchen, die alte Klima
> anschmeißen. Vom verzweifelten Versuch, aus der Hitze in Wien zu fliehen.
IMG Bild: „Wahnsinn, ist das heiß!“: Wien bei Extremtemperaturen am 30. Juni
Servus aus Wien! Heute beträgt die Höchsttemperatur hier 27 Grad. Richtig
angenehm. Jedenfalls dann, wenn man die letzten Tage erlebt hat. Wien hat
gebrodelt und viele fühlten sich wie die Hummer im Kochtopf: „Wahnsinn, ist
das heiß!“, entweicht es A. deshalb auch, als wir unlängst in Wiens 7.
Bezirk ankommen.
Die Neubaugasse wirkt verwaist in der unerbittlichen Sonne, nur hier und da
ein Verzweifelter, der von einer Erfrischung versprechenden Nebeldusche zur
nächsten hüpft. Von der Stadt gesponserte Wasservernebler, so etwas gibt es
wirklich, wundere ich mich als Infrastruktur-Geplagte Berlinerin.
Allerdings erblickt man die Vernebler, die mehr Marketinggag als
nachhaltiger Hitzeschutz sind, vor allem in den schickeren Gegenden der
Stadt; in den Betonschluchten der ärmeren Bezirke ist es bei diesen
Temperaturen dann vollends unerträglich.
„Bombay-Wetter“ nennt A. es zynisch, seit die Hitze im Wiener Becken, die
oft mit schwülem Wetter und viel Smog einhergeht, kaum noch auszuhalten
ist. Tropische Temperaturen und [1][„extrem schlechte Luft“] vermeldet auch
meine Wetterapp.
## Der Badespaß ist getrübt
Jaja, alles „ideologische Klimahysterie“ – und der [2][Hitzerekord vom
vergangenen Wochenende] ein großes Planschvergnügen, wie es ein hiesiges
Boulevardmedium mit seinen fröhlichen Bikinischönheiten auf der Titelseite
suggeriert.
A. und ich versuchen derweil zu überleben. Denn eine nicht gedämmte
Wohnung, bei der alle Fenster nach Süden zeigen, wird schnell zum
Fiebertraum inklusive Dauerschweiß, Brain Fog und Gliederschmerzen. Also
nichts wie aufs Rad und weg, aber da verbrennt man sich oben den Scheitel
bei UV-Index 11 und unten den Arsch am glühend heißen Fahrradsitz, während
man an verdorrten Wiesen vorbeihechelt, die bis vor wenigen Tagen noch
saftig grün waren.
Und auch das städtische Strandbad Gänsehäufel ist nicht mehr das Idyll, das
es kürzlich noch war. Am ersten heißen Wochenende sterben dort zwei Männer.
Einer geht vor den Augen seiner Familie unter, ein anderer stürzt
alkoholisiert vom Partyboot. Dann ertrinkt ein Mann nur wenige Kilometer
weiter, als er von einer Brücke springt. Doch das scheint hitzköpfige
Brückenspringer nicht abzuschrecken. Ich muss zwei Teenager, die sich weit
über das Geländer beugen, informieren, dass ein solcher Sprung gerade erst
tödlich endete.
## Der innere MacGyver aktiviert
Eine Gänsehäufel-Stammgästin erzählt, dass in der aufgeheizten Alten Donau
jetzt angeblich Zerkarien aufgetaucht seien. Das sind winzige Larven, die
in die Haut eindringen und zu Ausschlag führen können. Und nun wissen A.
und ich nicht, ob die roten Flecken auf unserer Haut von Mücken oder von
Saugwürmern herrühren. So oder so ist der Badespaß getrübt.
Das Wasser ist brackig geworden und mittlerweile so wenig erfrischend wie
eine pisswarme Badewanne. Ein Rentner gibt auf seinem Handy den neuesten
Hitzerekord durch: „Grüß dich! Die Wiener Innenstadt hat soeben den 40er
geknackt.“ Bei A. wird durch den Klimahorror der innere MacGyver aktiviert.
Am Höhepunkt der Hitzewelle holen wir ein [3][altes Klimagerät] aus seiner
Bienenwerkstatt und A. montiert den Abluftschlauch mithilfe einer
wackeligen Konstruktion, bei der mehrere Bücherkisten und jede Menge
Abklebeband involviert sind, an einen Lüftungsschacht. Damit wird es in
seiner Wohnung endlich erträglicher, während er den Rentner*innen, die
gegen die Dämmung des Hauses geklagt haben, ordentlich einheizt. „Sie
scheinen es ja warm zu wollen“, sagt A., und ich rolle mit den Augen. Wenn
es jetzt schon so losgeht, was soll da noch kommen?
2 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Anna Fastabend
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