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       # taz.de -- Weddinger Pfandflaschendelirium: Plein und Pein im Pfandroulette
       
       > Großer Bahnhof im Edeka-Markt an der Müllerstraße. Bei der
       > Pfandflaschenrückgabe in Berlin-Wedding sind zehn Euro wie ein Jackpot in
       > der Spielbank.
       
   IMG Bild: „The winner takes it all“ – nur für mich
       
       Die Hitzewelle hat ihre Spuren hinterlassen, deswegen laufe ich mit zwei
       riesigen Säcken voll Leergut durch den Wedding gen Müllerstraße. Galant wie
       ein Ausdruckstänzer gleite ich damit zwischen Kotzflecken, E-Scootern und
       zu dicht überholenden Hunden hindurch und versuche, den Pfandwert zu
       schätzen. Ein Schein wird’s schon sein, taxiere ich, vielleicht sogar ein
       Zehner?
       
       Beim Flaschencontainer angekommen, wird der Edeka zum Automatenkasino. Ich
       füttere das gierige Gerät und schaue der Zahl beim Wachsen zu. Als ich die
       5-Euro-Marke erreiche, ist der erste Sack schon leer. Die Spannung steigt.
       
       „Zwei, bitte“, höre ich plötzlich neben mir. Eine Frau steht da, sieht mich
       an, sagt noch mal „Zwei, bitte“ und zeigt auf meine Flaschen. Mein Blick
       folgt ihrem Fingerzeig, schwenkt auf meinen Score, zurück zu ihr und ich
       frage: „Warum?“
       
       „Kinder. Essen“, sagt sie. Ich fische zwei gute 25-Cent-Flaschen aus dem
       Sack und sie schiebe sie kommentarlos in den Nachbarautomaten. Weiter.
       Flasche um Flasche verschwindet in der Maschine. Sieben Euro. Acht. 9,15
       Euro. Wasserflasche, Colaflasche. Milchdrink und bei 9,85 Euro ist nur noch
       ein Joghurtglas übrig. Rien ne va plus.
       
       „10.00 Euro“ auf dem Display lässt mich erstarren. Grundgütiger Himmel!
       „Thank you“, höre ich wieder die Frau neben mir. Ich glotze sie nur an. Mir
       fehlen die Worte.
       
       An der Kasse drücke ich der Kassiererin stolz meinen Pfandbon in die Hand.
       „Jackpot“, grinse ich. Sie schaut nicht mal auf, zieht das kleine Stück
       Papier über den Scanner und gibt mir einen glatten Zehner aus der Kasse.
       Danach gehe ich wie ein Champion Richtung Ausgang. In meinem Kopf jubelt
       und klatscht jetzt der ganze Wedding, reicht mir Blumensträuße, einige
       weinen sogar, Konfetti überall, und die Lautsprecher am S+U-Bahnhof spielen
       – nur für mich – ABBA, „The Winner Takes It All“.
       
       4 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Maik Gerecke
       
       ## TAGS
       
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