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       # taz.de -- Schulabschlüsse mit und ohne Party: Feiern dient der Inklusion
       
       > An der Stadtteilschule gab's keine Party nach der Abschlussfeier – wohl
       > ein Coronaschaden. Dabei ist wahre Inklusion, wenn alle miteinander
       > tanzen.
       
   IMG Bild: Ein Anlass zum Feiern: Schulabschluss
       
       Vor einem Jahr endete die Schulzeit unseres Sohnes Willi. Das war für uns
       ein großer Moment. Es spielte keine Rolle, dass er keinen Schulabschluss in
       Form einer Qualifikation für eine Ausbildung oder gar ein Studium erlangte.
       Er hatte eine glückliche Schulzeit und wir feierten das an diesem Tag –
       wobei ich noch mehr Tränen vergoss als bei seiner Einschulung.
       
       Für Willi war es eine große Leistung, auf der Bühne in seinem
       Blues-Brothers-Aufzug zu stehen und den Blumentopf – den er gegen seinen
       Willen in die Hand gedrückt bekommen hatte – ohne Kollateralschaden wieder
       loszuwerden. Danach saß er bis zum Ende der offiziellen Veranstaltung auf
       einem Stuhl im Publikum. Von solchen Fähigkeiten war Willi bei seiner
       Einschulung 12 Jahre zuvor noch meilenweit entfernt.
       
       Letzte Woche hatte Willis Schwester ihre Schulabschlussfeier an der
       Stadtteilschule, also einer Gesamtschule. Olivia hat nun einen tollen,
       mittleren Schulabschluss in der Tasche. Auch das erfüllt uns mit Stolz und
       Freude. Eine weitere Parallele zum Festakt an Willis Förderschule war das
       Interesse der Schüler an den vorgetragenen Reden.
       
       Dabei lohnte es sich durchaus, zuzuhören. Ich spürte das Herzblut, mit dem
       viele engagierte Lehrer*innen ihre Arbeit machen, und ein wenig auch
       ihre Ermattung angesichts der lärmenden Horde von 150 aufgebrezelten, bei
       30 Grad in der Aula zusammengepferchten 16- und 17-Jährigen.
       
       ## Kämpferische Mütter
       
       Die Rede war sowohl humorvoll als auch wertschätzend, und die gravierenden
       Folgen der Coronapandemie auf die körperliche und psychische Gesundheit
       dieser Kinder und Jugendlichen waren Thema. Sie wurden mit dem Wunsch
       entlassen, sich als starke Persönlichkeiten gegen das Unrecht dieser Welt
       einzusetzen.
       
       Dass ein Teil von ihnen auf der Schule in die gymnasiale Oberstufe gehen
       wird und ein anderer Teil sie verlässt, um eine Ausbildung zu beginnen,
       spielte keine Rolle. Allesamt hatten sie einen wichtigen Schritt ins Leben
       geschafft.
       
       Als ich 1990 auf einem Gymnasium in die Oberstufe versetzt wurde, feierte
       niemand, dass wir somit auch einen Realschulabschluss erworben hatten. Mit
       Haupt- oder Realschulsachen hatte man auf dem Gymi nichts zu tun. Kinder
       mit Migrationshintergrund gab es bei uns, abgesehen von den Ossis, auch nur
       wenige und welche mit Behinderungen schon gar nicht.
       
       Ich weiß nicht, ob mittlerweile auf den Gymnasien die gesellschaftliche
       Vielfalt viel besser abgebildet wird als damals. Meinem Eindruck nach
       meistern die Stadtteilschulen die Inklusion so ziemlich allein. Ich
       fürchte, abgesehen von ein paar Quoten-Spezis aus dem Autismus-Spektrum mit
       besonders kämpferischen Müttern ist da nicht viel los.
       
       Bei uns bezeichnen Gymnasiasten und Stadtteilschülis sich übrigens
       gegenseitig mit dem Wort „Asis“ – wobei die einen damit asozial und die
       anderen unsozial meinen.
       
       Wie auch immer: Mir hat es viel Freude gemacht, die bunte Truppe an dem
       Abend der Abschlussfeier zu erleben. Nur eines hat mich, [1][abgesehen von
       der Einwegteller-Schlacht], die anscheinend auch heute noch normal ist,
       sehr beunruhigt: Es wurde danach nicht gefeiert, also im Sinne einer
       gemeinsamen Party.
       
       Alle verkrümelten sich so schnell wie möglich und anscheinend nicht mal, um
       [2][irgendwo zu cornern, also um draußen rumzuhängen] und zu saufen.
       Vielleicht wollten alle rechtzeitig zum Deutschlandspiel nach Hause. Oder
       sie opponieren heutzutage auf diese Art gegen die Erwartungen ihrer Eltern.
       Oder ist das die durch Social Distancing geprägte, ganz neue „Gen C“ – die
       Generation Corona?
       
       Vielleicht sind aber auch einfach noch nicht genug [3][Kinder mit
       Behinderungen an den Regelschulen]. Denn bei Willi in der Schule wird auf
       allen Partys getanzt: mit Lehrpersonen, Pflegekräften und sogar mit Eltern.
       DAS nenne ich [4][Inklusion]!
       
       4 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Ekliges-Berlin/!6108528
   DIR [2] /Schnipo-Punk/!6187328
   DIR [3] /Tag-der-Menschen-mit-Behinderung/!6049895
   DIR [4] https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/faqs/DE/behinderung/03_was_ist_inklusion.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Birte Müller
       
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