# taz.de -- Social-Media-Reaktionen zur Hitzewelle: Klimakleber gesucht!
> Nach der Hitzewelle fragt sich das Internet, wo die „Letzte Generation“
> bleibt. Anders als die Klimakrise wurden die Aktivist*innen aber
> bekämpft.
IMG Bild: Aktivisten der Letzten Generation blockieren die Kniprodestraße in Berlin am 24. April 2023
„Wo sind die Klimakleber? Bitte macht wieder euren Job, es ist zu heiß!“ Es
ist [1][ein kurzes Video] auf Social Media, das derzeit einen Nerv trifft.
„Vor Gericht oder im Knast“, [2][antwortet Klimaaktivistin Anja Windl] nur
kurze Zeit später via Instagram. Windl, die durch die Proteste der Letzten
Generation in Österreich bekannt wurde, saß selbst mehrere Monate in Haft.
Vielen anderen gehe es ähnlich, erklärt sie: Sie müssen sich noch immer vor
Gericht verantworten, sind psychisch ausgebrannt und finanziell am Ende.
Es gab eine Zeit, da waren sie, die Letzte Generation, der Blitzableiter
für die Wut einer ganzen Nation. Die Aktivist*innen, auch bekannt als
„Klimakleber“, prägten von ihrer Gründung 2021 bis zur Auflösung 2024
regelmäßig die Schlagzeilen. Sie blockierten Straßen, klebten sich auf dem
Asphalt fest, störten Veranstaltungen, beschmierten Gebäude und
Kunstobjekte. Mit zivilem Ungehorsam wollten sie mehr Klimaschutz
erzwingen.
Doch für ihren Einsatz ernteten die Aktivist*innen weder Lob noch
Empathie, sondern vor allem Hass und Häme. Menschen zerrten sie von der
Straße, beschimpften oder verletzten sie. Während Bilder von teils roher
Gewalt viral gingen, schrieben die Aktivist*innen mit spektakulären
Aktionen Protestgeschichte: Im Sommer 2023 [3][besprühte die Letzte
Generation einen Privatjet mit Farbe] und bepflanzte einen Golfplatz auf
Sylt.
## Klimakleber-Comeback ausgeschlossen
Doch nicht nur Teile der Gesellschaft waren verärgert über die
Klimaproteste. Auch der Staat verschärfte den Druck. Wegen des Verdachts
der Bildung beziehungsweise Unterstützung einer kriminellen Vereinigung
folgten bundesweite Razzien und richterlich abgesegnete
Telefonüberwachungen. Der damals amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz
nannte die Aktionen der Letzten Generation [4][„völlig bekloppt“].
Heute, nur drei Jahre später, erlebt Deutschland die Folgen der Klimakrise
so deutlich wie vielleicht noch nie: Nach einem extrem kalten Winter folgt
ein Sommer, der das Land schon im Juni an seine Grenzen bringt. Wohnungen
werden zu Backöfen, Städte leiden unter fehlendem Grün, Freibäder sind
überfüllt, Seen erreichen Badewannentemperaturen, bundesweit fehlt ein
wirksamer Hitzeschutzplan. Ganz zu schweigen von den
[5][Eichenprozessionsspinnern], die sich bei langer, intensiver Hitze
besonders wohlfühlen und viele Bundesländer seit Wochen plagen.
Und plötzlich, während das ganze Land aus der juckenden und schwitzenden
Haut fahren möchte, scheint sich Social Media zu erinnern: Da war mal was.
Ein Klimakleber-Comeback schließt Windl aber aus. Späte Einsicht sei zwar
besser als keine, so Windls Kommentar, aber es sei an der Zeit, dass sich
jetzt andere einsetzen.
Spät kommt die Einsicht, ja. Aber immerhin. Denn während das Netz wieder
über Verantwortung und Methoden diskutiert, dringt aus dem klimatisierten
Bundestag kein Wort über extreme Hitze oder Prävention. Die
Aktivist*innen hat man erfolgreich bekämpft, die Erderwärmung aber
nicht.
2 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.instagram.com/reels/DaIR0w8tWQ3/
DIR [2] https://www.instagram.com/reels/DXG5b-zDJDR/
DIR [3] /Privatjet-auf-Sylt-besprueht/!6055100
DIR [4] /Scholz-kritisiert-Letzte-Generation/!5936590
DIR [5] /Eichenprozessionsspinner-in-Berlin/!6188536
## AUTOREN
DIR Giorgia Grimaldi
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