# taz.de -- Rechter Film „Citizen Vigilante“: Er besitzt so ein schönes Waffenlager
> Regisseur Uwe Boll schickt den Protagonisten seines Films „Citizen
> Vigilante“ auf Killermission gegen Migranten. Die FSK gab ihn nicht frei.
IMG Bild: Armie Hammer als Exekutor seiner Selbstjustiz in „Citizen Vigilante“
Vor zehn Jahren schien die Welt noch in Ordnung: [1][Uwe Boll,
anerkanntermaßen einer der schlechtesten Filmemacher aller Zeiten],
verkündete seinen Rückzug aus dem Geschäft. Er eröffnete ein Restaurant in
Vancouver und verschrieb sich der Spitzengastronomie.
Jahr um Jahr hatte er seine Machwerke runtergekurbelt, lange vor allem
Videospiele verfilmt, die deren Fans kaum wiedererkannten, hatte Stars von
Jason Statham und Ben Kingsley bis Til Schweiger in seine in den Kinos nie
reüssierenden Filme gelockt, hatte eine von Hunderttausenden
unterschriebene Petition überlebt, die das Ende seiner Regiekarriere
verlangte, hatte Kritiker zum Boxkampf geladen, die in Hollywood vergebene
Goldene Himbeere für misslungene Filme mehrfach und früh schon für sein
Lebenswerk erhalten und auch angenommen.
Dann der Rückzug, dem leider bald der Rückzug vom Rückzug folgte.
Ultrakurze Karriere als Bundessprecher der sehr unbedeutenden Partei „Das
Haus Deutschland – DHD“. Das Restaurant in Vancouver hat Corona nicht
überlebt, und so hatte die Filmwelt zu ihrem Unglück Dr. Uwe Boll allzu
bald wieder (ja, er hat in Literaturwissenschaft über „Die Gattung Serie
und ihre Genres“ dissertiert).
Der Doktor führt nicht nur gerne Regie, und die Kamera auch, sondern
schreibt die Drehbücher zwar nicht immer, doch oft, und spielt hier und da
selbst noch mit. Leider ist er auf allen Gebieten ehrfurchtgebietend
talentlos. Die einzige echte Begabung des Universaldilettanten ist, wenn
man so will, seine absolute Schamlosigkeit.
## Uwe Boll als SS-Mann
Wenn einer Videospiele bis zur Unkenntlichkeit verfilmt, ist das nicht
schön, aber doch auch ziemlich egal. Boll aber hatte vor allem immer schon
eines: den Drang zur Öffentlichkeit. Und weil es mit dem geraden Weg zum
Ruhm einfach nicht klappte, dann wird sich eben in sie hineinprovoziert.
Schon zum Frühwerk gehört ein Film über den Barschel-Skandal, die bis dato
entschieden übelste Verirrung ist sein Film „Auschwitz“ von 2011, die er
als „Dokumentation“ deklariert. Erst zeigt er ein paar ahnungslose
Jugendliche, die er mit seinen nachgestellten Filmszenen (mit Uwe Boll als
SS-Mann) dann aufklären will.
Passenderweise waren die Kulissen der Videospielverfilmung „Bloodrayne: The
Third Reich“ noch übrig, in denen hat er seinen Aufklärungsfilm gleich auch
noch gedreht. Und natürlich drängte es ihn genau dahin, wohin keiner wollen
sollte: zu Erschießungen mit Musik und in die Gaskammer, unter Menschen in
Todesangst, dann unter Leichen.
Kurzum: Boll, dein Name ist Troll. Leider hat sich der Troll mit seinem
jüngsten Film „Citizen Vigilante“ nun in seine bislang größte
Öffentlichkeit reingehackt. Was ihm gelang, weil die Freiwillige
Selbstkontrolle (FSK) des deutschen Films, über deren Sinn und Zweck man
streiten kann, ihm die Jugendfreigabe komplett verweigert hat. Heißt: Man
darf ihn nicht bewerben und quasi nur unter der – auch virtuellen –
Ladentheke verkaufen.
Boll schrie Zensur, holte via X Elon Musk ins Boot, der sich über alles
freut, was übel und rechts ist und mit einem 48 Stunden gültigen Gratislink
dem Troll Gratiswerbung verschaffte. Sein Werk schoss bei Apple TV, wo man
es streamen kann, kurzzeitig nach ziemlich weit oben.
## Freude und Genuss an Gewalt
Als Film ist „Citizen Vigilante“ tatsächlich unter aller Kritik.
Handwerklich sowieso, da ist alles so aufgeregt sinnlos, wie vom Meister
vertraut. Aber Boll outet sich nun auch ganz unumwunden als
Rechtsradikaler. Der Plot ist schlicht: Der Film schickt den vom
#MeToo-Abstellgleis geholten Ex-Star Armie Hammer („The Social Network“,
[2][„Call Me By Your Name“]) auf Killermission gegen Migranten.
Der Vigilante knallt nicht nur migrantische Vergewaltiger, sondern gleich
die ganze dazugehörige Familie einfach ab und schwadroniert in
Videobotschaften gegen „Überfremdung“ und „Umvolkung“ und das Versagen von
Recht und Politik. Er mäht dann, wo er schon so ein schönes Waffenlager
besitzt, auch ein ganzes SEK der Polizei einfach weg, mit viel Blut und
platzenden Schädeln; außerdem werden Richter erledigt, deren Urteile ihm
nicht hart genug sind.
Bei alledem schauen Boll und der Film mit Freude und Genuss einfach zu.
Selbstverständlich wird nun „Citizen Vigilante 2“ folgen, da räumt, hat
Boll schon verkündet, sein Killer in den USA unter Migranten mit
somalischem Hintergrund auf. Die Verortung von Teil eins dagegen war in
breiten Lettern und ganz plakativ einfach „Europe“.
Das Ganze taugt, so vorhersehbar dumm, stumpf, lächerlich und in seiner
Vorhersehbarkeit, Dummheit, Stumpfheit, Lächerlichkeit grauenhaft, wie es
ist, höchstens als Lehrstück über den aktuellen Stand einer zur
sozialmedialen Verhetzung allzeit bereiten Öffentlichkeit. Es muss nur
einer von weit genug rechts laut genug „Migration“ und „woke“ und „Zensur“
schreien, schon ist Elon Musk, der alte Hitlergrüßer, zur Stelle und lenkt
die Aufmerksamkeitsströme via X in Richtung des großen Geschreis.
Auf die Weise werden auch Typen wie Boll, die man bislang als pathologisch
geltungsbedürftige, aber eher harmlose Irre einschätzen durfte, zu scharfen
Waffen, und das eben leider nicht nur im metaphorischen Sinn. Es ist ja
nicht auszuschließen, dass sich ein junger Mann in den Vereinigten Staaten
mit sehr vielen Waffen und mit in den sozialen Medien gründlich frittiertem
Hirn durch den „Citizen Vigilante“ inspiriert fühlen könnte. Für
Deutschland kommt man zu einem Schluss, zu dem man eigentlich nie kommen
wollte: Die FSK hat angesichts des üblen Machwerks das getan, was getan
werden musste.
3 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Ekkehard Knörer
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