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       # taz.de -- Wölfe in Niedersachsen: Kritik am Schnellschuss
       
       > Der neue niedersächsische Managementplan zur Wolfsbejagung stößt auf
       > Protest. Naturschutzverbände warnen vor einer Aushöhlung des
       > Artenschutzes.
       
   IMG Bild: Nun kann es Interventionsgebiete geben, in denen ganze Rudel getötet werden dürfen: Hinweistafel an der Timmerloher Heide
       
       Niedersachsen will den Abschuss von Wölfen stark erleichtern. Der [1][neue
       Managementplan der rot-grünen Landesregierung] sieht eine
       Schnellabschussregelung vor, bei der in einem Problemgebiet ein Wolf
       geschossen werden darf, ohne nachzuweisen, dass es sich um den
       Schadensstifter handelt. Überdies können sogenannte Interventionsgebiete
       festgelegt werden, in denen ganze Rudel eliminiert werden dürfen.
       
       Der Managementplan legt die Rahmenbedingungen für die Bejagung fest und
       gilt seit dem 1. Juli. Grundlage dafür ist eine Änderung des
       niedersächsischen Jagdgesetzes, die in der vergangenen Woche im Landtag
       verabschiedet wurde und die [2][Jagd auf den Wolf grundsätzlich erlaubt].
       Der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen und der Landestierschutzverband
       [3][kritisieren den Managementplan als „Symbolpolitik mit der Flinte“].
       
       Im Kern bemängeln die Verbände, dass der Fokus des Managements zu stark in
       Richtung Abschuss verschoben werde. Wirksamer Herdenschutz, fachliche
       Prävention und sachliche Konfliktlösung träten in den Hintergrund. „Dieser
       Managementplan löst keine Konflikte, sondern bedient vor allem den
       politischen Druck der Wolfsgegner“, sagt der Nabu-Landesvorsitzende Holger
       Buschmann.
       
       Im Zentrum der Kritik steht die Schnellabschussregelung. Der Managementplan
       ermöglicht es dem Landwirtschaftsministerium, nach einem bestätigten
       Nutztierriss, für den nach sachverständiger Einschätzung wahrscheinlich ein
       Wolf verantwortlich ist, ein Jagdgebiet um den Ort des Risses festzulegen.
       Dieses hat einen Radius von mindestens 3 und bis zu 20 Kilometern.
       
       ## Möglichkeit, ganze Rudel zu töten
       
       Die Bejagung kann in diesem Gebiet bis zu sechs Wochen andauern. „Die Jagd
       endet, sobald ein Wolf, der nicht notwendigerweise auch der Schadstifter
       gewesen sein muss, erlegt wurde“, schreibt die niedersächsische
       Staatskanzlei.
       
       Die Verbände halten das für fachlich nicht haltbar. „Das hat mit einer
       zielgerichteten Entnahme des tatsächlich schadensverursachenden Wolfes
       nichts mehr zu tun“, kritisiert Dieter Ruhnke, der Vorsitzende des
       Landestierschutzverbandes. „Je größer der Radius und je länger der
       Zeitraum, desto größer ist das Risiko, dass irgendein Wolf geschossen wird,
       aber eben nicht der, der den Schaden verursacht hat.“
       
       Damit sie wirksam seien, müssten die Schnellabschussgebiete kleinräumig
       angelegt und eng am Territorium des Wolfes orientiert sein, mahnen Nabu und
       Landestierschutzverband.
       
       Ein weiterer Streitpunkt ist, dass vor einer „Entnahme“, also einem
       Abschuss, eine genetische Zuordnung nicht mehr verpflichtend ist. Diese sei
       aber essenziell, um den individuellen Verursacher zu identifizieren, statt
       pauschal lokale Rudel zu bejagen, die vielleicht gar nicht für den Riss
       verantwortlich waren, betonen die Verbände.
       
       Die in dem Managementplan definierten Interventionsgebiete sind die höchste
       Stufe der Eskalationskette. Während ein Schnellabschuss auf den
       kurzfristigen Abschuss eines einzelnen Tieres nach einem konkreten Riss
       abzielt, ermöglichen diese Interventionsgebiete weitergehende Maßnahmen.
       
       Eingerichtet werden können sie, „wenn drei Schadereignisse an Nutztieren
       wie Rindern, Pferden oder Schafen unter Einhaltung des zumutbar ergriffenen
       Herdenschutzes in einem Wolfsterritorium eingetreten sind“, und wenn
       vorangegangene Versuche zur Konfliktlösung nachweislich erfolglos geblieben
       seien, schreibt die Staatskanzlei. Möglich ist dann auch die Entnahme eines
       gesamten Rudels.
       
       Die Verbände mahnen, dass ein solches Interventionsgebiet „nicht der
       schnelle Einstieg in großräumige Abschüsse bzw. wolfsfreie Zonen sein“
       dürfe. „Vorher müssen mehrere gezielte Schnellabschussverfahren erfolglos
       geblieben sein“, sagt Ruhnke. „Alles andere hebelt die Idee einer
       abgestuften Konfliktlösung aus.“
       
       In diesem Zusammenhang kritisieren der Nabu und der Landestierschutzverband
       vor allem eine Sonderregelung für Gebiete, die eine besondere Bedeutung für
       den Küstenschutz haben. Dort kann laut dem Managementplan schon nach zwei
       bestätigten Schadensereignissen ein Interventionsgebiet eingerichtet
       werden.
       
       Diese Senkung der Schwelle halten die Verbände für fachlich nicht
       gerechtfertigt. Auch in Küstenbereichen sei ein effektiver Herdenschutz
       möglich, weshalb eine Privilegierung von Abschussmaßnahmen das
       Schutzkonzept untergrabe.
       
       ## Natur- und Tierschützer fordern Prävention
       
       Der Nabu und der Landestierschutzverband befürchten, dass aus einer
       fachlich begründeten Maßnahme zur punktuellen Konfliktlösung eine
       großflächige „Abschusskulisse“ entsteht, in der der Wolf dauerhaft
       zurückgedrängt wird. Sie betonen, dass der Wolf als streng geschützte Art
       eine wichtige ökologische Funktion einnehme. Sie fordern die
       Landesregierung auf, den Managementplan nachzubessern.
       
       Unter anderem müssten präventive Maßnahmen stärker gewichtet werden. Dazu
       gehöre ein [4][Herdenschutz, der sich an der Wirksamkeit orientiert], etwa
       durch höhere Standards bei Zaunhöhen, Elektrifizierung und
       Untergrabungsschutz.
       
       Interventionsgebiete dürften erst nach erfolglosen Schnellabschussverfahren
       und bei klarer Beweislage eingerichtet werden. Auf pauschale Forderungen
       wie die Entnahme von Welpen oder die Einführung von Bestandsquoten solle
       verzichtet werden, fordern die Verbände.
       
       ## Weidetierhalter:innen kritisieren Plan als unzureichend
       
       Während [5][Naturschützer eine zu offensive Bejagung des Wolfes beklagen,
       bewerten Weidetierhalter:innen] den neuen Managementplan als völlig
       unzureichend. So bemängelt der Förderverein der Deutschen Schafhaltung,
       dass es sich nur um ein „Rissmanagement“, nicht um ein notwendiges
       „Bestandsmanagement“ handele. Der Verein kritisiert, dass Maßnahmen erst
       eingeleitet werden dürfen, wenn bereits „Blut auf den Weiden fließt“.
       
       Ein „vorausschauendes Management, das den jährlichen Populationszuwachs
       frühzeitig reguliert und Schäden verhindert“, finde nicht statt. Der Schutz
       der Weidetiere werde so praktisch dem Zufall überlassen.
       
       Ulrike Galler, Geschäftsführerin des Fördervereins, betont, dass die
       Wolfsangriffe nicht nur das Schicksal einzelner Tiere beträfen. Die
       resultierende Panik in den Herden führe häufig zu schwersten Verletzungen
       und Ausbrüchen, die wiederum die Bevölkerung und den Straßenverkehr
       gefährdeten.
       
       Galler fordert einen Systemwechsel: „Wir brauchen endlich ein echtes
       Bestandsmanagement, kein Rissmanagement“. Wer an der jetzigen Praxis
       festhalte, schütze nicht die Weidetierhaltung, sondern verwalte lediglich
       deren Verluste.
       
       2 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.stk.niedersachsen.de/startseite/presseinformationen/besserer-schutz-der-weidetiere-vor-dem-wolf-managementplan-freigegeben-schnellabschusse-und-interventionsgebiete-moglich-252030.html
   DIR [2] /Wildtiere-in-Deutschland/!6156521
   DIR [3] https://www.tierschutzniedersachsen.de/symbolpolitik-mit-der-flinte-verbaende-kritisieren-forderungen-zum-generellen-wolfswelpenabschuss-scharf/
   DIR [4] /Mit-KI-gegen-Wolfsrisse/!5853377
   DIR [5] /Woelfe-in-Deutschland/!6042422
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Robert Matthies
       
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