# taz.de -- Kane schießt England ins Achtelfinale: „Der englische Messi“
> Dank des zweifachen Torschützen Harry Kane zieht England gegen DR Kongo
> ins WM-Achtelfinale ein. In der nächsten Runde hat das Team einen klaren
> Nachteil.
IMG Bild: Präzisionsarbeit: Harry Kane erzielt seinen zweiten Treffer
Vermutlich haben sich viele Engländer selbst gewundert. Abpfiff in einem
bombastisch anmutenden WM-Stadion, und es war nach einem ausgiebig
besungenen Happy End in Atlanta immer noch fast eine Stunde bis zur
klassischen „Teatime“. Was nach dem schwer erkämpften Weiterkommen [1][im
Sechzehntelfinale gegen die Demokratische Republik Kongo (2:1)] die
Gelegenheit gab, die Nähe zu Downtown für den Abstecher in Bars und Pubs zu
nutzen, um ein spektakuläres Spiel bei amerikanischem Bier in die dritte,
vierte und fünfte Halbzeit zu überführen.
Erstaunlich: Ihre Kulthymne „Football’s Coming Home“, einst zur Heim-EM vor
30 Jahren aufgelegt, haben sie mit einem Vers auf Thomas Tuchel unterlegt.
Hört sich nett an, diese umgedichtete Zeile. Der deutsche Teamchef ist bei
den Anhängern deutlich beliebter als bei der Presse. Der gebürtige Schwabe
lächelte sanft, als er darauf angesprochen wurde. Ansonsten kam der
52-Jährige gar nicht umhin, erneut Harry Kane aufs Podium zu heben. „Er ist
Kapitän, er ist Anführer, er entscheidet Spiele mit seinem unglaublichen
Finish.“
Vielleicht wäre die Olympiastadt von 1996 – jener Sommer, in der Englands
Titeltraum im Elfmeterschießen gegen die Deutschen in Wembley platzte – zum
Ort der Schmach geworden, wenn „King Kane“ nicht wieder zweimal, per Kopf
(75.) und Fuß (88.), unnachahmlich zugeschlagen hätte. „God save the Kane“,
meinte die Expertenrunde bei Fox Sports, während sich England-Kenner Jürgen
Klopp bei Magenta TV ebenfalls zu Wort meldete. „Den Einfluss, den Harry
Kane hat, habe ich so noch nie gesehen. Ich bewundere diesen Spieler so
sehr für alles, was er auf dem Fußballplatz macht. Er ist noch dazu ein
Riesentyp. Im Grunde ist Harry Kane der englische [2][Messi].“
Tatsächlich avanciert der 32-Jährige gerade zu einer ähnlichen Galionsfigur
für die „Three Lions“. Er half hinten aus, er verteilte Bälle in der Mitte
– und er traf vorne, nachdem sein Einfädler gegen den überragenden
kongolesischen Keeper Lionel Mpasi keinen Elfmeterpfiff von Referee Adham
Makhadmeh (Jordanien) rechtfertigte. Sein Unverständnis aus dieser Szene
sollte noch der Erleichterung weichen. „Es fühlt sich großartig an, es war
ein verrücktes Spiel. Ihr Torwart hat einige unglaubliche Bälle gehalten,
aber man muss weitermachen. Es gibt richtig heldenhafte Momente – und für
mich war es so ein Tag“, sagte [3][der Mittelstürmer vom FC Bayern]
ergriffen.
## Wettschießen der Stürmerstars
„Wir wollten nicht ausscheiden, wir haben uns dagegengestemmt. In diesem
Moment musst du noch einen Weg finden“, erklärte sein Trainer. Tuchel hatte
mit Anthony Jordan den richtigen Wegbereiter eingewechselt, der beide
Treffer für Englands Rekordtorschützen auflegte. „Er ist eine Inspiration
für uns alle. Er ist immer da, wenn es darauf ankommt“, lobte er den
flinken Flügelspieler, den auch der FC Bayern gerne verpflichtet hätte,
sich aber für den FC Barcelona entschied.
Kane fügt sich mit seinen fünf WM-Toren ins Wettschießen der illustren
Stürmerstars. Tuchel fiel dazu ein martialischer Vergleich ein: „Sie sind
alles Haie. Wenn sie Blut riechen, dann sind sie da und treffen.“ Es
folgten die üblichen englischen Stimmungslieder, die unter dem
verschlossenen Dach mit dem gewaltigen Rundumbildschirm beeindruckend
klangen. Enden in diesem Sommer in Nord- und Mittelamerika die ewigen
Schmerzen? Völlig abwegig sind die Träume vom zweiten WM-Titel nach 1966
nicht.
Diese Auswahl ist vielleicht nicht immer voller Esprit, aber voller
Engagement. Das hat der Bessermacher Tuchel gut hinbekommen. Das englische
Team verkörpert eine Resilienz, die der deutschen Mannschaft völlig
abgegangen ist. Allerdings war es für die Vielspieler aus der Premier
League unter den klinischen Bedingungen von Atlanta leichter, ihr
Energielevel zur Mittagszeit hochzuhalten.
Drinnen war es mindestens zehn Grad kühler als draußen. Doch so angenehm
wird es nicht bleiben. Im Achtelfinale im Aztekenstadion von Mexiko-City
wartet das Kontrastprogramm. Atmosphärisch und klimatisch. Das Abendspiel
gegen den Mitausrichter Mexiko (Montag 2 Uhr MESZ) wird in jeder Hinsicht
eine hitzige Angelegenheit. Man habe zwar in der Vorbereitung spezielles
Hitze- und Höhentraining absolviert, aber binnen drei Tagen könne die
Anpassung an die auf 2.200 Meter Höhe gelegene Hauptstadt Mexikos nicht
gelingen, sagte Tuchel: „Das ist ein großer Nachteil.“ Sein größter
Vorteil: Harry Kane spielt mit.
2 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Frank Hellmann
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