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       # taz.de -- IFG-Reform auf Bundesebene: Der autoritäre Staatsumbau nimmt Fahrt auf
       
       > Schwarz-Rot will das Informationsfreiheitsgesetz de facto abschaffen. Es
       > ist der schwerste Angriff auf staatliche Transparenz in der Geschichte
       > der BRD.
       
   IMG Bild: Skandale sollen künftig möglichst nicht mehr an die Öffentlichkeit – die Akten bleiben im Dunkeln
       
       Die Maskenaffäre von Jens Spahn, die Kumpelei von Katherina Reiche mit der
       Milliardärs-Lobby, die CDU-Fördermittelaffären: Nach einem Beschluss des
       Koalitionsausschusses kommen derartige Skandale künftig allesamt nicht mehr
       an die Öffentlichkeit. SPD und Union wollen [1][das
       Informationsfreiheitsgesetz de facto abschaffen]. Das ist der schwerste
       Angriff auf staatliche Transparenz in der Geschichte der Bundesrepublik –
       und ein Bruch des Koalitionsvertrags.
       
       Eigentlich hatten die Parteien im Koalitionsvertrag 2025 vereinbart, das
       Informationsfreiheitsgesetz (IFG) mit „Mehrwert“ für Bürger*innen zu
       reformieren. Seit 2006 ermöglicht das IFG allen Menschen, [2][Einblick in
       staatliche Dokumente zu bekommen] und damit das Handeln von Behörden und
       der Regierung zu kontrollieren.
       
       Jetzt kommt das Gegenteil: Der Anspruch auf Dokumente für alle Menschen
       soll abgeschafft werden. Infos von Behörden soll nur noch bekommen, wer ein
       „berechtigtes Interesse“ im Einzelfall nachweisen kann. Von den bisher über
       330.000 Anfragen, die Menschen über das Portal „Frag den Staat“ an Behörden
       gestellt haben, wären damit fast keine mehr zulässig.
       
       Egal ob Anfragen zu internen E-Mails von Behörden, zu Verträgen von
       Ministerien oder Gutachten der Bundesregierung – alles künftig tabu. Das
       Informationsfreiheitsgesetz wäre alleine durch diese Regelung am Ende.
       
       ## „Frag den Staat“ wird keine Anfragen stellen können
       
       Durch die Abschaffung des bisherigen Gebührendeckels könnten die wenigen
       verbliebenen Anfragen künftig potenziell Zehntausende Euro kosten. Nur noch
       wenige Menschen in Deutschland könnten es sich überhaupt finanziell
       leisten, Anfragen zu stellen.
       
       Juristische Personen, also Organisationen wie Frag den Staat, Pro Asyl oder
       die Deutsche Umwelthilfe, dürften künftig nach dem Willen der Parteispitzen
       keine Anfragen mehr stellen. Genauso wie mehrere Millionen Menschen in
       Deutschland: Denn künftig sollen nur noch Deutsche und EU-Drittstaatler in
       wenigen Einzelfällen noch Informationen bekommen.
       
       Die Liste der geplanten Einschränkungen geht aber noch weiter: In den
       angefragten Informationen sollen zukünftig pauschal die Namen aller
       Behördenmitarbeiter*innen geschwärzt werden – also auch von
       Führungspersonal und prominenten Entscheidungsträger*innen. Damit wäre
       nicht mehr nachprüfbar, wer für behördliche Entscheidungen verantwortlich
       ist. Das birgt ein massives Korruptionsrisiko.
       
       Zu den bisherigen 30 Ausnahmetatbeständen, bei denen Behörden die Auskunft
       verweigern dürfen, sollen außerdem weitere Ausnahmen für Anfragen
       hinzukommen. Es soll für Behörden also noch einfacher werden, Anfragen
       abzulehnen. Vorbild dafür: Die [3][de-facto-Abschaffung des IFG in Berlin].
       Dort geben Behörden nach einer kürzlich erfolgten Reform der
       SPD-CDU-Regierung so gut wie keine Informationen mehr heraus.
       
       ## Auch die Presse ist betroffen
       
       Aber nicht nur für die Zivilgesellschaft, auch für die Pressefreiheit
       dürfte die geplante Reform ein massiver Einschnitt werden. Nach dem
       Beschluss würden nämlich Personen, die Informationen „durch andere
       Regelungen erreichen können“, vom Kreis der Anspruchsberechtigten
       ausgeschlossen werden. Da Pressevertreter*innen spezielle Rechte nach
       dem Presserecht hätten, fielen sie also heraus.
       
       Die Liste der Skandale, die in den vergangenen Jahren durch das IFG
       aufgedeckt wurden, ist lang: Alleine in den vergangenen Monaten deckte Frag
       den Staat durch das IFG Dokumente zur [4][Kumpelei von
       Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit Milliardenunternehmen] auf,
       legte offen, wie die Zivilgesellschaft durch den Verfassungsschutz
       untersucht wurde und berichtete über die [5][fragwürdigen Förderungen eines
       CDU-Politikers].
       
       Hinzu kommen Recherchen zu [6][rechtswidrigen Förderstopps] durch das
       Bundesinnenministerium. Aufgrund von Skandalen, die durch das IFG ins
       Rollen kamen, mussten in der Vergangenheit unter anderem die SPD-Ministerin
       Franziska Giffey und eine Staatssekretärin im Bildungsministerium
       zurücktreten.
       
       Kein Wunder, von wem der Frontalangriff auf Presse- und
       Informationsfreiheit kommt: Im Koalitionsausschuss sitzen neben dem
       Bundeskanzler und dem CSU-Ministerpräsidenten Markus Söder auch Jens Spahn
       und Alexander Dobrindt. Denen war das IFG in den vergangenen Monaten lästig
       genug, schließlich erschwerte es ihnen das geräuschlose Durchregieren.
       
       So gerieten etwa im Zuge der Maskenaffäre zahlreiche internen E-Mails an
       die Öffentlichkeit, die das Versagen von Spahn dokumentierten. Auch Spahns
       Verbindungen zum Tech-Faschisten Peter Thiel und sein fragwürdiger
       Villenkauf während der Coronapandemie waren im öffentlichen Fokus.
       
       ## Ein weiterer autoritärer Baustein
       
       Dobrindts Bundesinnenministerium arbeitet nach dem Beschluss jetzt an einem
       Gesetzentwurf, um das IFG abzuschaffen. Der CSU-Politiker, der in den
       vergangenen Monaten mehrfach rechtsstaatliche Gerichtsentscheidungen zu
       Zurückweisungen und Grenzkontrollen ignorierte, freut sich über einen
       weiteren Baustein in seiner autoritären Agenda.
       
       Kommen SPD und Union mit ihrem Vorhaben durch, werden auch künftige
       Regierungen mit AfD-Beteiligung ihre Machenschaften abseits der
       Öffentlichkeit durchziehen können. Eine Abschwächung der IFG-Reform dürfte
       dabei keinen Unterschied machen. Denn die Angriffe sind so massiv, dass nur
       ein Rückzug des gesamten Vorhabens die Informationsfreiheit noch retten
       kann.
       
       Vor einem Jahr hatte sich die SPD noch der Union widersetzt: Als der
       CDU-Politiker Philipp Amthor [7][in den Koalitionsverhandlungen versuchte],
       die Abschaffung des IFG durchzusetzen, wurde er gestoppt. Nach einer
       zivilgesellschaftlichen Kampagne mit 400.000 Unterschriften gab er klein
       bei.
       
       Auf die SPD-Spitze kann jetzt aber niemand mehr setzen. Sie macht den
       autoritären Staatsumbau entschlossen mit und entmachtet die
       Zivilgesellschaft. Bleibt nur die Möglichkeit, auf die verbliebenen echten
       Sozialdemokraten im Bundestag Druck zu machen, damit sie sich widersetzen –
       oder zumindest diese Koalition bald ihr verdientes, vorzeitiges Ende
       findet.
       
       2 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Reformpaket-der-Regierungskoalition/!6192978
   DIR [2] /Kolumnist-hat-sich-verliebt/!6181936
   DIR [3] https://fragdenstaat.de/artikel/policy/2026/06/informationsfreiheits-fiasko-mit-ansage/
   DIR [4] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/03/milliardars-lobby-droht-bussgeld/
   DIR [5] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/05/die-schattenstruktur-des-armin-laschet/
   DIR [6] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/03/radikale-tochter/
   DIR [7] http://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2025/04/ifg-wird-nicht-abgeschafft/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Arne Semsrott
       
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