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       # taz.de -- +++ AfD-Parteitag und Protest +++: Riesenprotest gegen AfD-Parteitag
       
       > Drinnen wurde rechtsextrem gepöbelt, draußen protestierten mehrere
       > Zehntausend Menschen friedlich. Die von manchen vorhergesagte Gewalt
       > blieb aus.
       
   IMG Bild: Egal, ob glitzer, grün oder pink: Siamo tutti antifascisti. Hier der orangene Finger auf der B7
       
       ## 15.00 Uhr: Ticker beendet
       
       Hiermit beenden wir unseren Live-Ticker. Schön, dass ihr so zahlreich
       reingeklickt habt. Den [1][abschließenden Bericht über die Proteste in
       Erfurt von unseren Kolleg*innen vor Ort findet ihr hier]. Bleibt zu
       sagen: Danke Antifa! (taz) [aktualisiert: 5.7.]
       
       ## 14.44 Uhr: Protest-Finger kommen bei Demo an
       
       Nach und nach treffen Aktivist*innen, die bisher in sogenannten Fingern,
       also Untergruppen, an verschiedenen Blockadepunkten waren, bei der
       gemeinsamen Demonstration in der Innnenstadt ein. Sie werden herzlich
       begrüßt, zum Beispiel mit Slogans wie „Hurra, hurra, die Antifa ist da.“
       
       Selbst nach 20 Minuten ziehen weiterhin Tausende vorbei, die seit der Nacht
       durch Felder und Landstraßen gelaufen waren, um die Zufahrt zum
       AfD-Parteitag zu blockieren. Damit neigt sich der aktionistische Teil des
       Tags seinem Ende entgegen. Das Bündnis „Widersetzen“ wertet die Proteste
       als Erfolg.
       
       Auch die letzten Autobahn-Besetzer*innen erreichen die Erfurter Innenstadt
       – um sich von hier auf dem Weg nach Hause zu machen. Es läuft der Song
       „Nicht alle Männer“ von der Rapperin Ebow, die Demonstrierenden winken
       Pizzeria-Gästen zu. „War doch voll friedlich“, sagt ein Erfurter
       anerkennend am Rand zur taz. Das entspricht dem Eindruck des neunköpfigen
       taz-Teams, das die Proteste beobachtet hat und steht [2][den Unkenrufen, es
       werde zu schlimmer Gewalt kommen,] klar entgegen. (tlm/jw/dol/lol)
       
       ## 14.30 Uhr: Keine Festnahmen
       
       Laut der Polizei habe es keine Festnahmen gegeben. Die Bundespolizei hat am
       Rande der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt verbotene
       Pyrotechnik und Waffen sichergestellt. Zwei Männer und zwei Frauen hätten
       vor dem Mittag versucht, vor den Einsatzkräften zu fliehen, hieß es. Bei
       einer Kontrolle wurden unter anderem kurze Schlagstöcke – sogenannte
       Kubotans – sowie pyrotechnische Erzeugnisse sowie Verkleidungsgegenstände
       wie eine Perücke entdeckt. Man habe aber noch nicht alle Einheiten
       abgefragt, sagte eine Polizeisprecherin der taz. (dpa/dmn/dol)
       
       ## 14.25 Uhr: Darth Vader auf der Blockflöte
       
       Perfektes Timing: Während Höckes rechte Hand, Stefan Möller, als
       Partei-Vize-Chef kandidiert, ertönt aus dem Inneren der Halle plötzlich
       eine Melodie: Der [3][Imperial March], schief gespielt auf einer
       Blockflöte. Es ist die Melodie, die ertönt, wenn Darth Vader das Bild
       betritt. Währenddessen gibt sich Möller auf der Bühne alle Mühen, sich zu
       verharmlosen. Die Presse erzeuge ein falsches Bild, wenn sie ihm
       unterstelle, dass er den „Thüringer Weg“ auch bundesweit erzwingen wolle,
       nämlich: „keine Mäßigung, keine Koalition, keinen Kompromiss“.
       
       Als er das sagt, bekommt er Szenenapplaus aus der Thüringer Ecke. Den
       wollte er aber gar nicht, danach erklärt er, dass er gar nicht mehr für
       „alle müssen raus“ sei, so wie noch 2015 bis 2017. Er sei zwar kein guter
       Redner, aber er kenne sich mit Strategie und dem Recht aus, sagt der
       Jurist. Die Netzwerker innerhalb der Partei unterstützen ihn, seine
       Kandidatur ist mit allen Lagern abgesprochen. Höckes rechte Hand wird mit
       76 Prozent zum Vize-Chef gewählt. Dann ertönt wieder der
       Blockflöten-Imperial-March. (gjo)
       
       14.20 Uhr: 30.000 bis 50.000 Protestierende
       
       Die Polizei spricht gegenüber der taz von 31.000 Protestierenden, die sich
       den Protesten gegen den Afd-Parteitag angeschlossen haben. Die Bündnisse
       Zusammenstehen und Widersetzen gehen bereits von 50.000 Teilnehmenden aus.
       Laut Widersetzen, davon allein 17.000 Menschen, die sich an Blockaden
       beteiligt haben sollen. Damit sind die Proteste in Erfurt die größten, die
       es jemals gegen einen AfD-Parteitag gegeben hat. Zum Vergleich: In Gießen
       sollen es laut Polizei 25.000 Teilnehmer:innen gewesen sein, in Riesa
       etwa 15.000. (tk)
       
       ## 14.15 Uhr: Softeis, SPD und Slogans
       
       Die Versammlung an der Messe ist völlig überfüllt. Es bildet sich eine
       lange Schlange am Softeis-Stand. SPD-Stadtrat Danny Möller läuft als Ordner
       über den Platz. Auch wenn es mit der Blockade des Parteitags nicht geklappt
       habe, sei „der Protest ein Erfolg“, findet et. „Zehntausende sind auf die
       Straße gegangen, mit ganz verschiedenen Aktionen gegen die
       menschenabwertende Politik, die die AfD probiert zu normalisieren.“ Möller
       sei stolz, dass sich auch viele Erfurter:innen beteiligen. „Das hat den
       Slogan unterstrichen: Ganz Erfurt hasst die AfD.“ (dmn)
       
       14.12 Uhr: Hat die Polizei gelogen?
       
       Zur morgendlichen Verwirrung über die Rechtslage hat die taz bei der
       Polizei nachgehakt: War es Absicht, dass die Polizei behauptet hat, es
       gelte eine Demo-Verbotszone? „Nein“, sagt ein Polizei-Sprecher. Wann das
       Gericht entschieden hat, ob es eine Verbotszone gibt, wisse er nicht. „Um
       12.03 Uhr“, klärt der taz-Reporter den Wachtmeister auf. Der aber ist der
       Auffassung: „Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar, das
       Demo-Verbot zu kippen, „sei mit der Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht
       hinfällig“, diese hebe „die Rechtskraft des ersten Urteils auf“, ist der
       Polizist überzeugt. Das sehen sowohl das Rechtsamt der Stadt Erfurt als
       auch die meisten Jurist*innen anders. (dmn/lol)
       
       13.35 Uhr: Weidel redet rechtes Zeug und wird gewählt
       
       Alice Weidel heizt den Saal nach der mauen Rede von Chrupalla binnen acht
       Minuten spürbar auf. Sie liest Merz die Leviten nach seinem missglückten
       Social-Media-Beitrag zum WM-Aus – „der Bundeskanzler lebt in seiner eigenen
       Realität!“. Als Vivaldi der Regierungschefs kündige Merz alle vier
       Jahreszeiten Reformen an und veranstalte dann nur Streichkonzerte. Am
       besten funktioniert wie immer Rassismus: „Nichts zum Ende der
       Massenmigration, stattdessen Attestpflicht am ersten Arbeitstag! Mehr kann
       man seine Missachtung nicht ausdrücken!“, schimpft Weidel.
       
       Sie drückt die richtigen Knöpfe, um die Delegierten in Wallung zu bringen:
       Man habe hunderte Milliarden an die Ukraine verschenkt, wolle
       Sozialleistungen für Ausländer streichen und außerdem und besonders
       schneidend: „Wir werden die Grenzen schließen, Straftäter und Illegale
       haben innerhalb von Deutschland nichts mehr verloren.“
       
       Nach diesen Worten erheben sich die Delegierten von ihren Sitzen, johlen
       und applaudieren, viele schwenken Deutschlandfahnen. Im Anschluss wird
       Weidel mit 81,3 Prozent gewählt, also über zehn Prozent mehr als Chrupalla.
       Ein deutlicher Punktsieg für Weidel gegen ihren Co-Vorsitzenden. (gjo)
       
       13.15 Uhr: Chrupalla wiedergewählt
       
       Chrupalla wird mit 70,5 Prozent zum Parteichef wieder gewählt. Das sind 12
       Prozent weniger als beim letzten Mal – und 168 Nein-Stimmen. Ein echt
       schlechtes Ergebnis. (sam)
       
       ## 13.12 Uhr: Angriff auf Apollo-Mitarbeiter
       
       In der Straße des Friedens in der Erfurter Innenstadt sollen „zwei
       Pressevertreter“ angegriffen worden sein. Das bestätigt eine
       Polizeisprecherin. Zuerst hatte das Onlineportal Apollo News gemeldet, dass
       zwei Mitarbeiter angegriffen worden sein sollen. Die Polizei reagierte,
       nachdem sie auf die Situation aufmerksam wurde, mit Schlagstock und
       Pfefferspray. (dol/tk)
       
       ## 13.10 Uhr: Weidel gibt sich gönnerhaft, Chrupalla ostdeutsch
       
       Die Vorstandswahlen beginnen mit etwas Theater: Alice Weidel wird als erste
       Sprecherin vorgeschlagen. Sie reagiert mit den Worten: „Ich stehe nicht zur
       Verfügung und schlage stattdessen Tino Chrupalla als ersten Bundessprecher
       vor.“ Sie tritt ihrem Konkurrenten gegenüber gerne mal gönnerhaft auf. 
       
       In seiner Bewerbungsrede präsentiert sich Chrupalla als Ostdeutscher. „Ich
       gebe dem Osten eine starke Stimme in der Partei.“ Und er sagt: „Der
       Westdeutsche ist ein Deutscher, wie der Ostdeutsche.“ Das ist eine Spitze
       gegen Höcke, der gesagt hatte, Westdeutsche seien „deutsch sprechende
       Amerikaner“. (sam)
       
       ## 12.50 Uhr: AfD wählt Vorstand
       
       In der Messehalle beginnen jetzt die Vorstandswahlen. Erster Schritt: Der
       Parteitag verständigt sich, wieder eine Doppelspitze zu wählen, eine
       Formalie. Dass Weidel und Chrupalla zusammen weiter machen ist bereits
       klar, auch wenn sie sich misstrauisch beäugen. Das könnte sich langfristig
       ändern – vor der nächsten Landtagswahl in Sachsen. Das Weidel-Lager hofft,
       dass Chrupalla dort als Spitzenkandidat antritt und dann der Weg frei ist
       für Weidel als Einserspitze. (sam)
       
       ## 12.45 Uhr: Gemäßigter Kandidat gegen Ausländer
       
       Vor der Bundesvorstandswahl will die extrem rechte Partei noch zwei
       Resolutionen beschließen. Der trotz allem als „gemäßigt“ geltende Leif-Erik
       Holm, Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, hält ein Plädoyer gegen
       auswandernde Deutsche und gegen einwandernde Ausländer: „Wir sind kein
       klassisches Einwanderungsland und wollen es auch nicht werden“, so Holm.
       
       Es spräche nichts gegen „gesteuerte Einwanderung von Fachkräften“, „aber
       wir wollen unsere Identität hier behalten“ – soviel
       verschwörungsideolgisches Geraune vom Großen Austausch muss dann schon
       sein. Wie er das machen will, bleibt eher unkonkret. Jedenfalls sei es
       blöd, wenn gut ausgebildete Deutsche das Land verließen. Klingt ein
       bisschen nach Abschaffung der Reisefreiheit – war da nicht mal was? Wie dem
       auch sei: Die Resolution wird ohne Gegenrede angenommen. (gjo)
       
       ## 12.40 Uhr: CDU-Bürgermeister beim Protest
       
       In der Innenstadt von Erfurt erinnern nur der Helikopter und ein paar
       Menschen mit Demo-Schildern erinnern an die Proteste. Oberbürgermeister
       Andreas Horn (CDU) sagt, er freue sich, dass die Proteste – trotz Blockaden
       – größtenteils friedlich waren. „Bis jetzt läuft alles ruhig, dafür bin ich
       wirklich dankbar.“ An Demonstrationen teilnehmen, das sei gelebte
       Demokratie. „Gewalt und Sachbeschädigung sind es nicht.“ Erfurt zeige, dass
       es tolerant sei. Warum Konservative bei den Protesten so wenig vertreten
       sind? Horn widerspricht. Er sei gerade auf dem Anger bei einem ökumenischen
       Gottesdienst gewesen, da seien auch Konservative, betont der CDU-Mann.
       (dmn)
       
       ## 12.15 Uhr: Wurst essen und Juden beschimpfen
       
       AfD-Delegierte stehen mit Bratwürsten im Raucherbereich und tauschen sich
       etwa über Thor-Steinar-Kleidung aus, eine Neonazi-Szenemarke. Andere
       belustigen sich über „die Antifa“. Im Außenbereich steht auch der ehemalige
       Funktionär von Generation Deutschland, Tim Schulz, der in der Vergangenheit
       durch Neonazi-Musik und militanten Kontakte auffiel. Auch beim
       Nazi-Aufmarsch ind Budapest war er [4][laut einer Recherche der Münchener
       Abendzeitung] dabei, als eine Gruppe junger Männer orthodoxe Juden
       beschimpften und hebräische Aufkleber abrissen. Kurz darauf trat Schulz von
       seinem Amt als Stellvertreter des bayerischen Landesverbands der Generation
       Deutschland zurück. (nk)
       
       ## 12.05 Uhr: Höcke dreht die Bullshit-Tombola
       
       Der Thüringer Landeschef und Kopf der völkischen Strömung, Björn Höcke,
       breitet seine Arme aus und ist sichtlich gut gelaunt: Er genießt den
       Applaus beim Heimspiel. Die gute Laune dürfte auch daher rühren, dass der
       von ihm unterstützte Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu streichen,
       dankend von Alice Weidel und damit in den Bundesvorstand aufgenommen wurde.
       
       Dann folgt der übliche Höcke-Sermon: Er hetzt gegen angeblich
       „steuerfinanzierte“ Gegendemos, will der Zivilgesellschaft den „Stecker
       ziehen“, meint, dass man die „Nation therapieren“ müsse und Deutschland
       „wieder mit sicher selbst befreunden will“. Extrem rechte Allgemeinplätze
       von „internationalen NGOs“ und „fremdbestimmten Politikern“ dürfen hier
       nicht fehlen. Alice Weidel ruft nach der Tirade in den Saal: „Wir sind
       nicht rechtsextrem“. Schlimmer Verdacht: Hat Sie Höcke nicht zugehört? Dann
       wird es vollends skurril: „Schaut auf die Autobahntoiletten eines Landes
       und ihr erkennt den Zustand des Landes!“ empfiehlt Höcke. (gjo)
       
       ## 12.03 Uhr Gericht beschließt Demo-Verbotszone
       
       Das Demoverbot auf den Zufahrtsstraßen ist vollziehbar, das hat das
       Oberverwaltungsgericht soeben entschieden. Es hat auf die Beschwerde des
       Landes hin um 12.03 Uhr den Beschluss des Verwaltungsgerichts Weimar
       aufgehoben.
       
       Aufgrund der versammlungsschützenden Entscheidung der ersten Instanz hätte
       die Demo-Verbotszone bis 12.30 nicht umgesetzt werden dürfen, erklärt die
       Pressesprecherin des anwaltlichen Notdiensts, Anna-Maria Müller, gegenüber
       der taz. „Die Räumung von Sitzversammlungen unter Berufung auf das
       Demoverbot war rechtswidrig.“ (lol)
       
       ## 11.56 Uhr: Weidel in Merkel-Rage
       
       Messe Erfurt: Weidel stellt den Tätigkeitsbericht des AfD-Vorstands vor,
       spricht über Mitglieder- und Umfragenzuwächse. Auch das Projekt „Zerstörung
       der CDU“ läuft sichtlich: Weidel prügelt verbal auf Merkel ein, die vor
       Jahren mal bei einer Wahlparty eine Deutschlandfahne von der Bühne
       entfernen ließ. Ein Video davon wird eingeblendet, das Merkels Gesicht
       währenddessen in Dauerschleife zeigt: „Was ist das für eine Partei, die
       unsere Nationalfarbe verbietet?!“, ruft Weidel wütend, hinter ihr acht
       überdimensiale Deutschlandfahnen. Applaus brandet auf, auch im Saal ist
       Nationalismus Konsens: Merkel zieht immer als Feindbild, die Delegierten
       schwenken eifrig Fahnen. (gjo)
       
       ## 11.54 Uhr: Nazi-Streamer auf Zubringerdemo
       
       Ein Neonazi in der Gegendemo: Sebastian Schmidtke, extrem rechter Youtuber
       und langjähriger NPD-Kader streamt mitten aus der antifaschistischen Demo
       heraus. Eine Gruppe Antifas drängt den Neonazi mit Regenschirmen ab und
       verbannt ihn damit an den Rand der Aufzugsfläche. (dol)
       
       ## 11.45 Uhr: Megastar Marcant bei der Gegendemo
       
       Gothaer Straße, kurz vor der zentralen Kundgebung: Inmitten des Trubels
       steht plötzlich ein Megastar. Marcant, auf Social Media bekannt für seine
       gekonnt bloßstellenden Interviews mit Rechten. Sofort bildet sich eine
       Traube um den großgewachsene Mann: „Kann ich bitte ein Selfie haben?“ fragt
       jemand. Als Marcant ja sagt, bildet sich sofort eine Schlange. Da zieht der
       Promi samt Kameramann zurück. „Man merkt richtig krass, wie ihn sein Fame
       total überfordert“, überinterpretiert ein Fan internet-typisch die
       Situation. Trotzdem grinst er über beide Backen, auch die Umstehenden sind
       völlig „star struck“. Das wird für sie das Highlight des Tages. (tk)
       
       ## 11.40 Uhr: Gelber und grüner Finger vereinen sich
       
       Auf der Autobahn A71 Höhe Parkplatz Erfurter Becken Ost treffen der grüne
       und der gelbe Finger zusammen: Hunderte Menschen sind auf der Autobahn, in
       Sprechchören begrüßen sie sich gegenseitig. Die Aktivist:innen machen
       sich auf den Weg zur großen DGB-Demo in der Innenstadt. Die Strecke ist
       weit. (tlm/jw)
       
       ## 11.15 Uhr: Polizei hält Wort
       
       An der Cyriakstraße hat sich die Lage beruhigt, aber einige Meter weiter
       sind circa 50 Protestierende in einem Kessel gelandet, der von Thüringer
       Einsatzkräften eng umrundet wird. Der Einsatzführer sagt durch: „Wir kennen
       uns jetzt ja schon, Sie wissen, dass wir es ernst meinen.“ Er fordert die
       Aktivist:innen auf, ihre Schlauchschals und Mützen abzunehmen, und sich
       von allen Seiten abfilmen zu lassen. „Ansonsten bringe ich die Kräfte ran
       und mache es selber“, droht er. Zehn Minuten Zeit wird den
       Aktivist:innen zur Beratung gelassen. „Ich weiß, ihr müsst immer so
       plenieren“, sagt der Polizist.
       
       Der Druck wirkt. „Ablegen!“, ruft jemand im Kessel. Dann wird alles
       abgelegt, was nach Vermummung aussehen könnte. Die Protestierenden schauen
       nach unten, die Polizei filmt. „Schulter an Schulter, gegen den
       Faschismus“, skandieren sie. Und: „BRD, Bullenstaat, wir haben dich zum
       Kotzen satt“. Immerhin, die Polizei hält Wort: Nach ein paar Minuten wird
       der Kessel aufgelöst, die „rote Jugend“ darf zurück zur Kundgebung am
       Gothaer Platz. (tk)
       
       ## 11.12 Demo in der Erfurter Innenstadt
       
       Auf dem Weg Richtung Messe bekommen die Demonstrierenden Zuspruch von
       Anwohner:innen: Es hängen Pride-Flaggen an Balkonen, eine Familie streckt
       eine FCK-AfD-Fahne aus ihrem Fenster. Ein paar Meter weiter hält ein Kind
       am Straßenrand ein Bild eines selbstgemalten Pikachu in die Höhe, darunter
       steht: „Pokemon gegen Rechts“. Der kleine Mann erntet Begeisterung:
       Lautstark beginnt die Demo zu singen: „Pokemon gegen Rechts, Pokemon gegen
       Rechts“. (dol)
       
       ## 10.53 Uhr: Polizei räumt Blockade auf der Autobahn
       
       Auf der A71 räumt die Polizei eine der beiden Spuren, um Polizeifahrzeuge
       durchfahren zu lassen. Die zweite Spur bleibt blockiert. (tlm)
       
       10.50 Uhr: Streit um AfD-Unvereinbarkeitsliste
       
       Der Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu überarbeiten, sprich: extrem
       einzuschränken, wird zurückgezogen. Unter anderem Höcke hatte ihn
       unterstützt. Zuvor hatte sich Weidel für den neuen Bundesvorstand
       verpflichtet, die Liste innerhalb eines Jahres zu überarbeiten. Die
       Unvereinbarkeitsliste, die zur Satzung der AfD gehört, zählt Parteien und
       Organisationen auf, für die gilt: Wer hier Mitglied ist, kann nicht
       Mitglied der AfD sein. Darauf stehen unter anderem die Identitäre Bewegung,
       die NPD, die Heimattreue Deutsche Jugend. Höcke und Co. ist diese Liste
       schon lange ein Dorn im Auge. (sam)
       
       10.32 Uhr: AfD scherzt über NSDAP
       
       Stephan Brandner scherzt über das „historische Datum“. Nicht nur diverse
       Medien hatten die Frage in den Raum gestellt, ob es wirklich Zufall ist,
       dass sich in Erfurt auf den Tag genau vor exakt 100 Jahren Hitlers NSDAP
       zum Parteitag traf. Für Brandner ist das eine Witzvorlage: „Schönen guten
       morgen am 4. Juli, ein historischer Tag, vor 161 Jahren erschien Alice im
       Wunderland, wenn das kein gutes Motto für uns heute ist.“ Gelächter im
       Saal. (gjo)
       
       10.30 Uhr: Blutende Aktivist*in
       
       Die grüne Blockade wird geräumt. Radio F.R.E.I. berichtet, ein blutender
       Aktivist werde abtransportiert. Er sei von den Beamt*innen gegen den
       Kopf getreten worden. Eine Fahrbahn sei bereits geräumt worden. Jetzt sei
       die zweite Richtung Norden dran. Die Aktivist*innen widersetzen sich
       den Aufforderungen zur Räumung mit Rufen und bleiben sitzen. (adsc)
       
       ## 10.27 Uhr: „Keine Erfordernis, zu räumen“
       
       „Da der Parteitag nun begonnen hat, ist es nicht nötig, die Blockaden
       aufzulösen, oder?“ Das hat die taz die Polizei gefragt. „Es gibt aktuell
       keine Erfordernis zu räumen“, sagt eine Sprecherin der Polizei. Man wolle
       die Situation „kommunikativ klären“, erklärt sie. Zum Einsatz von
       Schlagstöcken und Pfefferspray am Gothaer Platz lagen ihr zunächst keine
       Erkenntnisse vor. (lol)
       
       ## 10.10 Uhr: Räumung droht jeden Moment
       
       Aus der Kundgebung am Gothaer Platz lösen sich plötzlich mehrere hundert
       Demonstrierende und rennen in die Cyriakstraße. Hektische Polizisten
       hinterher. Die Aktivist:innen nehmen Platz, kurz darauf treten
       Polizist:innen direkt auf die Blockade zu und entreißen das
       Frontbanner. Von hinten haben Polizist:innen die Blockade umstellt.
       Eine Räumung scheint unmittelbar bevorzustehen. (tk)
       
       10.05 Uhr: Parteitag beginnt pünktlich
       
       Ganz pünktlich startet der AfD-Parteitag. Als Parteichef Tino Chrupalla
       Ulrich Siegmund begrüßt, brandet in der Halle Jubel auf. Ein Funktionär
       stellt freudig fest, dass es der erste Parteitag seit Langem ist, der
       pünktlich beginnt. Dann kommt ein breitbeiniger Werbefilm mit Clips aus dem
       Wahlkampf von Sachsen-Anhalt, der Film endet mit einem auf die Brandmauer
       bezogenen Reagan-Zitat: „Tear down this wall“. Chrupalla lobt die
       „Frühaufsteher“ und bedankt sich dann unter Applaus bei der Polizei.
       (sam/gjw)
       
       ## 9.55 Uhr: Blockaden waren „Erfolg“
       
       Eine Aktivistin aus dem bunten Finger nennt die Blockaden von Widersetzen
       einen Erfolg. Frustriert, dass es nicht gelungen sei, den Parteitag zu
       verhindern, sei die 24-Jährige nicht. „Die AfD hat sich schon vor den
       Blockaden im Messegelände verschanzt, weil sie wusste, dass wir kommen“,
       ist sie überzeugt. „Nächstes Mal kommen wir eben noch früher.“ (jw)
       
       ## 9.45 Uhr: AfDler hat im Auto geschlafen
       
       Stephan Protschka, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Bayern, sagt, er sei um
       vier Uhr mit dem Auto angereist und habe dann vor der Halle noch drei
       Stunden im Auto geschlafen. Den „linken Zecken“ wolle er ja keinen Erfolg
       gönnen. In rechtsextremen Medien wird derweil gehetzt, dass Linke nicht
       früh genug aufgestanden seien. (sam/lol)
       
       ## 9.35 Uhr: Pfefferspray und Feuerwerk
       
       Am Gothaer Platz liegen Demonstrierende mit roten Schlauchschals und noch
       röteren Augen auf der Straße und träufeln sich Kontaktlinsenflüssigkeit ins
       Gesicht. Gerade ist die Polizei hier unter massiven Einsatz von
       Pfefferspray in die Menge gestürmt. Augenzeug*innen zufolge waren
       angeblich zwei AfDler aufgetaucht und daraufhin von Antifas verfolgt
       worden. Vereinzelt sollen Flaschen geflogen sein.
       
       Die Polizei geht dazwischen und setzte auch Schlagstöcke ein. Daraufhin
       zünden Protestierende Feuerwerk, es kommt zu Gerangel. Immer wieder kommt
       es auf der ansonsten eher ruhigen Großblockade am Gothaer Platz zu
       Auseinandersetzungen, weil AfDler teilweise ohne Polizeibegleitung
       versuchen, durch die Menge zu kommen. (tk)
       
       ## 9.30 Uhr: 20.000 Demonstriende
       
       An den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt beteiligen sich
       nach Angaben der Polizei bisher rund 20.000 Menschen. Zu Räumungen sei es
       bisher nicht gekommen. Einzelne Demonstranten, die das Weiterkommen eines
       anderen Demonstrationszuges behinderten, wurden von Polizisten weggezogen
       oder weggetragen. Das Bündnis Widersetzen schätzt, dass allein an den
       Blockaden mehr als 17.000 Personen teilmehmen.
       
       Vorab war man von bis zu 50.000 Gegendemonstranten ausgegangen. Beim
       AfD-Bundesparteitag Anfang 2025 in Riesa protestierten nach
       unterschiedlichen Angaben zwischen 10.000 und 15.000 Menschen. (dpa/lol)
       
       ## 9.25 Uhr: Anwältin klärt auf: Es gibt keine Demo-Verbotszone
       
       Entgegen der Darstellung der Polizei gibt es bisher kein Demo-Verbot.
       „Aufgrund der Fehlinformation der Polizei und der Übernahme dieser Info
       durch einzelne Medien sowie der fehlenden Richtigstellung durch die Stadt
       Erfurt sind zahlreiche Versammlungen rechtswidrig geräumt und hunderte
       Demonstrierende rechtswidrig verletzt worden“, kritisiert Anna-Maria
       Müller. Die Rechtsanwältin ist Pressesprecherin des anwaltlichen Notdiensts
       vor Ort.
       
       Das Land Thüringen hatte ein generelles Demo-Verbot für eine bestimmte Zone
       verhängt. Gegen dieses Verbot hat ein Kommunalpolitiker erfolgreich
       geklagt. Gegen den versammlungsschützenden Beschluss des Gerichts hat das
       Land zwar wiederum Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, das
       Gericht hat darüber aber noch nicht entschieden. So lange gilt das
       erstinstanzliche Urteil, das das Verwaltungsgericht am Freitag Abend
       gefällt hat: Es gibt keine generelle Demo-Verbotszone – jedenfalls noch
       nicht. (lol)
       
       ## 9.20 Uhr: AfD von Polizei eskortiert
       
       In der Halle sieht es so aus, als wären die Blockaden von Widersetzen ins
       Leere gelaufen. Viele Delegierte sind bereits seit Längerem da. Grund dafür
       ist offenbar das Polizeikonzept. Es heißt, dass es um 4.30 Uhr vier
       Treffpunkte außerhalb gegeben hätte und die Delegierten dann mit Bussen und
       Polizeieskorte aufs Gelände gebracht worden seien. (gjo)
       
       Im Empfangsbereich gibt es Stände des extrem rechten Vorfelds, etwa von der
       Jungen Freiheit und der extrem rechten „Gewerkschaft“ Zentrum. Am Stand von
       Thannwaldmedia tummeln sich Burschenschafter wie Daniel Halemba. Auch der
       rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek vom Antaios-Verlag schwirrt hier
       herum. (enk)
       
       ## 9.17 Uhr: Insgesamt 12 Blockaden
       
       Aktuell komme es zu 12 Blockaden und weiteren Kleingruppen die auch Wege
       dicht machen, heißt es von Widersetzen. Die Finger gold, pink, lila, grün
       und orange haben ihr Ziel erreicht. (lol)
       
       ## 9.11 Uhr: Laster quer gestellt
       
       Es ist die, gemessen an der Teilnehmerzahl, kleinste Autobahn-Blockade –
       aber womöglich die effektivste. Drei Aktivisti haben auf der A71 Nordost
       einen Laster quer auf die Fahrbahn gestellt. Stadteinwärts ist kein
       Durchkommen. Mutige Nummer. Warum nur zu dritt? „Weil wir mehr nicht
       brauchen!“, sagt ein*e Aktivisti der taz. (dol)
       
       ## 9.05 Uhr: Bereits viele Delegierte eingetroffen
       
       Es sind schon viele Delegierte da. Es heißt, man könne pünktlich loslegen.
       Die Plätze für Presse sind – wie immer bei den Rechtsextremen – knapp.
       (sam)
       
       ## 8.45 Uhr: „Hoppelnde Hasen“
       
       Bei Gottschedt auf dem Feld setze die Polizei Schlagstöcke ein, berichtet
       Radio F.R.E.I.. „Es wurde geboxt und gepfeffert“, hieß es dort. Die
       Einsatzkräfte versuchten, die Versammlung aufzulösen. Über die Lautsprecher
       weist ein Polizist darauf hin, dass diese Blockade auf dem Feld nichts
       bringe. „Nur hoppelnde Hasen interessieren sich hier für euch.“ (adsc)
       
       ## 8.35 Uhr: Schutzzone für Presse
       
       Von der Absperrung an der Gothaer Straße leitet der „Medienschutz“ der
       Polizei akkreditierte Journalist*innen. Alleine bewegen darf man sich
       nicht. In Thüringen gibt es das zum ersten Mal, sagt ein Pressesprecher der
       taz.
       
       Um die Messehalle hat die Polizei eine „Schutzone“ eingerichtet – und lässt
       teilweise nur Journalist:innen durch, die eine Akkreditierung der AfD
       haben. Das heißt: Die AfD bestimmt, wer auch nur in die Nähe der Halle
       darf, die Polizei setzt es um. Dabei gilt die Akkreditierung eigentlich für
       den Parteitag selbst.
       
       „Journalist:innen müssen sich frei bewegen können, um der Berichterstattung
       nachkommen zu können“, sagt Lucas Munzke von der Journalist:
       innen-Gewerkschaft dju in verdi der taz dazu. „Von Journalist:innen
       geht keine Gefährdung aus“, erklärt der Gewerkschafter. Er wolle Kontakt
       mit der Polizei aufnehmen und versuchen, das zu lösen, sagt Munzke.
       (sam/dol)
       
       8.10 Uhr: AfD-Autos wissen nicht weiter
       
       Bei der Aktionsgruppe Glitzer fahren die AfD Autos vor und zurück, weil sie
       einfach nicht wissen wie weiter, wie Widersetzen mitteilt. „Gerne auch an
       der Wartburgstraße supporten“, bittet das Bündnis in einer Mitteilung. Die
       Aktionsgruppe Grün blockiere die südliche A71, die Aktionsgruppe Silber und
       Neon haben sich zusammengeschlossen und machen die K14/Bindersleben dicht,
       heißt es. Auch die Zwischenkundgebung der Frienstedter Dörfer Demo stehe.
       Noah vom Bündnis Widersetzen sagt [5][im Interview mit dem Radio Frei]:
       „Die zentralen Zufahrtswege sind seit Stunden blockiert. Das ist ein
       Riesenerfolg.“ (lol)
       
       8.09 Uhr: Prominente Wissenschaftler:innen bei Blockade
       
       Die Zubringerdemo erreicht unter großem Applaus den Gothaer Platz, von wo
       aus die einzige Straße aus der Innenstadt heraus zum Messegelände und dem
       AfD-Parteitag führt. Teile der Demo setzen sich. Darunter auch ein Block
       prominenter deutscher Professor:innen und Akademiker:innen, der aus der
       Aktionswoche Wissenschaft gegen Faschismus hervorgegangen ist.
       
       [6][Mehr als 450 Akademiker:innen] hatten sich vorab solidarisch mit
       den Protesten erklärt. Die Philosophin Rahel Jaeggi ist hier, ebenso der
       Jurist Max Steinbeis, der den „[7][Verfassungsblog]“ betreibt. Warum er
       zivilen Ungehorsam gegen den AfD-Parteitag für legitim hält, erklärt er der
       taz [8][hier im Interview]. (tk)
       
       8.07 Uhr: „Putsch der Polizei gegen die Justiz“
       
       Die Polizei behauptet, das Demonstrationsverbot auf einigen Zufahrtsstraßen
       im Umfeld des AfD-Bundesparteitags in Erfurt gelte weiter, so [9][berichtet
       es etwa die Thüringer Allgemeine]. Die Stadt Erfurt habe demnach Beschwerde
       gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar eingelegt.
       
       Das Oberverwaltungsgericht (OVG) habe sich bisher aber nur mit einer
       konkreten Demonstration bei einer Autobahnbrücke beschäftigt, eine
       Entscheidung des OVG zur Allgemeinverfügung über eine Demo-Verbotszone gibt
       es noch nicht, sagt der Anwalt des Klägers, Nils Spörkel, auf Nachfrage der
       taz. Gegen diese hat das Land Thüringen Beschwerde eingelegt. „Aber so
       lange das Gericht darüber nicht entschieden hat, gilt die Entscheidung der
       ersten Instanz. Wenn die Polizei den Beschluss nur aufgrund einer
       eingelegten Beschwerde missachtet, ist das ein Putsch gegen die Justiz.“
       
       Das Verwaltungsgericht in Weimar hatte auf Antrag eines Kommunalpolitikers
       der Grünen die Allgemeinverfügung, nach der bestimmte Straßen für
       Demonstrationen und Proteste gesperrt sind, kassiert. Dabei geht es nach
       Angaben des Oberverwaltungsgerichts allerdings nur um einen
       Straßenabschnitt vom Erfurter Ortsteil Frienstedt in Richtung Flughafen.
       Wann das Gericht in zweiter Instanz entscheidet, blieb zunächst offen.
       (ak/lol)
       
       ## 7.46 Uhr: Polizei kündigt Räumung an
       
       Vor Bindersleben kündigt die Polizei die Räumung an. Drei Polizeihunde und
       eine Hundertschaft stehen bereit, die Straße ist komplett dicht mit
       Aktivisti. Die Polizist*innen räumen einen Korridor für die circa 30
       Einsatzfahrzeuge. „Wo, wo, wo wart ihr in Hanau?“ rufen die Aktivist*innen.
       Nachdem die Polizei durchgefahren ist, wird die Straße sofort wieder
       blockiert. (ak)
       
       ## 7.36 Uhr: Mehrere tausend Demonstrierende
       
       Die Autobahn 71 bei Erfurt blockieren insgesamt mehrere tausend
       Demonstrierende, wie auch die Polizei bestätigt. Der Autobahnabschnitt
       liege in der Nähe des Erfurter Kreuzes, wo sich zwei Autobahnen treffen.
       Während es durch die Blockade Einschränkungen auf der A71 (Halle-Suhl) bei
       Erfurt gebe, sei die A4 (Frankfurt/Main-Dresden) nicht betroffen, sagte
       eine Polizeisprecherin.
       
       Auf Feldwegen rings um den Tagungsort der AfD sind große Menschenzüge
       unterwegs. An verschiedenen Orten in der Innenstadt laufen erste
       Kundgebungen, es wird dabei auch gesungen. Am Hauptbahnhof wurde eine große
       Regenbogenflagge ausgerollt. (dpa/lol)
       
       7.30 Uhr: 540 von 600 AfDlern eingetroffen
       
       Es sind bereits 540 von circa 600 Delegierten der AfD angekommen, wie
       verschiedene Medien berichten. Die Hälfte war die Voraussetzung zum
       Starten. Der Parteitag kann nach aktuellem Stand pünktlich um 10 Uhr
       beginnen. (gjo)
       
       ## 7.25 Uhr: Abseil-Aktion
       
       Einige hundert Meter vor der Blockade des gelben Fingers haben sich zwei
       Personen von einer Brücke abgeseilt. Das gefällt der Polizei nicht, sie
       holt eine Leiter. (lol)
       
       7.19 Uhr: Polizei hält Presse auf
       
       Um die Messehalle ist alles ruhig. Die Polizei hat die Zufahrtsstraßen
       Eisenacher und Gothaer Straße abgesperrt. Dorthin kommt nur, wer über eine
       Akkreditierung für den Parteitag der AfD verfügt. Journalist:innen
       müssen an Absperrungen immer wieder diskutieren, um ihrer Arbeit nachgehen
       zu können. (enk)
       
       ## 7.11 Uhr: Demonstrierende bilden Rettungsgasse
       
       Die Straßen werden für Rechtsextreme blockiert. Aber wenn's drauf ankommt,
       bilden die Aktivisti sofort eine Rettungsgasse wie hier an der nördlichen
       A71. (dol)
       
       ## 7.06 Uhr: A71, Bindersleben
       
       Die Autobahn ist leer. Auf der Brücke wartet ein Wasserwerfer und dahinter
       ein Räumfahrzeug. (dmn)
       
       7.03 Uhr: Insgesamt stehen 7 Blockaden
       
       Drei Blockaden haben die Autobahn blockiert, eine weitere die B7. Einen
       aktuellen Überblick über die Blockaden gibt Widersetzen [10][auf dieser
       interaktiven Karte]. Das Bündnis teilt zudem mit: „Auch im Süden machen wir
       die Zufahrtwege dicht.“ Dort stehe „eine stabile Blockade“ von der lila
       Aktiongruppe und viele lustige Clowns! (lol)
       
       ## 7.00 Uhr: Tausende demonstrieren in Erfurter Innenstadt
       
       Die Zubringerdemo zur Messehalle hat sich mit einigen Tausend
       Teilnehmer:innen in Bewegung gesetzt. Vorneweg läuft ein Block
       Erfurter:innen, die lauthals „Ganz Erfurt liebt Demokratie“ skandieren –
       was weiter hinten in „Hasst die AfD“ abgewandelt wird. „Ich finde es total
       wichtig, für Demokratie und Menschenrechte einstehen“, sagt ein Mann in
       DGB-Weste in der ersten Reihe. Er sei froh, dass so viele Menschen gekommen
       seien.
       
       Einige in der Stadt haben in den Wochen vor den Protesten die mediale
       Berichterstattung irritiert, die sich stark auf die wenigen Zugereisten mit
       Gewaltbereitschaft fokussiert habe – statt auf den Widerstand der
       Stadtgesellschaft. Tatsächlich versammelt sich auf der Demo die breite
       zivilgesellschaftliche Linke – von der Eisenbahngewerkschaft EVG über
       Amnesty International bis zu den Studis gegen Rechts.
       
       Auch die Omas gegen rechts sind dabei. „Ich habe große Angst vor einem
       AfD-Wahlsieg“, sagt eine von ihnen. So etwas wie die AfD habe es schon
       einmal „vor 100 Jahren gegeben“. „Und ich denke mir, hätte man damals was
       gegen die NSDAP gemacht, wäre das sehr gut gewesen.“ Sie haben Verständnis,
       dass die Polizei den Parteitag schützen muss, aber mindestens ebenso
       wichtig sei es eben, Widerspruch zu zeigen. Denn mit den im September
       anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt drohe viel: „Die werden in die Schulen
       greifen, Menschen mit Migrationshintergrund werden sich nicht sicher
       fühlen, Frauenrechte werden eingeschränkt. Die bereiten sich vor!“, ist sie
       sich sicher. (tk)
       
       ## 6.50 Uhr: Rosa und silber sind auf dem Weg
       
       Der rosa und silberne Finger bewegen sich über ein Feld weiter in Richtung
       Erfurt, wie ein Video von Perspektive Online zeigt. (lol)
       
       ## 6.38 Uhr: Polizei drängt bunten Finger zurück
       
       Bei Gottstedt versuchen Aktivist:innen des bunten Fingers laut der
       unabhängigen Zeitung Perspektive Online über das Feld an der Polizei
       vorbeizukommen, aber ein großer Teil wird zurückgeschlagen. (lol)
       
       ## 6.33 Uhr: Drei Blockaden auf der A71
       
       Auf der Autobahn A71 befinden sich inzwischen drei Aktionsgruppen. „Damit
       sind die nördlichen und südlichen Hauptzufahrtswege dicht!“, teilt
       Widersetzen mit. (lol)
       
       ## 6.29 Uhr: AfDler angekommen
       
       Sebastian Mack und andere AfDler sind dank eines Polizeikonvois angekommen,
       wie er in einem Video auf Twitter sagt, in dem er vor der Messehalle steht.
       „Uns hält niemand auf.“ (lol)
       
       ## 6.26 Uhr: Autofahrer versus Aktivisti
       
       Etwa 300 Leute sitzen auf der Gottstedter Straße, die Richtung Erfurt
       führt. Mehrere Autofahrer:innen reden auf die Aktivist:innen ein,
       sie wollen vorbei. „So viel Scheiße auf einem Haufen“, schimpft ein Mann in
       kurzer Hose. Polizei ist keine zu sehen. Die Aktivist:innen singen:
       „Wehrt euch, leister Widerstand, gegen den Faschismus hier im Land.“ Dann
       lassen sie eine Pflegerin, einen LKW und einen leeren Bus durch. (dmn)
       
       ## 6.13 Uhr: Gerangel mit der Polizei
       
       Der grüne Finger versucht an der Polizei vorbeizukommen. Es gibt Gerangel.
       (lol)
       
       ## 6.00 Uhr: Erfurt Hauptbahnhof
       
       Die Demo beginnt. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich
       freue, euch alle hier zu sehen“, eröffnet die erste Rednerin von der
       Gewerkschaftsjugend die Zubringerdemo am Hauptbahnhof. Seit November, als
       die Parteitagspläne der AfD in Erfurt bekannt wurden, bereite man sich vor.
       Thüringen sei das Bundesland, in dem 1930 die erste Regierungskoalition mit
       der NSDAP gebildet wurde, Thüringen sei das Land vom KZ Buchenwald. „Wir
       stellen uns deshalb der Verantwortung, dem Faschismus entgegenzusetzen“,
       ruft die Rednerin unter großen Applaus. Der Platz ist rappelvoll, etwa
       1.000 Menschen sind hier. „Auch die CDU“, sagt sie Rednerin, sei zum
       Mitmachen aufgerufen – eine sichtbare Präsenz bilden die Konservativen auf
       der Kundgebung nicht. Hier wird noch auf den Lautsprecherwagen gewartet –
       dann soll es losgehen. (tk)
       
       ## 5.51 Uhr: Sonnenaufgang und Sprechchöre
       
       Der pinke Finger nimmt auf der A71 Platz. „Wir bleib'n jetzt hier, macht's
       euch bequem“, ruft jemand durchs Megaphon. Schätzungsweise 700 Aktivistin
       setzen sich. Die Polizei rückt umgehend mit einem Dutzend Einsatzwagen an,
       ein paar Beamte steigen aus, postieren sich vor und hinter den sitzenden
       Aktivisti. Die Autobahn ist in beiden Fahrtrichtungen blockiert.
       
       Zuvor: Sonnenaufgang und Sprechchöre: „Auf geht's, ab geht's widersetzen!“,
       es werden rosa Pyros entzündet. (dol)
       
       ## 5.21 Uhr: Der bunte Finger kommt an
       
       Die Busse aus dem Norden sind an ihrem Ziel angekommen. Der „bunte Finger“
       formiert sich. (jw)
       
       ## 5.00 Uhr: 100 Antifas am goldenen Finger
       
       Rund 1000 Antifas aus dem goldenen Finger haben eine der Zufahrtsstraßen
       blockiert. Die Polizei scheint überrascht und muss sich erst koordinieren.
       Erfolglos haben einige versucht, die Altivist:innen davon abzuhalten,
       auf die Straße zu gehen. Die Aktivist:innen skandieren „siamo tutti
       antifascisti“. Durch ein Megafon ruft ein Aktivist: „Die AfD hat unseren
       Widerstand verdient“. (nk)
       
       4.30 Uhr: Die Proteste beginnen
       
       Insgesamt 230 Busse aus dem gesamten Bundesgebiet sind laut dem Bündnis
       Widersetzen über Nacht nach Erfurt gefahren, um den Parteitag der AfD zu
       blockieren (dol/lol).
       
       Am Vortag: Schwerer Schlag für Polizei
       
       Es ist ein schwerer Schlag für die Polizei: Die Allgemeinverfügung gelten
       nicht mehr. Am Freitagabend hat das Verwaltungsgericht Weimar die für das
       Wochenende erlassenen Versammlungsverbot auf bestimmten Anreisewegen zur
       Messe Erfurt gekippt. Eine entsprechende Allgemeinverfügung des
       Landesverwaltungsamts wurde auf Antrag eines namentlich ungenannten
       Kommunalpolitikers kassiert, wie das [11][Verwaltungsgericht Weimar am
       Abend mitteilte].
       
       Rechtsanwalt Nils Spörkel sagt dazu: „Es freut mich sehr, dass das
       Verwaltungsgericht deutlich gemacht hat, dass das Grundrecht auf
       Versammlungsfreiheit auch in Erfurt und auch in einer Großlage Gültigkeit
       hat.“ (tk/lol)
       
       ## Polizeikolonne und Massenströme
       
       Schon am Freitag war die Polizei bereits sehr präsent in Erfurt. Endlose
       Polizeikolonnen ziehen fast schon im Minutentakt durch die Altstadt, durch
       die am Freitagabend auch Massen strömen, um Roland Kaiser live am Dom zu
       hören. Der Bereich der Messe, wo die AfD ab 8 Uhr ihren Parteitag abhalten
       will, gleicht einer Sperrzone.
       
       Selbst Journalist:innen lässt die Polizei hier nur widerwillig durch:
       Einige Beamt:innen bestehen auf Akkreditierungen für den Parteitag, die
       für die Berichterstattung über die Proteste aber gar nicht nötig sind. Seit
       Freitag sind alle entscheidenden Zufahrtsstraßen gesperrt, auf insgesamt 48
       Straßenkilometern wurde eine Demoverbotszone erlassen. Mehrere Tausend
       Polizist:innen sind im Einsatz – mit Pferden, Wasserwerfern und
       Räumpanzern.
       
       Viele rechnen damit, dass die AfD-Delegierten über die Autobahn und die
       Eisenacher Straße bei Schmirna anreisen werden. Hier wartet auch die
       Polizei, die alles weiträumig abgegittert hat. Mögliche Anreiserouten der
       AfDler führen auch durch die Erfurter Innenstadt. (tk)
       
       100 Jahre nach der NSDAP
       
       100 Jahre nach der NSDAP hält die AfD dieses Wochenende einen Parteitag in
       Thüringen ab. Die taz berichtet ab Samstag früh um 6 Uhr hier im Liveticker
       aus der Messehalle in Erfurt, ebenso wie von den antifaschistischen
       Protesten in der gesamten Stadt.
       
       Das Bündnis Widersetzen will die „faschistische Zusammenrottung mit Björn
       Höcke an der Spitze“ verhindern. Denn: „Wer heute keinen Widerstand
       leistet, erwacht morgen in einer Diktatur“, heißt es auf der [12][Seite]
       des Bündnisses. Es besteht aus mehr als 80 Ortsgruppen, Nachbar*innen,
       Gewerkschafter*innen, Eltern, Schüler*innen und Ladenbesitzer*innen.
       
       Sie wollen die AfD-Delegierten physisch blockieren, damit diese den
       Parteitag in der Messehalle gar nicht erst erreichen. Dafür wollen die
       Aktivist*innen sich in sogenannten Aktionsfingern zu Hunderten bis
       Tausenden aus verschiedenen Richtungen dem Messegelände nähern – und den
       Zugang versperren. „Unser Ziel sind alle Zufahrtsstraßen zur Messe. Wir
       kommen von allen Seiten“, kündigte das Bündnis an.
       
       Um Menschen gegen die AfD zu mobilisieren, hatten [13][Aktivisti schon
       vorher an Tausende Haustüren in der Stadt] geklingelt. Mahnwachen und
       Infopunkte hat das Bündnis schon in Vororten angemeldet, zum Beispiel in
       Bindersleben, Frienstedt oder Schmira ([14][siehe Karte]).
       
       Die Blockaden sind umstritten: Viele halten sie zur Verteidigung der
       Demokratie für geboten, [15][so etwa Ralf Michaels, Rechtsprofessor].
       [16][Andere sind dagegen], etwa weil sie fürchten, so könne die AfD sich
       noch besser als Opfer darstellen. Hier gibt's ein weiteres
       [17][pro/contra.]
       
       Bunte Aktionen gegen rechts – vom Kaffeetrinken bis zu Stadtführungen –
       veranstaltet [18][das Bündnis Zusammenstehen]. Teil dessen sind etwa die
       DGB-Gewerkschaften und die Omas gegen Rechts.
       
       In der Stadt angemeldet wurden mehr als 30 Versammlungen. Insgesamt werden
       [19][30.000 bis 50.000 Antifaschist*innen erwartet.] Die Polizei hat
       bereits am Freitag mit [20][groß angelegten Sperren] begonnen. (lol)
       
       4 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Protest-gegen-AfD-Parteitag/!6193614
   DIR [2] https://table.media/berlin/news/afd-parteitag-sicherheitsbehoerden-rechnen-mit-gewalt-von-links-und-rechts
   DIR [3] https://www.youtube.com/watch?v=wUVj8sQVM78&t=13
   DIR [4] https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/judenjagd-in-budapest-videos-mit-neonazis-stuerzen-afd-funktionaer-aus-muenchen-art-1115953
   DIR [5] https://streaming.fueralle.org/Radio-F.R.E.I
   DIR [6] https://wissenschaft-gegen-faschismus.de/index.php/solidaritaetserklaerung/
   DIR [7] https://verfassungsblog.de/author/admin/
   DIR [8] /Jurist-ueber-den-AfD-Parteitag/!6193424
   DIR [9] https://www.tickaroo.com/e/GMiF6UgqEVTj8Uvz
   DIR [10] https://umap.openstreetmap.fr/en/map/online-aktionskarte_1428416#14/50.961798/11.007013
   DIR [11] https://verwaltungsgerichte.thueringen.de/media/tmmjv_verwaltungsgerichte/VG_Weimar/Entscheidungen/26-1E-01187-B-A.pdf
   DIR [12] https://widersetzen.com/
   DIR [13] /AfD-Parteitag-in-Erfurt/!6187867
   DIR [14] https://widersetzen.com/wp-content/uploads/2026/06/aktionskarte_erfurt.pdf
   DIR [15] /Widersetzen-in-Erfurt/!6191741
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