# taz.de -- +++ AfD-Parteitag und Protest +++: Riesenprotest gegen AfD-Parteitag
> Drinnen wurde rechtsextrem gepöbelt, draußen protestierten mehrere
> Zehntausend Menschen friedlich. Die von manchen vorhergesagte Gewalt
> blieb aus.
IMG Bild: Egal, ob glitzer, grün oder pink: Siamo tutti antifascisti. Hier der orangene Finger auf der B7
## 15.00 Uhr: Ticker beendet
Hiermit beenden wir unseren Live-Ticker. Schön, dass ihr so zahlreich
reingeklickt habt. Den [1][abschließenden Bericht über die Proteste in
Erfurt von unseren Kolleg*innen vor Ort findet ihr hier]. Bleibt zu
sagen: Danke Antifa! (taz) [aktualisiert: 5.7.]
## 14.44 Uhr: Protest-Finger kommen bei Demo an
Nach und nach treffen Aktivist*innen, die bisher in sogenannten Fingern,
also Untergruppen, an verschiedenen Blockadepunkten waren, bei der
gemeinsamen Demonstration in der Innnenstadt ein. Sie werden herzlich
begrüßt, zum Beispiel mit Slogans wie „Hurra, hurra, die Antifa ist da.“
Selbst nach 20 Minuten ziehen weiterhin Tausende vorbei, die seit der Nacht
durch Felder und Landstraßen gelaufen waren, um die Zufahrt zum
AfD-Parteitag zu blockieren. Damit neigt sich der aktionistische Teil des
Tags seinem Ende entgegen. Das Bündnis „Widersetzen“ wertet die Proteste
als Erfolg.
Auch die letzten Autobahn-Besetzer*innen erreichen die Erfurter Innenstadt
– um sich von hier auf dem Weg nach Hause zu machen. Es läuft der Song
„Nicht alle Männer“ von der Rapperin Ebow, die Demonstrierenden winken
Pizzeria-Gästen zu. „War doch voll friedlich“, sagt ein Erfurter
anerkennend am Rand zur taz. Das entspricht dem Eindruck des neunköpfigen
taz-Teams, das die Proteste beobachtet hat und steht [2][den Unkenrufen, es
werde zu schlimmer Gewalt kommen,] klar entgegen. (tlm/jw/dol/lol)
## 14.30 Uhr: Keine Festnahmen
Laut der Polizei habe es keine Festnahmen gegeben. Die Bundespolizei hat am
Rande der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt verbotene
Pyrotechnik und Waffen sichergestellt. Zwei Männer und zwei Frauen hätten
vor dem Mittag versucht, vor den Einsatzkräften zu fliehen, hieß es. Bei
einer Kontrolle wurden unter anderem kurze Schlagstöcke – sogenannte
Kubotans – sowie pyrotechnische Erzeugnisse sowie Verkleidungsgegenstände
wie eine Perücke entdeckt. Man habe aber noch nicht alle Einheiten
abgefragt, sagte eine Polizeisprecherin der taz. (dpa/dmn/dol)
## 14.25 Uhr: Darth Vader auf der Blockflöte
Perfektes Timing: Während Höckes rechte Hand, Stefan Möller, als
Partei-Vize-Chef kandidiert, ertönt aus dem Inneren der Halle plötzlich
eine Melodie: Der [3][Imperial March], schief gespielt auf einer
Blockflöte. Es ist die Melodie, die ertönt, wenn Darth Vader das Bild
betritt. Währenddessen gibt sich Möller auf der Bühne alle Mühen, sich zu
verharmlosen. Die Presse erzeuge ein falsches Bild, wenn sie ihm
unterstelle, dass er den „Thüringer Weg“ auch bundesweit erzwingen wolle,
nämlich: „keine Mäßigung, keine Koalition, keinen Kompromiss“.
Als er das sagt, bekommt er Szenenapplaus aus der Thüringer Ecke. Den
wollte er aber gar nicht, danach erklärt er, dass er gar nicht mehr für
„alle müssen raus“ sei, so wie noch 2015 bis 2017. Er sei zwar kein guter
Redner, aber er kenne sich mit Strategie und dem Recht aus, sagt der
Jurist. Die Netzwerker innerhalb der Partei unterstützen ihn, seine
Kandidatur ist mit allen Lagern abgesprochen. Höckes rechte Hand wird mit
76 Prozent zum Vize-Chef gewählt. Dann ertönt wieder der
Blockflöten-Imperial-March. (gjo)
14.20 Uhr: 30.000 bis 50.000 Protestierende
Die Polizei spricht gegenüber der taz von 31.000 Protestierenden, die sich
den Protesten gegen den Afd-Parteitag angeschlossen haben. Die Bündnisse
Zusammenstehen und Widersetzen gehen bereits von 50.000 Teilnehmenden aus.
Laut Widersetzen, davon allein 17.000 Menschen, die sich an Blockaden
beteiligt haben sollen. Damit sind die Proteste in Erfurt die größten, die
es jemals gegen einen AfD-Parteitag gegeben hat. Zum Vergleich: In Gießen
sollen es laut Polizei 25.000 Teilnehmer:innen gewesen sein, in Riesa
etwa 15.000. (tk)
## 14.15 Uhr: Softeis, SPD und Slogans
Die Versammlung an der Messe ist völlig überfüllt. Es bildet sich eine
lange Schlange am Softeis-Stand. SPD-Stadtrat Danny Möller läuft als Ordner
über den Platz. Auch wenn es mit der Blockade des Parteitags nicht geklappt
habe, sei „der Protest ein Erfolg“, findet et. „Zehntausende sind auf die
Straße gegangen, mit ganz verschiedenen Aktionen gegen die
menschenabwertende Politik, die die AfD probiert zu normalisieren.“ Möller
sei stolz, dass sich auch viele Erfurter:innen beteiligen. „Das hat den
Slogan unterstrichen: Ganz Erfurt hasst die AfD.“ (dmn)
14.12 Uhr: Hat die Polizei gelogen?
Zur morgendlichen Verwirrung über die Rechtslage hat die taz bei der
Polizei nachgehakt: War es Absicht, dass die Polizei behauptet hat, es
gelte eine Demo-Verbotszone? „Nein“, sagt ein Polizei-Sprecher. Wann das
Gericht entschieden hat, ob es eine Verbotszone gibt, wisse er nicht. „Um
12.03 Uhr“, klärt der taz-Reporter den Wachtmeister auf. Der aber ist der
Auffassung: „Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar, das
Demo-Verbot zu kippen, „sei mit der Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht
hinfällig“, diese hebe „die Rechtskraft des ersten Urteils auf“, ist der
Polizist überzeugt. Das sehen sowohl das Rechtsamt der Stadt Erfurt als
auch die meisten Jurist*innen anders. (dmn/lol)
13.35 Uhr: Weidel redet rechtes Zeug und wird gewählt
Alice Weidel heizt den Saal nach der mauen Rede von Chrupalla binnen acht
Minuten spürbar auf. Sie liest Merz die Leviten nach seinem missglückten
Social-Media-Beitrag zum WM-Aus – „der Bundeskanzler lebt in seiner eigenen
Realität!“. Als Vivaldi der Regierungschefs kündige Merz alle vier
Jahreszeiten Reformen an und veranstalte dann nur Streichkonzerte. Am
besten funktioniert wie immer Rassismus: „Nichts zum Ende der
Massenmigration, stattdessen Attestpflicht am ersten Arbeitstag! Mehr kann
man seine Missachtung nicht ausdrücken!“, schimpft Weidel.
Sie drückt die richtigen Knöpfe, um die Delegierten in Wallung zu bringen:
Man habe hunderte Milliarden an die Ukraine verschenkt, wolle
Sozialleistungen für Ausländer streichen und außerdem und besonders
schneidend: „Wir werden die Grenzen schließen, Straftäter und Illegale
haben innerhalb von Deutschland nichts mehr verloren.“
Nach diesen Worten erheben sich die Delegierten von ihren Sitzen, johlen
und applaudieren, viele schwenken Deutschlandfahnen. Im Anschluss wird
Weidel mit 81,3 Prozent gewählt, also über zehn Prozent mehr als Chrupalla.
Ein deutlicher Punktsieg für Weidel gegen ihren Co-Vorsitzenden. (gjo)
13.15 Uhr: Chrupalla wiedergewählt
Chrupalla wird mit 70,5 Prozent zum Parteichef wieder gewählt. Das sind 12
Prozent weniger als beim letzten Mal – und 168 Nein-Stimmen. Ein echt
schlechtes Ergebnis. (sam)
## 13.12 Uhr: Angriff auf Apollo-Mitarbeiter
In der Straße des Friedens in der Erfurter Innenstadt sollen „zwei
Pressevertreter“ angegriffen worden sein. Das bestätigt eine
Polizeisprecherin. Zuerst hatte das Onlineportal Apollo News gemeldet, dass
zwei Mitarbeiter angegriffen worden sein sollen. Die Polizei reagierte,
nachdem sie auf die Situation aufmerksam wurde, mit Schlagstock und
Pfefferspray. (dol/tk)
## 13.10 Uhr: Weidel gibt sich gönnerhaft, Chrupalla ostdeutsch
Die Vorstandswahlen beginnen mit etwas Theater: Alice Weidel wird als erste
Sprecherin vorgeschlagen. Sie reagiert mit den Worten: „Ich stehe nicht zur
Verfügung und schlage stattdessen Tino Chrupalla als ersten Bundessprecher
vor.“ Sie tritt ihrem Konkurrenten gegenüber gerne mal gönnerhaft auf.
In seiner Bewerbungsrede präsentiert sich Chrupalla als Ostdeutscher. „Ich
gebe dem Osten eine starke Stimme in der Partei.“ Und er sagt: „Der
Westdeutsche ist ein Deutscher, wie der Ostdeutsche.“ Das ist eine Spitze
gegen Höcke, der gesagt hatte, Westdeutsche seien „deutsch sprechende
Amerikaner“. (sam)
## 12.50 Uhr: AfD wählt Vorstand
In der Messehalle beginnen jetzt die Vorstandswahlen. Erster Schritt: Der
Parteitag verständigt sich, wieder eine Doppelspitze zu wählen, eine
Formalie. Dass Weidel und Chrupalla zusammen weiter machen ist bereits
klar, auch wenn sie sich misstrauisch beäugen. Das könnte sich langfristig
ändern – vor der nächsten Landtagswahl in Sachsen. Das Weidel-Lager hofft,
dass Chrupalla dort als Spitzenkandidat antritt und dann der Weg frei ist
für Weidel als Einserspitze. (sam)
## 12.45 Uhr: Gemäßigter Kandidat gegen Ausländer
Vor der Bundesvorstandswahl will die extrem rechte Partei noch zwei
Resolutionen beschließen. Der trotz allem als „gemäßigt“ geltende Leif-Erik
Holm, Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, hält ein Plädoyer gegen
auswandernde Deutsche und gegen einwandernde Ausländer: „Wir sind kein
klassisches Einwanderungsland und wollen es auch nicht werden“, so Holm.
Es spräche nichts gegen „gesteuerte Einwanderung von Fachkräften“, „aber
wir wollen unsere Identität hier behalten“ – soviel
verschwörungsideolgisches Geraune vom Großen Austausch muss dann schon
sein. Wie er das machen will, bleibt eher unkonkret. Jedenfalls sei es
blöd, wenn gut ausgebildete Deutsche das Land verließen. Klingt ein
bisschen nach Abschaffung der Reisefreiheit – war da nicht mal was? Wie dem
auch sei: Die Resolution wird ohne Gegenrede angenommen. (gjo)
## 12.40 Uhr: CDU-Bürgermeister beim Protest
In der Innenstadt von Erfurt erinnern nur der Helikopter und ein paar
Menschen mit Demo-Schildern erinnern an die Proteste. Oberbürgermeister
Andreas Horn (CDU) sagt, er freue sich, dass die Proteste – trotz Blockaden
– größtenteils friedlich waren. „Bis jetzt läuft alles ruhig, dafür bin ich
wirklich dankbar.“ An Demonstrationen teilnehmen, das sei gelebte
Demokratie. „Gewalt und Sachbeschädigung sind es nicht.“ Erfurt zeige, dass
es tolerant sei. Warum Konservative bei den Protesten so wenig vertreten
sind? Horn widerspricht. Er sei gerade auf dem Anger bei einem ökumenischen
Gottesdienst gewesen, da seien auch Konservative, betont der CDU-Mann.
(dmn)
## 12.15 Uhr: Wurst essen und Juden beschimpfen
AfD-Delegierte stehen mit Bratwürsten im Raucherbereich und tauschen sich
etwa über Thor-Steinar-Kleidung aus, eine Neonazi-Szenemarke. Andere
belustigen sich über „die Antifa“. Im Außenbereich steht auch der ehemalige
Funktionär von Generation Deutschland, Tim Schulz, der in der Vergangenheit
durch Neonazi-Musik und militanten Kontakte auffiel. Auch beim
Nazi-Aufmarsch ind Budapest war er [4][laut einer Recherche der Münchener
Abendzeitung] dabei, als eine Gruppe junger Männer orthodoxe Juden
beschimpften und hebräische Aufkleber abrissen. Kurz darauf trat Schulz von
seinem Amt als Stellvertreter des bayerischen Landesverbands der Generation
Deutschland zurück. (nk)
## 12.05 Uhr: Höcke dreht die Bullshit-Tombola
Der Thüringer Landeschef und Kopf der völkischen Strömung, Björn Höcke,
breitet seine Arme aus und ist sichtlich gut gelaunt: Er genießt den
Applaus beim Heimspiel. Die gute Laune dürfte auch daher rühren, dass der
von ihm unterstützte Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu streichen,
dankend von Alice Weidel und damit in den Bundesvorstand aufgenommen wurde.
Dann folgt der übliche Höcke-Sermon: Er hetzt gegen angeblich
„steuerfinanzierte“ Gegendemos, will der Zivilgesellschaft den „Stecker
ziehen“, meint, dass man die „Nation therapieren“ müsse und Deutschland
„wieder mit sicher selbst befreunden will“. Extrem rechte Allgemeinplätze
von „internationalen NGOs“ und „fremdbestimmten Politikern“ dürfen hier
nicht fehlen. Alice Weidel ruft nach der Tirade in den Saal: „Wir sind
nicht rechtsextrem“. Schlimmer Verdacht: Hat Sie Höcke nicht zugehört? Dann
wird es vollends skurril: „Schaut auf die Autobahntoiletten eines Landes
und ihr erkennt den Zustand des Landes!“ empfiehlt Höcke. (gjo)
## 12.03 Uhr Gericht beschließt Demo-Verbotszone
Das Demoverbot auf den Zufahrtsstraßen ist vollziehbar, das hat das
Oberverwaltungsgericht soeben entschieden. Es hat auf die Beschwerde des
Landes hin um 12.03 Uhr den Beschluss des Verwaltungsgerichts Weimar
aufgehoben.
Aufgrund der versammlungsschützenden Entscheidung der ersten Instanz hätte
die Demo-Verbotszone bis 12.30 nicht umgesetzt werden dürfen, erklärt die
Pressesprecherin des anwaltlichen Notdiensts, Anna-Maria Müller, gegenüber
der taz. „Die Räumung von Sitzversammlungen unter Berufung auf das
Demoverbot war rechtswidrig.“ (lol)
## 11.56 Uhr: Weidel in Merkel-Rage
Messe Erfurt: Weidel stellt den Tätigkeitsbericht des AfD-Vorstands vor,
spricht über Mitglieder- und Umfragenzuwächse. Auch das Projekt „Zerstörung
der CDU“ läuft sichtlich: Weidel prügelt verbal auf Merkel ein, die vor
Jahren mal bei einer Wahlparty eine Deutschlandfahne von der Bühne
entfernen ließ. Ein Video davon wird eingeblendet, das Merkels Gesicht
währenddessen in Dauerschleife zeigt: „Was ist das für eine Partei, die
unsere Nationalfarbe verbietet?!“, ruft Weidel wütend, hinter ihr acht
überdimensiale Deutschlandfahnen. Applaus brandet auf, auch im Saal ist
Nationalismus Konsens: Merkel zieht immer als Feindbild, die Delegierten
schwenken eifrig Fahnen. (gjo)
## 11.54 Uhr: Nazi-Streamer auf Zubringerdemo
Ein Neonazi in der Gegendemo: Sebastian Schmidtke, extrem rechter Youtuber
und langjähriger NPD-Kader streamt mitten aus der antifaschistischen Demo
heraus. Eine Gruppe Antifas drängt den Neonazi mit Regenschirmen ab und
verbannt ihn damit an den Rand der Aufzugsfläche. (dol)
## 11.45 Uhr: Megastar Marcant bei der Gegendemo
Gothaer Straße, kurz vor der zentralen Kundgebung: Inmitten des Trubels
steht plötzlich ein Megastar. Marcant, auf Social Media bekannt für seine
gekonnt bloßstellenden Interviews mit Rechten. Sofort bildet sich eine
Traube um den großgewachsene Mann: „Kann ich bitte ein Selfie haben?“ fragt
jemand. Als Marcant ja sagt, bildet sich sofort eine Schlange. Da zieht der
Promi samt Kameramann zurück. „Man merkt richtig krass, wie ihn sein Fame
total überfordert“, überinterpretiert ein Fan internet-typisch die
Situation. Trotzdem grinst er über beide Backen, auch die Umstehenden sind
völlig „star struck“. Das wird für sie das Highlight des Tages. (tk)
## 11.40 Uhr: Gelber und grüner Finger vereinen sich
Auf der Autobahn A71 Höhe Parkplatz Erfurter Becken Ost treffen der grüne
und der gelbe Finger zusammen: Hunderte Menschen sind auf der Autobahn, in
Sprechchören begrüßen sie sich gegenseitig. Die Aktivist:innen machen
sich auf den Weg zur großen DGB-Demo in der Innenstadt. Die Strecke ist
weit. (tlm/jw)
## 11.15 Uhr: Polizei hält Wort
An der Cyriakstraße hat sich die Lage beruhigt, aber einige Meter weiter
sind circa 50 Protestierende in einem Kessel gelandet, der von Thüringer
Einsatzkräften eng umrundet wird. Der Einsatzführer sagt durch: „Wir kennen
uns jetzt ja schon, Sie wissen, dass wir es ernst meinen.“ Er fordert die
Aktivist:innen auf, ihre Schlauchschals und Mützen abzunehmen, und sich
von allen Seiten abfilmen zu lassen. „Ansonsten bringe ich die Kräfte ran
und mache es selber“, droht er. Zehn Minuten Zeit wird den
Aktivist:innen zur Beratung gelassen. „Ich weiß, ihr müsst immer so
plenieren“, sagt der Polizist.
Der Druck wirkt. „Ablegen!“, ruft jemand im Kessel. Dann wird alles
abgelegt, was nach Vermummung aussehen könnte. Die Protestierenden schauen
nach unten, die Polizei filmt. „Schulter an Schulter, gegen den
Faschismus“, skandieren sie. Und: „BRD, Bullenstaat, wir haben dich zum
Kotzen satt“. Immerhin, die Polizei hält Wort: Nach ein paar Minuten wird
der Kessel aufgelöst, die „rote Jugend“ darf zurück zur Kundgebung am
Gothaer Platz. (tk)
## 11.12 Demo in der Erfurter Innenstadt
Auf dem Weg Richtung Messe bekommen die Demonstrierenden Zuspruch von
Anwohner:innen: Es hängen Pride-Flaggen an Balkonen, eine Familie streckt
eine FCK-AfD-Fahne aus ihrem Fenster. Ein paar Meter weiter hält ein Kind
am Straßenrand ein Bild eines selbstgemalten Pikachu in die Höhe, darunter
steht: „Pokemon gegen Rechts“. Der kleine Mann erntet Begeisterung:
Lautstark beginnt die Demo zu singen: „Pokemon gegen Rechts, Pokemon gegen
Rechts“. (dol)
## 10.53 Uhr: Polizei räumt Blockade auf der Autobahn
Auf der A71 räumt die Polizei eine der beiden Spuren, um Polizeifahrzeuge
durchfahren zu lassen. Die zweite Spur bleibt blockiert. (tlm)
10.50 Uhr: Streit um AfD-Unvereinbarkeitsliste
Der Antrag, die Unvereinbarkeitsliste zu überarbeiten, sprich: extrem
einzuschränken, wird zurückgezogen. Unter anderem Höcke hatte ihn
unterstützt. Zuvor hatte sich Weidel für den neuen Bundesvorstand
verpflichtet, die Liste innerhalb eines Jahres zu überarbeiten. Die
Unvereinbarkeitsliste, die zur Satzung der AfD gehört, zählt Parteien und
Organisationen auf, für die gilt: Wer hier Mitglied ist, kann nicht
Mitglied der AfD sein. Darauf stehen unter anderem die Identitäre Bewegung,
die NPD, die Heimattreue Deutsche Jugend. Höcke und Co. ist diese Liste
schon lange ein Dorn im Auge. (sam)
10.32 Uhr: AfD scherzt über NSDAP
Stephan Brandner scherzt über das „historische Datum“. Nicht nur diverse
Medien hatten die Frage in den Raum gestellt, ob es wirklich Zufall ist,
dass sich in Erfurt auf den Tag genau vor exakt 100 Jahren Hitlers NSDAP
zum Parteitag traf. Für Brandner ist das eine Witzvorlage: „Schönen guten
morgen am 4. Juli, ein historischer Tag, vor 161 Jahren erschien Alice im
Wunderland, wenn das kein gutes Motto für uns heute ist.“ Gelächter im
Saal. (gjo)
10.30 Uhr: Blutende Aktivist*in
Die grüne Blockade wird geräumt. Radio F.R.E.I. berichtet, ein blutender
Aktivist werde abtransportiert. Er sei von den Beamt*innen gegen den
Kopf getreten worden. Eine Fahrbahn sei bereits geräumt worden. Jetzt sei
die zweite Richtung Norden dran. Die Aktivist*innen widersetzen sich
den Aufforderungen zur Räumung mit Rufen und bleiben sitzen. (adsc)
## 10.27 Uhr: „Keine Erfordernis, zu räumen“
„Da der Parteitag nun begonnen hat, ist es nicht nötig, die Blockaden
aufzulösen, oder?“ Das hat die taz die Polizei gefragt. „Es gibt aktuell
keine Erfordernis zu räumen“, sagt eine Sprecherin der Polizei. Man wolle
die Situation „kommunikativ klären“, erklärt sie. Zum Einsatz von
Schlagstöcken und Pfefferspray am Gothaer Platz lagen ihr zunächst keine
Erkenntnisse vor. (lol)
## 10.10 Uhr: Räumung droht jeden Moment
Aus der Kundgebung am Gothaer Platz lösen sich plötzlich mehrere hundert
Demonstrierende und rennen in die Cyriakstraße. Hektische Polizisten
hinterher. Die Aktivist:innen nehmen Platz, kurz darauf treten
Polizist:innen direkt auf die Blockade zu und entreißen das
Frontbanner. Von hinten haben Polizist:innen die Blockade umstellt.
Eine Räumung scheint unmittelbar bevorzustehen. (tk)
10.05 Uhr: Parteitag beginnt pünktlich
Ganz pünktlich startet der AfD-Parteitag. Als Parteichef Tino Chrupalla
Ulrich Siegmund begrüßt, brandet in der Halle Jubel auf. Ein Funktionär
stellt freudig fest, dass es der erste Parteitag seit Langem ist, der
pünktlich beginnt. Dann kommt ein breitbeiniger Werbefilm mit Clips aus dem
Wahlkampf von Sachsen-Anhalt, der Film endet mit einem auf die Brandmauer
bezogenen Reagan-Zitat: „Tear down this wall“. Chrupalla lobt die
„Frühaufsteher“ und bedankt sich dann unter Applaus bei der Polizei.
(sam/gjw)
## 9.55 Uhr: Blockaden waren „Erfolg“
Eine Aktivistin aus dem bunten Finger nennt die Blockaden von Widersetzen
einen Erfolg. Frustriert, dass es nicht gelungen sei, den Parteitag zu
verhindern, sei die 24-Jährige nicht. „Die AfD hat sich schon vor den
Blockaden im Messegelände verschanzt, weil sie wusste, dass wir kommen“,
ist sie überzeugt. „Nächstes Mal kommen wir eben noch früher.“ (jw)
## 9.45 Uhr: AfDler hat im Auto geschlafen
Stephan Protschka, AfD-Bundestagsabgeordneter aus Bayern, sagt, er sei um
vier Uhr mit dem Auto angereist und habe dann vor der Halle noch drei
Stunden im Auto geschlafen. Den „linken Zecken“ wolle er ja keinen Erfolg
gönnen. In rechtsextremen Medien wird derweil gehetzt, dass Linke nicht
früh genug aufgestanden seien. (sam/lol)
## 9.35 Uhr: Pfefferspray und Feuerwerk
Am Gothaer Platz liegen Demonstrierende mit roten Schlauchschals und noch
röteren Augen auf der Straße und träufeln sich Kontaktlinsenflüssigkeit ins
Gesicht. Gerade ist die Polizei hier unter massiven Einsatz von
Pfefferspray in die Menge gestürmt. Augenzeug*innen zufolge waren
angeblich zwei AfDler aufgetaucht und daraufhin von Antifas verfolgt
worden. Vereinzelt sollen Flaschen geflogen sein.
Die Polizei geht dazwischen und setzte auch Schlagstöcke ein. Daraufhin
zünden Protestierende Feuerwerk, es kommt zu Gerangel. Immer wieder kommt
es auf der ansonsten eher ruhigen Großblockade am Gothaer Platz zu
Auseinandersetzungen, weil AfDler teilweise ohne Polizeibegleitung
versuchen, durch die Menge zu kommen. (tk)
## 9.30 Uhr: 20.000 Demonstriende
An den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt beteiligen sich
nach Angaben der Polizei bisher rund 20.000 Menschen. Zu Räumungen sei es
bisher nicht gekommen. Einzelne Demonstranten, die das Weiterkommen eines
anderen Demonstrationszuges behinderten, wurden von Polizisten weggezogen
oder weggetragen. Das Bündnis Widersetzen schätzt, dass allein an den
Blockaden mehr als 17.000 Personen teilmehmen.
Vorab war man von bis zu 50.000 Gegendemonstranten ausgegangen. Beim
AfD-Bundesparteitag Anfang 2025 in Riesa protestierten nach
unterschiedlichen Angaben zwischen 10.000 und 15.000 Menschen. (dpa/lol)
## 9.25 Uhr: Anwältin klärt auf: Es gibt keine Demo-Verbotszone
Entgegen der Darstellung der Polizei gibt es bisher kein Demo-Verbot.
„Aufgrund der Fehlinformation der Polizei und der Übernahme dieser Info
durch einzelne Medien sowie der fehlenden Richtigstellung durch die Stadt
Erfurt sind zahlreiche Versammlungen rechtswidrig geräumt und hunderte
Demonstrierende rechtswidrig verletzt worden“, kritisiert Anna-Maria
Müller. Die Rechtsanwältin ist Pressesprecherin des anwaltlichen Notdiensts
vor Ort.
Das Land Thüringen hatte ein generelles Demo-Verbot für eine bestimmte Zone
verhängt. Gegen dieses Verbot hat ein Kommunalpolitiker erfolgreich
geklagt. Gegen den versammlungsschützenden Beschluss des Gerichts hat das
Land zwar wiederum Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, das
Gericht hat darüber aber noch nicht entschieden. So lange gilt das
erstinstanzliche Urteil, das das Verwaltungsgericht am Freitag Abend
gefällt hat: Es gibt keine generelle Demo-Verbotszone – jedenfalls noch
nicht. (lol)
## 9.20 Uhr: AfD von Polizei eskortiert
In der Halle sieht es so aus, als wären die Blockaden von Widersetzen ins
Leere gelaufen. Viele Delegierte sind bereits seit Längerem da. Grund dafür
ist offenbar das Polizeikonzept. Es heißt, dass es um 4.30 Uhr vier
Treffpunkte außerhalb gegeben hätte und die Delegierten dann mit Bussen und
Polizeieskorte aufs Gelände gebracht worden seien. (gjo)
Im Empfangsbereich gibt es Stände des extrem rechten Vorfelds, etwa von der
Jungen Freiheit und der extrem rechten „Gewerkschaft“ Zentrum. Am Stand von
Thannwaldmedia tummeln sich Burschenschafter wie Daniel Halemba. Auch der
rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek vom Antaios-Verlag schwirrt hier
herum. (enk)
## 9.17 Uhr: Insgesamt 12 Blockaden
Aktuell komme es zu 12 Blockaden und weiteren Kleingruppen die auch Wege
dicht machen, heißt es von Widersetzen. Die Finger gold, pink, lila, grün
und orange haben ihr Ziel erreicht. (lol)
## 9.11 Uhr: Laster quer gestellt
Es ist die, gemessen an der Teilnehmerzahl, kleinste Autobahn-Blockade –
aber womöglich die effektivste. Drei Aktivisti haben auf der A71 Nordost
einen Laster quer auf die Fahrbahn gestellt. Stadteinwärts ist kein
Durchkommen. Mutige Nummer. Warum nur zu dritt? „Weil wir mehr nicht
brauchen!“, sagt ein*e Aktivisti der taz. (dol)
## 9.05 Uhr: Bereits viele Delegierte eingetroffen
Es sind schon viele Delegierte da. Es heißt, man könne pünktlich loslegen.
Die Plätze für Presse sind – wie immer bei den Rechtsextremen – knapp.
(sam)
## 8.45 Uhr: „Hoppelnde Hasen“
Bei Gottschedt auf dem Feld setze die Polizei Schlagstöcke ein, berichtet
Radio F.R.E.I.. „Es wurde geboxt und gepfeffert“, hieß es dort. Die
Einsatzkräfte versuchten, die Versammlung aufzulösen. Über die Lautsprecher
weist ein Polizist darauf hin, dass diese Blockade auf dem Feld nichts
bringe. „Nur hoppelnde Hasen interessieren sich hier für euch.“ (adsc)
## 8.35 Uhr: Schutzzone für Presse
Von der Absperrung an der Gothaer Straße leitet der „Medienschutz“ der
Polizei akkreditierte Journalist*innen. Alleine bewegen darf man sich
nicht. In Thüringen gibt es das zum ersten Mal, sagt ein Pressesprecher der
taz.
Um die Messehalle hat die Polizei eine „Schutzone“ eingerichtet – und lässt
teilweise nur Journalist:innen durch, die eine Akkreditierung der AfD
haben. Das heißt: Die AfD bestimmt, wer auch nur in die Nähe der Halle
darf, die Polizei setzt es um. Dabei gilt die Akkreditierung eigentlich für
den Parteitag selbst.
„Journalist:innen müssen sich frei bewegen können, um der Berichterstattung
nachkommen zu können“, sagt Lucas Munzke von der Journalist:
innen-Gewerkschaft dju in verdi der taz dazu. „Von Journalist:innen
geht keine Gefährdung aus“, erklärt der Gewerkschafter. Er wolle Kontakt
mit der Polizei aufnehmen und versuchen, das zu lösen, sagt Munzke.
(sam/dol)
8.10 Uhr: AfD-Autos wissen nicht weiter
Bei der Aktionsgruppe Glitzer fahren die AfD Autos vor und zurück, weil sie
einfach nicht wissen wie weiter, wie Widersetzen mitteilt. „Gerne auch an
der Wartburgstraße supporten“, bittet das Bündnis in einer Mitteilung. Die
Aktionsgruppe Grün blockiere die südliche A71, die Aktionsgruppe Silber und
Neon haben sich zusammengeschlossen und machen die K14/Bindersleben dicht,
heißt es. Auch die Zwischenkundgebung der Frienstedter Dörfer Demo stehe.
Noah vom Bündnis Widersetzen sagt [5][im Interview mit dem Radio Frei]:
„Die zentralen Zufahrtswege sind seit Stunden blockiert. Das ist ein
Riesenerfolg.“ (lol)
8.09 Uhr: Prominente Wissenschaftler:innen bei Blockade
Die Zubringerdemo erreicht unter großem Applaus den Gothaer Platz, von wo
aus die einzige Straße aus der Innenstadt heraus zum Messegelände und dem
AfD-Parteitag führt. Teile der Demo setzen sich. Darunter auch ein Block
prominenter deutscher Professor:innen und Akademiker:innen, der aus der
Aktionswoche Wissenschaft gegen Faschismus hervorgegangen ist.
[6][Mehr als 450 Akademiker:innen] hatten sich vorab solidarisch mit
den Protesten erklärt. Die Philosophin Rahel Jaeggi ist hier, ebenso der
Jurist Max Steinbeis, der den „[7][Verfassungsblog]“ betreibt. Warum er
zivilen Ungehorsam gegen den AfD-Parteitag für legitim hält, erklärt er der
taz [8][hier im Interview]. (tk)
8.07 Uhr: „Putsch der Polizei gegen die Justiz“
Die Polizei behauptet, das Demonstrationsverbot auf einigen Zufahrtsstraßen
im Umfeld des AfD-Bundesparteitags in Erfurt gelte weiter, so [9][berichtet
es etwa die Thüringer Allgemeine]. Die Stadt Erfurt habe demnach Beschwerde
gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar eingelegt.
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) habe sich bisher aber nur mit einer
konkreten Demonstration bei einer Autobahnbrücke beschäftigt, eine
Entscheidung des OVG zur Allgemeinverfügung über eine Demo-Verbotszone gibt
es noch nicht, sagt der Anwalt des Klägers, Nils Spörkel, auf Nachfrage der
taz. Gegen diese hat das Land Thüringen Beschwerde eingelegt. „Aber so
lange das Gericht darüber nicht entschieden hat, gilt die Entscheidung der
ersten Instanz. Wenn die Polizei den Beschluss nur aufgrund einer
eingelegten Beschwerde missachtet, ist das ein Putsch gegen die Justiz.“
Das Verwaltungsgericht in Weimar hatte auf Antrag eines Kommunalpolitikers
der Grünen die Allgemeinverfügung, nach der bestimmte Straßen für
Demonstrationen und Proteste gesperrt sind, kassiert. Dabei geht es nach
Angaben des Oberverwaltungsgerichts allerdings nur um einen
Straßenabschnitt vom Erfurter Ortsteil Frienstedt in Richtung Flughafen.
Wann das Gericht in zweiter Instanz entscheidet, blieb zunächst offen.
(ak/lol)
## 7.46 Uhr: Polizei kündigt Räumung an
Vor Bindersleben kündigt die Polizei die Räumung an. Drei Polizeihunde und
eine Hundertschaft stehen bereit, die Straße ist komplett dicht mit
Aktivisti. Die Polizist*innen räumen einen Korridor für die circa 30
Einsatzfahrzeuge. „Wo, wo, wo wart ihr in Hanau?“ rufen die Aktivist*innen.
Nachdem die Polizei durchgefahren ist, wird die Straße sofort wieder
blockiert. (ak)
## 7.36 Uhr: Mehrere tausend Demonstrierende
Die Autobahn 71 bei Erfurt blockieren insgesamt mehrere tausend
Demonstrierende, wie auch die Polizei bestätigt. Der Autobahnabschnitt
liege in der Nähe des Erfurter Kreuzes, wo sich zwei Autobahnen treffen.
Während es durch die Blockade Einschränkungen auf der A71 (Halle-Suhl) bei
Erfurt gebe, sei die A4 (Frankfurt/Main-Dresden) nicht betroffen, sagte
eine Polizeisprecherin.
Auf Feldwegen rings um den Tagungsort der AfD sind große Menschenzüge
unterwegs. An verschiedenen Orten in der Innenstadt laufen erste
Kundgebungen, es wird dabei auch gesungen. Am Hauptbahnhof wurde eine große
Regenbogenflagge ausgerollt. (dpa/lol)
7.30 Uhr: 540 von 600 AfDlern eingetroffen
Es sind bereits 540 von circa 600 Delegierten der AfD angekommen, wie
verschiedene Medien berichten. Die Hälfte war die Voraussetzung zum
Starten. Der Parteitag kann nach aktuellem Stand pünktlich um 10 Uhr
beginnen. (gjo)
## 7.25 Uhr: Abseil-Aktion
Einige hundert Meter vor der Blockade des gelben Fingers haben sich zwei
Personen von einer Brücke abgeseilt. Das gefällt der Polizei nicht, sie
holt eine Leiter. (lol)
7.19 Uhr: Polizei hält Presse auf
Um die Messehalle ist alles ruhig. Die Polizei hat die Zufahrtsstraßen
Eisenacher und Gothaer Straße abgesperrt. Dorthin kommt nur, wer über eine
Akkreditierung für den Parteitag der AfD verfügt. Journalist:innen
müssen an Absperrungen immer wieder diskutieren, um ihrer Arbeit nachgehen
zu können. (enk)
## 7.11 Uhr: Demonstrierende bilden Rettungsgasse
Die Straßen werden für Rechtsextreme blockiert. Aber wenn's drauf ankommt,
bilden die Aktivisti sofort eine Rettungsgasse wie hier an der nördlichen
A71. (dol)
## 7.06 Uhr: A71, Bindersleben
Die Autobahn ist leer. Auf der Brücke wartet ein Wasserwerfer und dahinter
ein Räumfahrzeug. (dmn)
7.03 Uhr: Insgesamt stehen 7 Blockaden
Drei Blockaden haben die Autobahn blockiert, eine weitere die B7. Einen
aktuellen Überblick über die Blockaden gibt Widersetzen [10][auf dieser
interaktiven Karte]. Das Bündnis teilt zudem mit: „Auch im Süden machen wir
die Zufahrtwege dicht.“ Dort stehe „eine stabile Blockade“ von der lila
Aktiongruppe und viele lustige Clowns! (lol)
## 7.00 Uhr: Tausende demonstrieren in Erfurter Innenstadt
Die Zubringerdemo zur Messehalle hat sich mit einigen Tausend
Teilnehmer:innen in Bewegung gesetzt. Vorneweg läuft ein Block
Erfurter:innen, die lauthals „Ganz Erfurt liebt Demokratie“ skandieren –
was weiter hinten in „Hasst die AfD“ abgewandelt wird. „Ich finde es total
wichtig, für Demokratie und Menschenrechte einstehen“, sagt ein Mann in
DGB-Weste in der ersten Reihe. Er sei froh, dass so viele Menschen gekommen
seien.
Einige in der Stadt haben in den Wochen vor den Protesten die mediale
Berichterstattung irritiert, die sich stark auf die wenigen Zugereisten mit
Gewaltbereitschaft fokussiert habe – statt auf den Widerstand der
Stadtgesellschaft. Tatsächlich versammelt sich auf der Demo die breite
zivilgesellschaftliche Linke – von der Eisenbahngewerkschaft EVG über
Amnesty International bis zu den Studis gegen Rechts.
Auch die Omas gegen rechts sind dabei. „Ich habe große Angst vor einem
AfD-Wahlsieg“, sagt eine von ihnen. So etwas wie die AfD habe es schon
einmal „vor 100 Jahren gegeben“. „Und ich denke mir, hätte man damals was
gegen die NSDAP gemacht, wäre das sehr gut gewesen.“ Sie haben Verständnis,
dass die Polizei den Parteitag schützen muss, aber mindestens ebenso
wichtig sei es eben, Widerspruch zu zeigen. Denn mit den im September
anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt drohe viel: „Die werden in die Schulen
greifen, Menschen mit Migrationshintergrund werden sich nicht sicher
fühlen, Frauenrechte werden eingeschränkt. Die bereiten sich vor!“, ist sie
sich sicher. (tk)
## 6.50 Uhr: Rosa und silber sind auf dem Weg
Der rosa und silberne Finger bewegen sich über ein Feld weiter in Richtung
Erfurt, wie ein Video von Perspektive Online zeigt. (lol)
## 6.38 Uhr: Polizei drängt bunten Finger zurück
Bei Gottstedt versuchen Aktivist:innen des bunten Fingers laut der
unabhängigen Zeitung Perspektive Online über das Feld an der Polizei
vorbeizukommen, aber ein großer Teil wird zurückgeschlagen. (lol)
## 6.33 Uhr: Drei Blockaden auf der A71
Auf der Autobahn A71 befinden sich inzwischen drei Aktionsgruppen. „Damit
sind die nördlichen und südlichen Hauptzufahrtswege dicht!“, teilt
Widersetzen mit. (lol)
## 6.29 Uhr: AfDler angekommen
Sebastian Mack und andere AfDler sind dank eines Polizeikonvois angekommen,
wie er in einem Video auf Twitter sagt, in dem er vor der Messehalle steht.
„Uns hält niemand auf.“ (lol)
## 6.26 Uhr: Autofahrer versus Aktivisti
Etwa 300 Leute sitzen auf der Gottstedter Straße, die Richtung Erfurt
führt. Mehrere Autofahrer:innen reden auf die Aktivist:innen ein,
sie wollen vorbei. „So viel Scheiße auf einem Haufen“, schimpft ein Mann in
kurzer Hose. Polizei ist keine zu sehen. Die Aktivist:innen singen:
„Wehrt euch, leister Widerstand, gegen den Faschismus hier im Land.“ Dann
lassen sie eine Pflegerin, einen LKW und einen leeren Bus durch. (dmn)
## 6.13 Uhr: Gerangel mit der Polizei
Der grüne Finger versucht an der Polizei vorbeizukommen. Es gibt Gerangel.
(lol)
## 6.00 Uhr: Erfurt Hauptbahnhof
Die Demo beginnt. „Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich
freue, euch alle hier zu sehen“, eröffnet die erste Rednerin von der
Gewerkschaftsjugend die Zubringerdemo am Hauptbahnhof. Seit November, als
die Parteitagspläne der AfD in Erfurt bekannt wurden, bereite man sich vor.
Thüringen sei das Bundesland, in dem 1930 die erste Regierungskoalition mit
der NSDAP gebildet wurde, Thüringen sei das Land vom KZ Buchenwald. „Wir
stellen uns deshalb der Verantwortung, dem Faschismus entgegenzusetzen“,
ruft die Rednerin unter großen Applaus. Der Platz ist rappelvoll, etwa
1.000 Menschen sind hier. „Auch die CDU“, sagt sie Rednerin, sei zum
Mitmachen aufgerufen – eine sichtbare Präsenz bilden die Konservativen auf
der Kundgebung nicht. Hier wird noch auf den Lautsprecherwagen gewartet –
dann soll es losgehen. (tk)
## 5.51 Uhr: Sonnenaufgang und Sprechchöre
Der pinke Finger nimmt auf der A71 Platz. „Wir bleib'n jetzt hier, macht's
euch bequem“, ruft jemand durchs Megaphon. Schätzungsweise 700 Aktivistin
setzen sich. Die Polizei rückt umgehend mit einem Dutzend Einsatzwagen an,
ein paar Beamte steigen aus, postieren sich vor und hinter den sitzenden
Aktivisti. Die Autobahn ist in beiden Fahrtrichtungen blockiert.
Zuvor: Sonnenaufgang und Sprechchöre: „Auf geht's, ab geht's widersetzen!“,
es werden rosa Pyros entzündet. (dol)
## 5.21 Uhr: Der bunte Finger kommt an
Die Busse aus dem Norden sind an ihrem Ziel angekommen. Der „bunte Finger“
formiert sich. (jw)
## 5.00 Uhr: 100 Antifas am goldenen Finger
Rund 1000 Antifas aus dem goldenen Finger haben eine der Zufahrtsstraßen
blockiert. Die Polizei scheint überrascht und muss sich erst koordinieren.
Erfolglos haben einige versucht, die Altivist:innen davon abzuhalten,
auf die Straße zu gehen. Die Aktivist:innen skandieren „siamo tutti
antifascisti“. Durch ein Megafon ruft ein Aktivist: „Die AfD hat unseren
Widerstand verdient“. (nk)
4.30 Uhr: Die Proteste beginnen
Insgesamt 230 Busse aus dem gesamten Bundesgebiet sind laut dem Bündnis
Widersetzen über Nacht nach Erfurt gefahren, um den Parteitag der AfD zu
blockieren (dol/lol).
Am Vortag: Schwerer Schlag für Polizei
Es ist ein schwerer Schlag für die Polizei: Die Allgemeinverfügung gelten
nicht mehr. Am Freitagabend hat das Verwaltungsgericht Weimar die für das
Wochenende erlassenen Versammlungsverbot auf bestimmten Anreisewegen zur
Messe Erfurt gekippt. Eine entsprechende Allgemeinverfügung des
Landesverwaltungsamts wurde auf Antrag eines namentlich ungenannten
Kommunalpolitikers kassiert, wie das [11][Verwaltungsgericht Weimar am
Abend mitteilte].
Rechtsanwalt Nils Spörkel sagt dazu: „Es freut mich sehr, dass das
Verwaltungsgericht deutlich gemacht hat, dass das Grundrecht auf
Versammlungsfreiheit auch in Erfurt und auch in einer Großlage Gültigkeit
hat.“ (tk/lol)
## Polizeikolonne und Massenströme
Schon am Freitag war die Polizei bereits sehr präsent in Erfurt. Endlose
Polizeikolonnen ziehen fast schon im Minutentakt durch die Altstadt, durch
die am Freitagabend auch Massen strömen, um Roland Kaiser live am Dom zu
hören. Der Bereich der Messe, wo die AfD ab 8 Uhr ihren Parteitag abhalten
will, gleicht einer Sperrzone.
Selbst Journalist:innen lässt die Polizei hier nur widerwillig durch:
Einige Beamt:innen bestehen auf Akkreditierungen für den Parteitag, die
für die Berichterstattung über die Proteste aber gar nicht nötig sind. Seit
Freitag sind alle entscheidenden Zufahrtsstraßen gesperrt, auf insgesamt 48
Straßenkilometern wurde eine Demoverbotszone erlassen. Mehrere Tausend
Polizist:innen sind im Einsatz – mit Pferden, Wasserwerfern und
Räumpanzern.
Viele rechnen damit, dass die AfD-Delegierten über die Autobahn und die
Eisenacher Straße bei Schmirna anreisen werden. Hier wartet auch die
Polizei, die alles weiträumig abgegittert hat. Mögliche Anreiserouten der
AfDler führen auch durch die Erfurter Innenstadt. (tk)
100 Jahre nach der NSDAP
100 Jahre nach der NSDAP hält die AfD dieses Wochenende einen Parteitag in
Thüringen ab. Die taz berichtet ab Samstag früh um 6 Uhr hier im Liveticker
aus der Messehalle in Erfurt, ebenso wie von den antifaschistischen
Protesten in der gesamten Stadt.
Das Bündnis Widersetzen will die „faschistische Zusammenrottung mit Björn
Höcke an der Spitze“ verhindern. Denn: „Wer heute keinen Widerstand
leistet, erwacht morgen in einer Diktatur“, heißt es auf der [12][Seite]
des Bündnisses. Es besteht aus mehr als 80 Ortsgruppen, Nachbar*innen,
Gewerkschafter*innen, Eltern, Schüler*innen und Ladenbesitzer*innen.
Sie wollen die AfD-Delegierten physisch blockieren, damit diese den
Parteitag in der Messehalle gar nicht erst erreichen. Dafür wollen die
Aktivist*innen sich in sogenannten Aktionsfingern zu Hunderten bis
Tausenden aus verschiedenen Richtungen dem Messegelände nähern – und den
Zugang versperren. „Unser Ziel sind alle Zufahrtsstraßen zur Messe. Wir
kommen von allen Seiten“, kündigte das Bündnis an.
Um Menschen gegen die AfD zu mobilisieren, hatten [13][Aktivisti schon
vorher an Tausende Haustüren in der Stadt] geklingelt. Mahnwachen und
Infopunkte hat das Bündnis schon in Vororten angemeldet, zum Beispiel in
Bindersleben, Frienstedt oder Schmira ([14][siehe Karte]).
Die Blockaden sind umstritten: Viele halten sie zur Verteidigung der
Demokratie für geboten, [15][so etwa Ralf Michaels, Rechtsprofessor].
[16][Andere sind dagegen], etwa weil sie fürchten, so könne die AfD sich
noch besser als Opfer darstellen. Hier gibt's ein weiteres
[17][pro/contra.]
Bunte Aktionen gegen rechts – vom Kaffeetrinken bis zu Stadtführungen –
veranstaltet [18][das Bündnis Zusammenstehen]. Teil dessen sind etwa die
DGB-Gewerkschaften und die Omas gegen Rechts.
In der Stadt angemeldet wurden mehr als 30 Versammlungen. Insgesamt werden
[19][30.000 bis 50.000 Antifaschist*innen erwartet.] Die Polizei hat
bereits am Freitag mit [20][groß angelegten Sperren] begonnen. (lol)
4 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Protest-gegen-AfD-Parteitag/!6193614
DIR [2] https://table.media/berlin/news/afd-parteitag-sicherheitsbehoerden-rechnen-mit-gewalt-von-links-und-rechts
DIR [3] https://www.youtube.com/watch?v=wUVj8sQVM78&t=13
DIR [4] https://www.abendzeitung-muenchen.de/muenchen/judenjagd-in-budapest-videos-mit-neonazis-stuerzen-afd-funktionaer-aus-muenchen-art-1115953
DIR [5] https://streaming.fueralle.org/Radio-F.R.E.I
DIR [6] https://wissenschaft-gegen-faschismus.de/index.php/solidaritaetserklaerung/
DIR [7] https://verfassungsblog.de/author/admin/
DIR [8] /Jurist-ueber-den-AfD-Parteitag/!6193424
DIR [9] https://www.tickaroo.com/e/GMiF6UgqEVTj8Uvz
DIR [10] https://umap.openstreetmap.fr/en/map/online-aktionskarte_1428416#14/50.961798/11.007013
DIR [11] https://verwaltungsgerichte.thueringen.de/media/tmmjv_verwaltungsgerichte/VG_Weimar/Entscheidungen/26-1E-01187-B-A.pdf
DIR [12] https://widersetzen.com/
DIR [13] /AfD-Parteitag-in-Erfurt/!6187867
DIR [14] https://widersetzen.com/wp-content/uploads/2026/06/aktionskarte_erfurt.pdf
DIR [15] /Widersetzen-in-Erfurt/!6191741
DIR [16] /Blockaden-vor-AfD-Parteitag/!6188648
DIR [17] /Bundesparteitag-in-Erfurt/!6187866
DIR [18] https://www.zusammenstehen.org/
DIR [19] /Blockaden-und-Demonstrationen/!6191617
DIR [20] /Einen-Tag-vor-dem-Bundesparteitag-der-AfD-in-Erfurt-Wie-ist-die-Stimmung-in-der-Stadt/!6193398
## AUTOREN
DIR Lotte Laloire
DIR David Muschenich
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