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       # taz.de -- Feministin über das Gesellschaftssystem: „Wir sollten das Patriarchat auf die Couch schicken“
       
       > Das straff organisierte Patriachat ist für feministische Kräfte
       > gefährlich. Dagegen hilft die Suche nach Gemeinsamkeiten, glaubt
       > Katharina Linnepe.
       
   IMG Bild: Verbündete treten gegen das wirkmächtige Patriarchat an: Queer-feministische Demo „Take back the night“ in Hamburg
       
       taz: Frau Linnepe, wir erleben derzeit, durch rechtskonservative und
       [1][populistische Beharrungskräfte wie die AfD], ein Wiedererstarken
       patriarchaler Strukturen, einen frauen- und queerfeindlichen Backlash.
       [2][Wie fundamental ist der]? 
       
       Katharina Linnepe: Der ist schon merklich. Das Patriarchat ist gut und
       straff organisiert. Viele Kräfte spielen sich gut in die Karten und sind
       dabei auch noch gut finanziert. Das macht es gefährlich, erdrückend, für
       feministische Kräfte sehr ermüdend. Und dass das Patriarchale nie weg war,
       spüren wir an seinen Drohgebärden.
       
       taz: Welche Drohgebärden nehmen Sie wahr? 
       
       Linnepe: Das reicht von der großen politischen Geste bis zum Alltäglichen.
       Wer sich, wie ich, dem Internet aussetzt, erlebt [3][Hasskommentare]. Da
       wird es mitunter sehr hässlich.
       
       taz: Hoffnungsvolle Stimmen sagen: Das ist keine neue Stärke des
       Patriarchats, sondern ein Widerhall auf den Niedergang männlicher
       Machtpositionen, also eigentlich ein Ausdruck von Schwäche. 
       
       Linnepe: Da würde ich mitgehen. Vor allem ist es Ausdruck einer großen
       Dysfunktionalität. Um Jahrtausende zu überleben, musste sich das
       Patriarchat Mal um Mal neu inszenieren, über immer neue Erzählungen.
       Derzeit tut es das über das Narrativ neuer Stärke.
       
       taz: Dysfunktionalität ist ein gutes Stichwort: Sie verschreiben dem
       Patienten Patriarchat [4][in Ihrer Instagram-Serie] eine Therapie. Was
       meinen Sie damit? 
       
       Linnepe: Es ist ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn nicht wir in
       Therapie gingen und uns ständig an uns selbst abarbeiten, sondern unser
       Gesellschaftssystem auf die Couch schickten? Für einen Therapieerfolg sieht
       es zwar schlecht aus, aber es ist einen Versuch wert.
       
       taz: Sich selbst attestieren sie ein „anarchistisches Oberstübchen“. Wie
       hilft Ihnen das, wenn es um Geschlechterrollen geht? 
       
       Linnepe: Viele haben Angst vor der Anarchie, weil sie denken, sie bedeutet
       die Abwesenheit von Regeln. Aber sie bedeutet die Abwesenheit von
       Herrschaft. Das Patriarchat hat Herrschaft in unsere Welt getragen. Wer
       sich herrschaftsfreie Räume denken will, eine [5][feministische Utopie],
       braucht ein durch und durch anarchistisches Fundament.
       
       taz: Können Sie nachvollziehen, dass das bei manchen Menschen Ängste
       auslöst? 
       
       Linnepe: Natürlich. Darum brauchen wir Empathie, um Diskursräume zu öffnen,
       in denen diese Ängste zurückgelassen werden können. Aber diese Empathie
       hört da auf, wo ich Feminismus schönrede, um Gefühle von Männern nicht zu
       verletzen. Wir müssen an die Schmerzgrenze gehen, sonst erreichen wir
       [6][keine Heilung, keine kritische Männlichkeit].
       
       taz: Ist eine geschlechtsneutrale Gesellschaft denkbar? 
       
       Linnepe: [7][Geschlechtsneutralität] klingt mir etwas verkopft. Mir würde
       es reichen, wenn wir Menschlichkeit anstreben, uns als Seelen anerkennen.
       Wir brauchen Zugehörigkeit.
       
       taz: Wie erreichen wir die? 
       
       Linnepe: Der bequemste Weg führt über Gruppenbildung, über die Ausgrenzung
       des vermeintlich Fremden. Der anstrengendere, aber auch nachhaltigere Weg
       ist die Suche nach Gemeinsamkeiten.
       
       taz: Wer gegen etwas so Wirkmächtiges wie das Patriarchat antritt, braucht
       Verbündete. Wo gibt es die? 
       
       Linnepe: Überall, auch an unverhofften Orten. Man braucht aber das richtige
       Mittel, um Menschen anzusprechen. Mit Humor funktioniert das ganz gut. Man
       kommt mit einem Trojanischen Pferd rein und vermittelt: Ihr könnt mit uns
       Spaß haben, eine richtig gute Zeit. Aber es gibt eine Bedingung: Lasst euch
       kurz auf unsere Lebensrealität ein. Das öffnet Bubbles. Auf beiden Seiten.
       
       5 Jul 2026
       
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