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       # taz.de -- Regisseur über iranischen Exil-Film: „Ein Kind kann zu einem Mörder heranwachsen“
       
       > Parviz Sayyad hat vor über 40 Jahren einen Film über die iranische
       > Republik gedreht. Damals hoffte er noch, dass das Regime bald fallen
       > würde.
       
   IMG Bild: Wie man aus ideologischen Gründen zum Mörder wird: Szene aus „The Mission“
       
       Taz: Herr Sayyad, Sie haben im Jahr 1983 mit „The Mission/Der Auftrag“
       einen Film über das iranische Unrechtssystem gemacht, der heute immer noch
       sehr aktuell ist. Man kann Ihre künstlerische Weitsicht nur bewundern. Aber
       ist es nicht auch sehr bitter, dass Sie recht behalten haben? 
       
       Parviz Sayyad: Das Wort „bitter“ spiegelt genau mein momentanes Gefühl
       wider – weil ein Teil von uns Menschen dazu bestimmt ist, einen anderen
       Teil von uns zu töten! Meine persönliche Vorhersage zur Zeit der Entstehung
       von „The Mission“ war, wie bei vielen Iranern und Iranerinnen auch, dass
       solche Bedingungen in unserem Land nicht von Dauer sein würden. Leider ist
       das nicht der Fall gewesen, sondern die Situation hat sich sogar verschärft
       und ausgeweitet! Heute bedauere ich, dass die Vorhersage des Films
       eingetreten ist anstelle meiner eigenen!
       
       taz: Der Film ist ja eine Tragödie, aber Sie erzählen sie mit erstaunlich
       viel Humor. Warum haben Sie dieses Stilmittel gewählt? 
       
       Sayyad: Meine Arbeitsmittel im iranischen Fernsehen und im Kino waren
       Komödie und soziale Kritik. Dieselbe Methode habe ich auch in „The Mission“
       angewandt. Vergessen wir nicht, dass das Leben nicht zwischen Komödie und
       Drama unterscheidet. Auch beim Trauern kann der Wind jemandem den Hut vom
       Kopf wehen.
       
       taz: In Ihrem Film erzählen Sie von einem Attentäter, der vom Iran in die
       USA geschickt wird, um dort einen Exilanten zu töten. Sie zeichnen ihn als
       einen „guten“ Menschen und tragischen Helden. Warum haben Sie sich dazu
       entschieden? 
       
       Sayyad: Er wird ja aufgrund seiner ideologischen Auffassung nach New York
       geschickt und bei dieser Mission zu etwas gedrängt. Ich glaube, dass kein
       Kind von Natur aus als ein Mörder zur Welt kommt. Aber es kann zu einem
       Mörder heranwachsen oder unter bestimmten Umständen zum Mord gezwungen
       werden.
       
       taz: Sie machen ja gerade eine Kinotour mit dem Film durch Deutschland.
       Welche Erfahrungen machen Sie dabei? 
       
       Sayyad: Vor allem hat mir die Tour, die von der deutsch-iranischen
       [1][Filmemacherin Niloufar Taghizadeh organisiert] wurde, gezeigt, dass der
       Film mit der Zeit eine andere Beziehung zum Publikum aufgebaut hat – sehr
       verschieden von der Zeit der Aufführung im Jahr 1983. Damals waren die
       Iraner und Iranerinnen in den iranisch geprägten Städten im Ausland noch
       nicht von der revolutionären Begeisterung abgefallen, und in Städten wie
       New York und Los Angeles fanden immer noch Demonstrationen zur
       Unterstützung der [2][Islamischen Revolution] und von Chomeini statt. Im
       Gegensatz zum nicht iranischen Publikum stieß der Film bei Iranern und
       Iranerinnen darum nicht auf so viel Begeisterung und es gab damals einige
       unangenehme Begegnungen. Ich will dazu einen großen klassischen Dichter
       zitieren: „Die Zeit hat mir eine weise Lehre gegeben. Wenn man die Zeit gut
       betrachtet, ist alles eine Lehre.“
       
       taz: Sie haben mehr als Ihr halbes [3][Leben im Exil] verbracht. Glauben
       Sie noch daran, dass sich die Verhältnisse im Iran bessern werden? 
       
       Sayyad: Was heute im Iran passiert, ist, mit den Worten unseres [4][großen
       klassischen Dichters Ferdousi]: „… alles eine Geschichte voller tränender
       Augen“. Die schwierigste Aufgabe für Menschen wie mich ist es, sich nicht
       der Hoffnungslosigkeit zu ergeben. Das bedeutet, dass ich alles in meiner
       Macht Stehende getan habe, um dies zu vermeiden.
       
       9 Jul 2026
       
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