# taz.de -- Justiz in Österreich: Strache vom Vorwurf der Untreue freigesprochen
> Im Streit um seine Lebensversicherung sieht das Gericht keinen Vorsatz
> des langjährigen FPÖ-Parteichefs Heinz-Christian Strache, seine Partei zu
> schädigen.
IMG Bild: Christian Strache in den Fluren des Straflandesgerichts: fünf Verhandlungstage
Heinz-Christian Strache, langjähriger Bundesparteivorsitzender der FPÖ und
anderthalb Jahre lang Vizekanzler Österreichs, ist am Donnerstag vom
Landesgericht Wien freigesprochen worden. [1][Ihm war Untreue vorgeworfen]
worden – konkret der Versuch, sich durch seine Lebensversicherung auf
Kosten der Partei bereichert zu haben.
Konkret ging es um eine 2007 abgeschlossene Lebensversicherung mit einer
Einzahlungssumme von 940.000 Euro, die Strache von seinem Vorgänger Hilmar
Kabas übernommen hatte. Im Todesfall Straches hätte der Betrag seiner
Familie zukommen sollen, im Erlebensfall seiner Partei.
2014 ließ Strache die Police so ändern, dass Strache selbst als
Begünstigter in Erscheinung trat, Straches Angaben zufolge unter Einbindung
der Parteigremien. Unterschrieben wurde sie sowohl in eigenem Namen als
auch in seiner Funktion als Parteivertreter. Genau darin sah die
Staatsanwaltschaft den Kern der Untreue.
Der Mitangeklagte Johann Herzog, damals Finanzreferent der FPÖ Wien, gab
vor Gericht an, zwar Initiator der ursprünglichen Absicherung gewesen zu
sein, sich von der späteren Änderung aber zur Unterschrift gedrängt gefühlt
zu haben. Strache selbst verteidigte sich mit Verweis auf jahrzehntelanges
Vertrauen in seine damaligen Weggefährten und erklärte, er sei „zu
blauäugig“ gewesen und habe sich auf mündliche Zusagen statt schriftlicher
Bestätigungen verlassen.
## Kein Vorsatz
Am Donnerstagnachmittag kam das Verfahren nach fünf Verhandlungstagen zum
Ende. Der Schöffensenat begründete den Freispruch unter anderem damit, dass
sich kein Vorsatz nachweisen lasse, dass Strache sich gegen den Willen der
FPÖ die Versicherungssumme habe zukommen lassen wollen. Das Urteil ist
nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft kann noch Rechtsmittel
einlegen.
Nach dem Urteil sprach Strache von großer Erleichterung. „Die Wahrheit
braucht manchmal Zeit. Doch am Ende setzt sie sich durch“, schrieb der
frühere Spitzenpolitiker in den sozialen Medien. Er hoffe, dass eine
„jahrelange Verfolgung, die ich auch als politisch motiviert empfunden
habe“, und der „überzogene Belastungseifer einzelner Ermittlungsbehörden“
damit nun ein Ende fänden.
Strache war einer der erfolgreichsten Politiker, den das rechte Lager
Österreichs je hatte. Der Wiener begann seine Karriere Anfang der 1990er in
der Wiener FPÖ. Nach einer Aufspaltung der Bundespartei führte er diese ab
2005 an und führte sie – auch mit verstärktem Rechtspopulismus und
rassistischen Kampagnen – in lichte Höhen.
Ende 2017 machte ihn [2][der ÖVP-Machtpolitiker Sebastian Kurz] zum
Vizekanzler, bevor ihn anderthalb Jahre später das sogenannte Ibiza-Video
zu Fall brachte. Es zeigte Straches Bereitschaft, staatliche Aufträge im
Austausch für Parteispenden an eine vermeintliche russische Oligarchin zu
vergeben.
[3][Es handelt sich um den dritten Freispruch Straches in sieben Jahren].
Viele der aktuellen Ermittlungen sind eine Spätfolge der damaligen
Enthüllungen. Der nächste Prozess folgt bereits im Herbst: Im Casinos
Austria-Komplex wird ihm gemeinsam mit zwei Managern des
Glücksspielkonzerns Novomatic Korruption vorgeworfen. Für alle drei gilt
die Unschuldsvermutung.
3 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Florian Bayer
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