# taz.de -- Chameneis Beerdigung in Iran: Machtdemonstration historischen Ausmaßes
> Am Samstag beginnt eine Beerdigungszeremonie für den getöteten Führer der
> Islamischen Republik, Ali Chamenei. Doch wird der neue Anführer
> aufkreuzen?
IMG Bild: Die Trauerfeierlichkeiten für Ali Chamenei sind als Machtdemonstration der iranischen Regierung geplant
Der Fantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt, auch nicht der des
iranischen Regimes. Die Trauerfeier für Ali Chamenei solle so gigantisch
werden, dass die Welt „in den kommenden Jahrhunderten davon als
Epochenereignis“ sprechen soll, schreibt Vahid Jalil, der
[1][Propagandaphilosoph der Islamischen Republik]. Jalil gilt als Kopf des
staatlichen Funks und Fernsehens.
Chamenei war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen
Amtssitz in Irans Hauptstadt Teheran gezielt getötet worden. Ob von ihm
überhaupt noch eine Leiche existiert, daran gibt es ernsthafte Zweifel.
Denn das israelisch-amerikanische Bombardement seiner Residenz soll so
heftig gewesen sein, dass viele Experten damals von Pulverisierung dessen
sprachen, was sich in der verzweigten und untertunnelten Riesenanlage
bewegte. Bislang fehlt jeder seriöse Beweis über die Bergung von Chameneis
Leichnam.
Doch die bevorstehende Massenansammlung soll solche Zweifel wohl verdrängen
und auch darüber hinwegtäuschen, dass die Leiche eines Moslems eigentlich
spätestens drei Tage nach seinem Todeseintritt beerdigt werden soll.
Am Samstag soll der Sarg auf einem großen Teheraner Gebetsplatz auf einer
Anhöhe aufgebahrt werden, zwei Tage lang sollen Menschenmassen – geplant
sind mindestens 20 Millionen – um den Sarg kreisen. Die Autobahnen Teherans
werden in provisorische Parkplätze umgewandelt. In Moscheen, Schulen,
Sporthallen und Universitäten werden die Trauernden untergebracht. Aus
Sicherheitsgründen wird der Luftraum für mehrere Tage gesperrt, für die
Einfahrt in die Großstädte gelten strenge Kontrollen.
## Eine Machtdemonstration historischen Ausmaßes
Chameneis Leichnam soll dann erst in die Pilgerstadt Ghom und dann ins
Nachbarland Irak gebracht werden, ehe er am kommenden Donnerstag in seiner
iranischen Heimatstadt Maschhad beerdigt werden soll.
Die Idee hinter diesem Leichenzug ist eine Machtdemonstration historischen
Ausmaßes. Das Ereignis solle in die Geschichtsschreibung eingehen,
vergleichbar mit der Französischen Revolution, sagte Vizepräsident Mohammad
Reza Aref. Er leitet einen Regierungsausschuss, der für die
propagandistische Logistik verantwortlich ist. Mehrere hundert ausländische
Journalisten erhielten für diese Tage Akkreditierung, 40 Regierungs- und
Staatschefs hätten sich angekündigt, sagt Regierungssprecherin Mohajerani.
Aus Moskau beispielsweise reist der Vorsitzende des Nationalen
Sicherheitsrates, Dmitri Medwedjew, an.
Revolutionsgarden kommandieren die gesamte Zeremonie. Sie wollen Trump,
Netanjahu, den Gegnern im eigenen Land und allen, die je über einen
Regimewechsel nachgedacht habe, ihre Massenbasis vorführen.
## Frühere Zeremonien endeten in chaotischem Spektakel
Die Islamische Republik hat schon immer [2][auf ihre zahlreichen Krisen]
mit Machtdemonstrationen auf den Straßen reagiert. So etwa mit der
Beerdigung des früheren Staatsoberhauptes Ruhollah Chomenei im Jahr 1989.
Sein Trauerzug fand ebenfalls an heißen Sommertagen statt, artete aber in
ein chaotisches Spektakel aus.
Die Menge entriss den Organisatoren die Kontrolle über die gesamte
Zeremonie, fast ging der Leichnam in der Menschenmenge verloren, Teile
seines Leichentuchs wurden zerrissen, und schließlich war man gezwungen,
ihn mit einem Hubschrauber zu transportieren. Dutzende Menschen starben.
Diesmal soll es ohne Tote zugehen, und das Spektakel soll sogar die
Beerdigung Chomeneis in den Schatten stellen. Doch die Frage, die die
meisten beschäftigt, ist diese: Wird Ali Chameneis Sohn Mojtaba, der sich
seit seiner Ernennung zum neuen Führer noch nicht live gezeigt hat, am Grab
seines Vaters erscheinen oder lässt er die Welt weiterhin mit Spekulationen
über seine Existenz zurück?
Medienberichten zufolge ließ dieser nun verlauten, die Beerdigungszeremonie
seines Vaters nicht besuchen zu wollen – aus Sorge vor einem gezielten
Tötungsversuch durch Israel. Derweil schrieb die New York Times mit Verweis
auf US-amerikanische Sicherheitsbeamte, dass Israel Pläne hatte, die
Topverhandler [3][während der Verhandlungen für ein vorläufiges
Friedensabkommen] zwischen den USA und Iran zu töten, namentlich den
iranischen Außenminister Abbas Araghtschi und Mohammad Bagher Ghalibaf, den
Parlamentspräsidenten.
Die USA hätten dem Bericht zufolge sogar andere Länder in der Region
gebeten, Iran zu warnen, dass Israel die Unterhändler ins Visier nehmen
könnte.
3 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Ali Sadrzadeh
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