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       # taz.de -- Meloni zwischen dem Papst und Trump: Die goldenen Zeiten sind vorbei
       
       > Das Thema Migration hat Italiens Rechte und den Vatikan entzweit. Doch
       > nach der Kritik des US-Präsidenten an Papst Leo ist für Meloni Schluss
       > mit lustig.
       
   IMG Bild: Freundliches Treffen im Vatikan: Giorgia Meloni schlug sich im Krach zwischen Trump und Leo auf die Seite des Papstes
       
       Wohin am 4. Juli? Zum Papst nach Lampedusa? Oder zu Donald Trumps
       Festivitäten nach Washington? [1][Es wäre ein übles Dilemma gewesen für
       Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni], doch wenigstens diese Sorge
       hatte sie nicht. Da bei keinem der beiden Events ihre Anwesenheit
       vorgesehen war, musste sie mithin keine Wahl treffen zwischen den beiden
       US-Amerikanern, die völlig über Kreuz sind.
       
       „Ich bin Giorgia, ich bin Frau, ich bin Mutter, ich bin Italienerin, ich
       bin Christin, das könnt ihr mir nicht nehmen!“ Geradezu ikonisch wurden
       diese Worte Giorgia Melonis, ausgerufen auf einer Kundgebung ihrer Partei
       Fratelli d’Italia im Jahr 2019 in Rom. Dafür stand und steht sie
       schließlich, für „Dio, patria e famiglia“ – Gott, Vaterland und Familie –
       in einem Land, in dem „Prima gli italiani!“ – Italiener zuerst! – gelten
       soll.
       
       Dieser Mix aus strammem Katholizismus und ebenso strammem Nationalismus war
       über die Jahre hinweg auch die solide Grundlage hervorragender Beziehungen
       zu Donald Trump und seiner MAGA-Bewegung, die ja ideologisch ganz ähnlich
       tickt, ob es nun um Migrantenabwehr oder den Kampf gegen „Gender-Wahnsinn“
       ging.
       
       Deshalb konnten Donald und Giorgia über Jahre bestens miteinander. Meloni
       wohnte als einzige europäische Regierungschefin im Januar 2025 Trumps
       Amtseinführung in Washington bei. Immer wieder durfte sie sich über die
       Komplimente des US-Präsidenten freuen, sie sei eine „wunderbare Frau“, eine
       „hervorstechende Anführerin“, die „eine hervorragende Arbeit macht“.
       
       ## Klare Worte
       
       Doch mit der Harmonie war es dann plötzlich vorbei, [2][als Trump im April
       2026 seine Attacke gegen Leo XIV. ritt], als er den Papst als „sehr
       liberal“ (kein Kompliment aus Donalds Sicht), als „schwach“ bezeichnete und
       ihm seinen Einsatz für den Frieden und gegen den Krieg in Iran vorwarf.
       
       Da fand Meloni plötzlich klare Worte. In den Monaten zuvor hatte sie sich
       immer wieder gewunden und zum Beispiel den Angriff auf Venezuela als
       „legitim“ bezeichnet. Zu Iran war ihr nur eingefallen, den US-Überfall
       „weder teilen noch verurteilen“ zu können. Nun hingegen befand sie, Trumps
       Worte über den Papst seien schlicht „inakzeptabel“.
       
       Denn frontale Papstkritik geht in Italien gar nicht. Der Katholischen
       Kirche mögen in Italien nur 44 Prozent der Bürger*innen – so in einer
       Umfrage von 2025 – vertrauen, doch die Zustimmungswerte zum Heiligen Vater
       liegen bei satten 75 Prozent. Das weiß auch Ministerpräsidentin Meloni.
       Dabei darf zugleich als sicher gelten, dass nicht nur Trump an Leos in der
       Nachfolge von Franziskus stehendem Kirchenkurs einiges auszusetzen hat,
       sondern auch sie.
       
       Recht deutlich wurde sie in ihrer Autobiografie „Io sono Giorgia“ aus dem
       Jahr 2021. Über Johannes Paul II. gerät sie dort geradezu ins Schwärmen,
       feiert ihn als „den größten Papst der Moderne und den größten Staatsmann
       des gesamten 20. Jahrhunderts“ – als einen, der „eine starke Botschaft so
       wie Benedikt XVI.“ hatte.
       
       ## An einem Strang
       
       Bei deren Nachfolger aber wird sie schmallippig. Sie „gebe zu, dass ich
       Papst Franziskus nicht immer verstanden habe“, ja, sich „als verirrtes
       Schaf empfunden habe“. Sie schiebt nach, sie sehe „zu viele Atheisten, die
       ihm zujubeln, und zu viele verstörte Gläubige“.
       
       Auch so kann man sagen, dass die goldenen Zeiten des direkten Drahts
       zwischen dem Vatikan und der italienischen Rechten der Vergangenheit
       angehören. Noch in den Nullerjahren zogen die beiden an einem Strang.
       Italiens Katholische Kirche machte gemeinsam mit den Rechtsparteien mit
       einer Großkundgebung im Jahr 2007 gegen den schüchternen Versuch der
       Mitte-links-Regierung mobil, per Gesetz eine Miniversion der eingetragenen
       Lebensgemeinschaften zu schaffen.
       
       Unter Franziskus war es mit dieser Nähe vorbei. Stattdessen tat sich vor
       allem auf einem Feld ein Graben auf: dem der Migration. Kaum war Franziskus
       zum Papst gewählt, wählte er die Insel Lampedusa als Ziel seiner ersten
       Reise. Während erst Matteo Salvinis Lega („Geschlossen Häfen!“) und dann
       Giorgia Melonis Fratelli d’Italia („Seeblockaden!“) die Trommel gegen
       Migrant*innen rührten und so ihren politischen Aufstieg
       bewerkstelligten, setzten Franziskus und auch die Italienische
       Bischofskonferenz immer wieder entgegengesetzte Zeichen.
       
       ## Niedrige Beliebtheitswerte
       
       Eine Episode steht für diesen Kurs. Als 2019 der Stromversorger in Rom dem
       großen, von 450 Menschen – vorneweg Migrant*innen – bewohnten
       Wohnbesetzungsprojekt Spin Time die Stromversorgung kappte, schickte
       Franziskus selbst den „Almosenspender“ des Vatikans zum Spin Time, um die
       Kabel wieder anzuschließen, auch wenn das illegal war. Auch Meloni
       kommentierte das seinerzeit nicht. Sie habe sich „nie erlaubt, einen Papst
       zu kritisieren“, hielt sie nur in ihrer Autobiografie fest.
       
       Dass sie sich im Krach zwischen Trump und Leo auf die Seite des Papstes
       schlug, war nur folgerichtig. Denn Trumps Beliebtheitswerte sind, anders
       als die des Papstes, auch in Italien völlig im Keller. Nur 11 Prozent der
       Befragten hatten im April 2026 ein positives Bild von ihm. Selbst unter den
       Wähler*innen der Rechten kommt der US-Präsident nur auf 16 Prozent
       Zustimmung.
       
       5 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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   DIR [2] /Streit-zwischen-Trump-und-Leo-XIV/!6177095
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Michael Braun
       
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