# taz.de -- Kritik an Behörden: Risiken in Badegewässern
> Bei als „exzellent“ eingestuften EU-Badegewässern blieben wichtige
> Gefahrenstoffe in der Bewertung außen vor. Ein Risiko für Badende, warnen
> Fachleute.
IMG Bild: Die Wasserqualität von Badeseen ist weniger gut als von der EU behauptet
dpa | Die Qualität der deutschen und weiteren europäischen
[1][Badegewässer] ist offenbar in bestimmten Fällen bei Weitem nicht so
unbedenklich wie von der zuständigen europäischen Behörde angegeben. Der
Grund: Die Bewertung der Europäischen Umweltagentur EEA basiert lediglich
auf Messungen von zwei Fäkalbakterien. Andere Erreger und Dutzende
chemische Schadstoffe werden dagegen nach Angaben des Medienhauses
Correctiv überhaupt nicht berücksichtigt, obwohl der Behörde auch diese
Werte für Badegewässer vorliegen.
In einem Mitte Juni veröffentlichten Bericht hatte die EEA Europas
Badegewässern überwiegend eine ausgezeichnete Wasserqualität bescheinigt.
Demnach hatten knapp 85 Prozent der mehr als 22.000 Badestellen in den 27
EU-Staaten sowie Albanien und der Schweiz eine exzellente Wasserqualität,
96 Prozent erfüllten immerhin die EU-Mindeststandards. In Deutschland
hatten knapp 91 Prozent der rund 2.300 untersuchten Badestellen eine
exzellente Wasserqualität.
Allerdings beziehen sich die Angaben lediglich auf sogenannte intestinale
Enterokokken und Escherichia coli. Diese Bakterien können bei Menschen zum
Beispiel Magenverstimmungen, Durchfall oder Infektionen verursachen.
## Experte: Die Gewässerbewertung ist irreführend
Nicht berücksichtigt werden dagegen unter anderem Cyanobakterien – auch
Blaualgen genannt – und chemische Schadstoffe wie etwa Pestizide,
Mineralöle und PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen). Letztere
sind allgegenwärtig und reichern sich im Körper an. „Die gegenwärtige
Bewertung reicht nach meiner Meinung nicht aus“, sagte der Toxikologe
Hans-Jörg Martin vom Universitätsklinikum Kiel der Deutschen Presse-Agentur
(dpa). „Ein Gewässer kann die Grenzwerte von chemischen Stoffen sprengen
und dennoch als exzellent eingestuft werden. Das ist irreführend.“
Dass solche Fälle nicht selten sind, zeigt eine Analyse von Correctiv zu
offiziellen Gewässerdaten der EEA – also derselben EU-Behörde, die den
jährlichen Badegewässer-Bericht erstellt –, die auch chemische Schadstoffe
berücksichtigen. Demnach gelten EU-weit mindestens 7.866 Badestellen gemäß
den Vorgaben der Badegewässerrichtlinie als sauber, obwohl sie an Gewässern
liegen, die nachweislich mit chemischen Schadstoffen belastet sind.
In einer Stellungnahme der EEA hieß es, Grundlage für die Bewertung der
Badegewässerqualität sei die EU-Badegewässerrichtlinie – und die sehe nur
die zwei Fäkalbakterien vor. Etwaige Änderungen bei den zu
berücksichtigenden Erregern oder Schadstoffen sowie bei Schwellenwerten
wären Sache der EU-Mitgesetzgeber und nicht der EEA.
## „Potenzielle Folgen für die menschliche Gesundheit“
Die aktuell vorgestellte Analyse basiert auf einem EU-weiten Monitoring,
bei dem lokale Behörden Gewässer auf Dutzende chemische Schadstoffe
untersuchen – von Schwermetallen wie Arsen über Pestizidrückstände bis hin
zu Industriechemikalien wie PFAS. Diese Daten dienen der Überwachung der
Ökosysteme und dem Schutz von Wasserlebewesen – in die Bewertung der
Badegewässer fließen sie bisher nicht ein.
Wie hoch die Belastung mit den Schadstoffen jeweils ist, geht aus den
Messdaten nicht hervor. „Würden die Behörden bei der Bewertung der
Badewasserqualität auch chemische Parameter berücksichtigen, fänden sie
belastete Badegewässer – mit potenziellen Folgen für die menschliche
Gesundheit“, sagte der Toxikologe Martin.
## EU-Kommission räumt Probleme mit Cyanobakterien ein
Dieses Problem hat die EU-Kommission selbst eingeräumt. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe dazu aufgerufen, Cyanobakterien in
Badegewässern mehr Aufmerksamkeit zu widmen, heißt es in einem Bericht von
2025. Das sei insbesondere angesichts des Klimawandels wichtig, denn neben
hohen Nähstoffkonzentrationen begünstigen auch höhere Temperaturen die
Vermehrung dieser Erreger. Dann könne eine Badestelle auch dann mit
Gesundheitsgefahren verbunden sein, wenn sie als exzellent eingestuft
worden sei. Daher sollten in die Bewertung von Badegewässern neben
Fäkalbakterien auch zusätzliche Stoffe einfließen, empfiehlt der Bericht.
„An Badestellen sollte vor dem Baden gewarnt werden, wenn das Wasser
nachweislich mit Schadstoffen in stark erhöhten Konzentrationen belastet
ist“, sagte der Chemiker Markus Große Ophoff von der Hochschule Osnabrück,
der einer Expertenkommission des Umweltbundesamts (UBA) angehört. Dabei
gelte es vor allem, vulnerable Gruppen wie Schwangere und Kinder zu
schützen.
„Meeresschaum oder auch der Schaum an Seen kann besonders stark mit PFAS
belastet sein“, erläuterte der Chemiker. Viele PFAS seien oberflächenaktiv.
„Und Schäume bieten eine besonders große Oberfläche und reichern daher
diese Schadstoffe an.“
3 Jul 2026
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