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       # taz.de -- Zschäpe-Freundin drohen vier Jahre Haft: Sie soll alles gewusst haben
       
       > Im Prozess gegen die frühere Zschäpe-Freundin Susann Eminger fordert die
       > Bundesanwaltschaft vier Jahre Haft. Sie sei in den Terror eingeweiht
       > gewesen.
       
   IMG Bild: Die Anklage fordert vier Jahre Haft für Freundin von Beate Zschäpe
       
       [1][Susann Eminger] blickt nur starr auf den Boden, verzieht keine Miene,
       als Claus Möllinger, der Vertreter der Bundesanwaltschaft, klarstellt, dass
       die Sächsin von allem gewusst haben muss. Von den [2][zehn Morden des NSU],
       den Anschlägen, den Raubüberfällen. Dass sie dennoch ihre beste Freundin
       Beate Zschäpe und deren Untergrundkumpanen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt
       unterstützte – und damit wissentlich deren Terror beförderte. Und dass sie
       dafür vier Jahre in Haft gehen soll.
       
       Das Plädoyer der Bundesanwaltschaft vor dem Oberlandesgericht Dresden
       läutet die Schlussphase im [3][Prozess gegen Susann Eminger] ein. Seit
       November wird gegen sie verhandelt. Die 45-Jährige soll in den Jahren, in
       denen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos abgetaucht in Zwickau lebten, mit
       ihrem Mann André Eminger deren engste Helferin gewesen sein. Bis sich am 4.
       November der [4][„Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU)] selbst
       enttarnte.
       
       Neun migrantische Gewerbetreibende und eine Polizistin erschoss die
       Terrorgruppe ab dem Jahr 2000, verübte 3 Anschläge und 15 Raubüberfälle.
       Ohne dass die Behörden sie stoppten oder das rechtsextreme Motiv erkannten.
       Erst 2011 endete der Terror: Mundlos und Böhnhardt erschossen sich nach
       einem gescheiterten Banküberfall, Zschäpe verschickte die
       NSU-Bekennervideos und enttarnte die Terrorgruppe.
       
       Der Prozess gegen Susann Eminger ist nun der letzte Versuch, doch noch
       einmal eine Helferin dieses Terrors zu verurteilen. [5][Zschäpe wurde 2018
       zu lebenslanger Haft verurteilt], vier Helfer des Kerntrios zu Haftstrafen
       bis zu zehn Jahren – darunter André Eminger. Gegen neun weitere Helfer
       wurde danach noch ermittelt, aber die Verfahren wurden eingestellt. Einzig
       Susann Eminger wurde angeklagt.
       
       ## Keine normale Freundschaft
       
       Die vierfache Mutter war zumindest früher selbst Teil der rechten Szene
       Sachsens, am Freitag nun sitzt sie in gepunkteter Bluse und mit blondierten
       Haaren im Gericht, zuletzt arbeitete sie als Altenpflegerin. Ihr Mann André
       Eminger hatte schon früh Kontakt zum 1998 abgetauchten NSU-Trio, [6][hatte
       ihm Wohnungen und Wohnmobile besorgt]. Über ihn lernte auch Susann Eminger
       die drei kennen, freundete sich mit Zschäpe an, ging mit ihr auf Cocktail-
       oder Comedyabende oder mit den Kindern auf den Spielplatz.
       
       Es sei aber „keine normale Freundschaft“ gewesen, betont Wolfgang Barrot,
       der zweite Vertreter der Bundesanwaltschaft im zweistündigen Plädoyer.
       Susann Eminger sei für Zschäpe „die Tür in die Normalität“ gewesen. Eminger
       habe stets gewusst, dass sie eine untergetauchte Rechtsextremistin
       unterstütze. So hätten sich Zschäpe und Eminger über Telefonzellen
       angerufen, Eminger sprach Zschäpe mit ihrem Tarnnamen an. Und sie half ihr,
       nicht aufzufliegen.
       
       So nutzte Zschäpe Susann Emingers Namen für die Buchungen von Urlauben, für
       eine Videothekkarte oder für eine Bahncard, die sie als Ersatzausweis
       benutzte. Zschäpe ging auch mit Emingers Krankenkassenkarte zum Zahnarzt.
       Und sie gab sich bei einer Polizeivernehmung als Susann Eminger aus,
       nachdem sie wegen eines Diebstahls in ihrem Wohnhaus vorgeladen worden war.
       Ins Revier ging sie mit André Eminger, bekam den Ausweis seiner Frau – und
       flog so nicht auf. Vor dem letzten Banküberfall des NSU fuhr Susann Eminger
       das Trio zur Verleihstation, wo diese das Wohnmobil dafür anmieteten. Und
       noch auf der Flucht nach dem NSU-Auffliegen rief Zschäpe als erstes André
       Eminger an, bekam dann Kleidung von Susann Eminger. Nur wenige Sekunden
       dauerte das Telefonat. Weil Susann Eminger längst über alles im Bilde
       gewesen sei, so Barrot.
       
       Genau das war die Frage im Prozess: Wusste Susann Eminger bei all ihren
       Hilfen, dass sie damit auch eine Terrorgruppe unterstützt? Eminger schwieg
       dazu im Prozess. Beate Zschäpe, die dreimal als Zeugin geladen war,
       bestritt das: Nur in die Banküberfälle sei Susann Eminger eingeweiht
       worden. Die Bundesanwaltschaft aber sieht in ihrem Plädoyer am Freitag ihre
       Anklage bestätigt: Susann Eminger wusste alles.
       
       Alles andere wäre lebensfremd, sagte Barrot. Dafür spreche nicht nur ihr
       Ehemann André Eminger, der dem Trio so früh und intensiv half, sondern auch
       die enge Freundschaft zu Beate Zschäpe, deren „besonderes Vertrauen“.
       Spätestens im Frühsommer 2007, nachdem sich Zschäpe als Susann Eminger auf
       der Polizeiwache ausgegeben hatte, sei ihre Freundin in die Mordtaten
       eingeweiht worden, ist Barrot überzeugt. Dennoch habe Susann Eminger die
       Untergetauchten weiter unterstützt.
       
       ## Zschäpe hat Lüge eingeräumt
       
       Immer wieder stützt sich Barrot für diese Annahme auf Zschäpes Aussagen.
       Zwar sei Zschäpe bemüht gewesen, ihre frühere Freundin „nicht über Gebühr
       zu belasten“, habe Erinnerungslücken und Beschwichtigungstendenzen gezeigt.
       Dennoch, so Barrot: „So nah wie hier im Verfahren kam Zschäpe der Wahrheit
       bisher nicht.“ Dafür spreche auch, dass sie eine Lüge im Münchner
       NSU-Prozess einräumte. Anders als dort behauptet, habe sie sehr wohl vorab
       gewusst, wenn weitere Morde anstanden. Und Zschäpe habe letztlich Susann
       Eminger doch belastet: Indem sie bestätigte, dass diese das letzte
       Wohnmobil angemietet hatte. Oder als sie einräumte, dass Eminger ihre
       Nervosität vor anstehenden Überfällen bemerkte.
       
       Auch ideologisch habe Susann Eminger wohl hinter den Taten gestanden, so
       Barrot. Er erinnert daran, dass ihr Mann André Eminger seinen Anwalt im
       NSU-Prozess erklären ließ, er sei „ein Nationalsozialist mit Haut und
       Haaren“. Unwahrscheinlich, dass seine Frau politisch ganz anders
       eingestellt sei. André Eminger verschickte auch mal „im Namen der gesamten
       Familie“ einschlägige Weihnachtsgrüße: „Du bist nichts, dein Volk ist
       alles.“ Im gemeinsamen Schlafzimmer prangte an der Wand eine schwarze
       Sonne, ein Szenesymbol aus drei übereinandergelegten Hakenkreuzen.
       
       Nicht jedes einzelne Indiz weise zwingend nach, dass Susann Eminger vom
       NSU-Terror wusste, sagt Barrot. Die Gesamtschau aber sehr wohl. Ein
       weiteres sei der Dank der NSU-Terroristen für die „treuen Dienste“ der
       Emingers: Sie hatten der Familie eine Stereoanlage und eine Reise ins
       Disneyland Paris geschenkt.
       
       Verräterisch sei vor allem das Verhalten der Emingers nach der Tat, betont
       Barrot. Wären sie wirklich nicht in die Morde eingeweiht gewesen, wäre ein
       Entsetzen und eine Abkehr von den Terroristen zu erwarten gewesen.
       Stattdessen aber habe sich Susann Eminger nach dem Auffliegen nur über die
       Antifa und die Presse beschwert. Bei einer Durchsuchung zwei Jahre später
       sei an der Wohnzimmerwand, zentral neben Fotos der eigenen Kinder, eine
       Zeichnung gefunden wurden, mit den Porträts der beiden Uwes, einer Rune und
       dem Schriftzug „unvergessen“. Das komme einem Geständnis gleich, so Barrot.
       Und ebenso die Entscheidung, welchen dritten Vornamen die Emingers 2015 für
       ihren dritten Sohn wählten: Uwe. Damit hätten die Emingers die Terroristen
       zum Teil der Familie gemacht.
       
       ## Härter bestraft als ihr Mann?
       
       Die Verteidiger von Susann Eminger hatten im Prozess dagegen ein Wissen von
       Susann Eminger über den Terror verneint und nahegelegt, dass sie auch
       deshalb nicht wegen Terrorunterstützung verurteilt werden könne, weil sich
       das NSU-Trio nach dem letzten Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter
       2007 aufgelöst habe. Auch dies weisen die Ankläger zurück: Auch zwischen
       vorherigen Morden habe es längere Pausen gegeben und schon der Versand des
       Bekennervideos 2011 sei Beleg für das Fortbestehen.
       
       Am Ende fordert die Bundesanwaltschaft vier Jahre Haft für Susann Eminger.
       Einzig, dass sie nicht vorbestraft sei sowie die lange Verfahrensdauer
       müssten ihr angerechnet werden, weshalb ein halbes Jahr Haft als verbüßt
       gelten könne. Susann Eminger ist derzeit auf freiem Fuß, hat durch den
       Prozess aber ihren Job als Altenpflegerin verloren.
       
       Würde sie tatsächlich zu vier Jahren Haft verurteilt, wäre das mehr als ihr
       Ehemann einst im Münchner NSU-Prozess erhielt. Er kam mit zweieinhalb
       Jahren Haft überraschend milde davon, weil das Gericht es nicht für
       nachweisbar hielt, dass er von Beginn an in die Terrortaten eingeweiht war.
       Die Bundesanwaltschaft hatte damals auch für ihn zwölf Jahre Haft gefordert
       und in den Raum gestellt, ob er nicht gar der vierte Mann des NSU war.
       
       In Dresden sagt Wolfgang Barrot, dass die Bundesanwaltschaft angesichts der
       größten rechtsextremen Terrorserie der Bundesrepublik immer deutlich
       gemacht habe, dass es keinen Schlussstrich geben werde – was auch der
       Prozess gegen Susann Eminger beweise. Seine Behörde habe „nie aufgehört zu
       ermitteln, trägt weiter Puzzlestück für Puzzlestück zusammen“, nur eben
       nicht in der Öffentlichkeit. Der Prozess zeige: Jedes offenbarte Wissen
       könne noch zur Aufklärung oder Strafverfolgung beitragen.
       
       Opferangehörige hatten dagegen beklagt, dass die Bundesanwaltschaft das
       Helfernetzwerk des NSU nicht wirklich aufklärt. Sie sind nach wie vor
       überzeugt, dass es weitere Unterstützer an den Tatorten ab, die bis heute
       nicht verfolgt sind.
       
       Die Verteidiger von Susann Eminger sollen nun ihr Plädoyer am 9. Juli
       halten. Das Urteil soll am 17. Juli fallen.
       
       3 Jul 2026
       
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