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       # taz.de -- Neuer britischer Premier Andy Burnham: In London kommt der Weihnachtsmann
       
       > Großbritannien bekommt seinen sechsten Premierminister innerhalb von zehn
       > Jahren. Der ständige Wechsel in 10 Downing Street hat aber auch sein
       > Gutes.
       
   IMG Bild: Verspricht einen grundlegenden Politikwechsel: Premier Andy Burnham mit seiner Frau Marie-France van Heel vor der 10 Downing Street
       
       Ein gewisser Zynismus ist unvermeidlich, wenn nun schon [1][Großbritanniens
       sechster neuer Premierminister seit 2016] sein Amt antritt. Vor Andy
       Burnham haben Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak und Keir
       Starmer alle versprochen, dass mit ihnen endlich alles besser wird. Alle
       scheiterten nach höchstens drei Jahren. Der neue Labour-Premier wird Wunder
       vollbringen müssen, um dieses Muster zu durchbrechen.
       
       An Vision mangelt es ihm nicht. Einen Zehnjahresplan für Großbritannien
       verspricht Burnham und [2][den grundlegendsten Politikwechsel seit vierzig
       Jahren]. Die damals von Margaret Thatcher vollzogene Zentralisierung
       politischer Macht und Privatisierung wirtschaftlicher Macht, die seither
       nicht mehr infrage gestellt wurde – all das will er rückgängig machen. Das
       Land habe in den 1980er Jahren „einen falschen Weg eingeschlagen“, sagt er,
       und zu seiner Einführung als Labour-Chef vergangenen Woche ließ er Popmusik
       von 1987 ertönen.
       
       Als allererste Maßnahme will Burnham verfügen, dass niemand in
       Großbritannien mehr auf der Straße nächtigen muss. Das ist natürlich
       populistische Weihnachtsmannpolitik. Aber indem Burnham das Thema benennt,
       berührt er gekonnt die Seele der überwältigenden Mehrheit der Briten, die
       der Meinung sind, dass die meisten Dinge in ihrem Land immer
       offensichtlicher schieflaufen. Der Wunsch, einen verklärten und
       möglicherweise imaginären Vorkrisenzustand wiederherzustellen, treibt
       britische Wähler in [3][Scharen zum Rechtspopulisten Nigel Farage]. Jetzt
       rivalisiert Andy Burnham mit ihm im Kampf um die schönste Vergangenheit.
       
       Kann Burnham auch eine Zukunftsvision entwerfen, mit der Labour in drei
       Jahren ein Wahldebakel gegen die Rechten vermeidet? Keir Starmer gelang das
       nicht. Und wie all seine Vorgänger wird auch Andy Burnham schnell merken,
       dass die Welt nicht auf Großbritannien wartet. Noch vor seiner ersten
       Kabinettssitzung wird er Donald Trump am Telefon haben und sich zur
       Fortdauer der von Starmer erteilten Erlaubnis, [4][britische
       Militäreinrichtungen für US-Angriffe auf Iran zu nutzen], verhalten müssen.
       Das ist die Realität.
       
       Der ständige Wechsel in 10 Downing Street hat aber auch sein Gutes: Die
       britische Politik zwingt sich damit regelmäßig zur Selbstüberprüfung.
       Niemand wird in seinem Amt alt und träge, politische Grundsatzfragen müssen
       immer wieder neu gestellt und neu beantwortet werden. Das fördert
       politische Innovation. Vielleicht erweist sich dieser
       Premierministerwechsel tatsächlich als Glücksfall. Aber die Hürde ist
       unermesslich hoch.
       
       20 Jul 2026
       
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