# taz.de -- ++ Nachrichten im Ukrainekrieg ++: Regierung in Kyjiw dementiert Eroberung von Kostjantyniwka
> Russlands Präsident Putin verkündet die Einnahme der Stadt im
> Festungsgürtel des Donbass. Die Ukraine weist die Aussagen über den
> Verlust jedoch zurück.
IMG Bild: Ein ukrainischer Soldat geht eine Straße in der Frontstadt Kostjantyniwka entlang (30. November 2025)
## Auch Selenskyj dementiert Einnahme von Kostjantyniwka durch Russland
rtr | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Angaben aus Moskau
zurückgewiesen, wonach russische Einheiten die strategisch wichtige Stadt
Kostjantyniwka eingenommen haben. Selenskyj erklärte am Samstag, die Stadt
im Osten des Landes sei weiter unter ukrainischer Kontrolle. Das russische
Militär hatte Präsident Wladimir Putin am Freitag die Einnahme der Stadt
in der Industrieregion Donezk gemeldet – ein seit Langem verfolgtes Ziel
der russischen Führung. „Das ist natürlich nicht wahr. Es ist nur eine
weitere russische Lüge“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. „Wenn
Kostjantyniwka unter russischer Kontrolle wäre, hätte Putin vielleicht kein
Problem, mich dort zu treffen, um einen diplomatischen Weg zu finden,
diesen Krieg endlich zu beenden.“
Auch der ukrainische Generalstab teilte mit, Kostjantyniwka sei weiter
unter der Kontrolle der eigenen Streitkräfte. Kostjantyniwka ist die
südlichste von vier wichtigen Ortschaften, die eine Verteidigungslinie
bilden. Diese Linie ist für die Ukraine für die Abwehr russischer
Vorstöße in die Region Donezk wichtig. Experten zufolge würde die Einnahme
von Kostjantyniwka den russischen Streitkräften eine Basis verschaffen,
von der aus sie nach Norden vorrücken könnten. Die russischen Streitkräfte
berichten seit einiger Zeit, Teile von Kostjantyniwka zu kontrollieren.
## Merz und Selenskyj telefonieren nach russischen Angriffen auf Kiew
rtr | Kanzler Friedrich Merz telefoniert nach Angaben der Bundesregierung
mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dieser habe Merz über
die Folgen der jüngsten russischen Luftangriffe auf Kyjiw und andere Teile
der Ukraine informiert, teilt ein Regierungssprecher mit. „Der Präsident
dankte dem Bundeskanzler für die deutsche Unterstützung, insbesondere bei
der Luftverteidigung.“ Merz habe bekräftigt, dass sich die Ukraine auf die
Unterstützung Deutschlands verlassen könne.
## Ukrainische Armee dementiert Eroberung von Kostjantyniwka durch
russische Truppen
afp/dpa | Die ukrainische Armee hat russische Angaben zurückgewiesen,
wonach Russland die strategisch wichtige Stadt Kostjantyniwka im Osten der
Ukraine erobert hat. Diese Behauptung sei „falsch“, sagte Armeesprecher
Andrij Kowaljow am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Der Kampf um die
Stadt dauere an. „Die Lage ist schwierig, aber sie ist unter der Kontrolle
der ukrainischen Verteidigungstruppen“, betonte Kowaljow.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte am Freitag die Einnahme der lange
umkämpften Stadt durch die russische Armee verkündet. „Die Stadt steht nun
vollständig unter unserer Kontrolle“, sagte er. Kostjantyniwka ist ein
strategisch wichtiger Stützpunkt auf dem Weg zu den letzten größeren
Städten in der ostukrainischen Donbass-Region, die noch unter ukrainischer
Kontrolle sind. Die Stadt, die vor dem Krieg 78.000 Einwohner zählte, war
seit Ende 2025 schwer umkämpft.
Die Moskauer Kräfte hätten in den vergangenen Wochen Geländegewinne in
Kostjantyniwka erzielt, schrieb das US-amerikanische Institut für
Kriegsstudien (ISW). Doch vor allem bestehe die russische Präsenz in der
Stadt aus kleinen Stoßtrupps zwischen ukrainischen Stellungen. Das ISW
wertete Putins Siegesmeldung als Versuch, mediale Aufmerksamkeit vor dem
Wochenende mit den Feiern zu 250 Jahre Unabhängigkeit der USA zu gewinnen.
Der russische Staatschef zeigte sich erstmals seit Längerem wieder in
Uniform bei den Militärs. Das Verkünden von Erfolgen der Armee ist wichtig
für Putin. Die Treibstoffkrise in Russland, verursacht durch ukrainische
Gegenangriffe mit Drohnen, hat in der Bevölkerung großen Unmut
hervorgerufen.
Eins der Kriegsziele Putins ist, den Donbass komplett unter russische
Herrschaft zu bringen. Nach einem Fall von Kostjantyniwka wären von den
größeren Städten im Gebiet Donezk nur noch Slowjansk, Kramatorsk und
Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle.
## Gasförderanlage nach russischem Angriff gestoppt
rtr | Ein russischer Drohnenangriff auf eine Gasförderanlage hat nach
ukrainischen Angaben ein Feuer ausgelöst. Der Betrieb der Anlage in der
zentralukrainischen Region Poltawa sei eingestellt worden, teilt der
staatliche ukrainische Energiekonzern Naftogaz über den
Kurznachrichtendienst Telegram mit. „Der Feind nimmt systematisch
Gasförderanlagen ins Visier, um die heimische Produktion der Ukraine zu
drosseln und die Vorbereitungen auf die Heizperiode zu erschweren“, heißt
es in der Mitteilung weiter.
## Drohnenangriffe auf St. Petersburg gemeldet
rtr | Russland meldet einen massiven Drohnenangriff auf Sankt Petersburg
und die umliegende Region Leningrad. Bei der nächtlichen Attacke wurde den
Behörden zufolge auch ein Ostseehafen für Ölexporte getroffen. Der
Gouverneur von Sankt Petersburg, Alexander Beglow, spricht von einem
großangelegten Angriff auf die Metropole mit sechs Millionen Einwohnern.
Er nennt keine genauen Ziele. Das lokale Medium „Bumaga“ berichtet jedoch
von einem Feuer am Ölterminal der Stadt. Der Gouverneur der Region
Leningrad, Alexander Drosdenko, erklärt, Drohnen hätten den Hafen von
Wysozk getroffen. Dieser liegt etwa 170 Kilometer nordwestlich von Sankt
Petersburg am Finnischen Meerbusen und schlägt Öl, Getreide, Kohle sowie
Flüssigerdgas um. Drosdenko sagt weiter, Einsatzkräfte hätten 72 Drohnen
über der Region Leningrad abgeschossen.
## Auswärtiges Amt erklärt China Missbilligung
rtr/dpa | Die Bundesregierung hat der Regierung in Peking wegen der
Ausbildung russischer Soldaten durch China seine Missbilligung erklärt.
„China muss wissen, dass dieser russische Aggressionskrieg gegen die
Ukraine unsere Kerninteressen bedroht“, sagte Außenminister Johann Wadephul
(CDU) am Rande seines Besuchs in Brasilien in der Hauptstadt Brasília. Das
Auswärtige Amt hatte den chinesischen Botschafter an diesem Donnerstag zu
einem dringlichen Gespräch gebeten. Die Bitte um ein „dringliches Gespräch“
ist nicht identisch mit der „Einbestellung“ eines Botschafters, die eine
deutlich schärfere diplomatische Eskalationsstufe bedeutet.
Die Bundesregierung habe Berichte, wonach in China russische Soldaten
ausgebildet würden, „mit großer Besorgnis“ gelesen, sagte Wadephul. Europa
sei selbstverständlich bereit, seine Kerninteressen zu verteidigen. „Dieser
Krieg muss zu einem Ende gebracht werden und es darf wirklich keine einzige
Maßnahme auch von außen geben, um diesen Krieg fortzuführen“, sagte er mit
Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.
Man habe mit dem chinesischen Botschafter „intensiv, aber auch sehr offen“
gesprochen, fügte Wadephul hinzu. „Wir werden auch weiter mit der
chinesischen Seite im Gespräch bleiben müssen, weil wir Unklarheiten dort
nicht akzeptieren können.“
4 Jul 2026
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