# taz.de -- Deutschlands Trainer: Der Nächste bitte!
> Die Verpflichtung von Jürgen Klopp als Nachfolger von Julian Nagelsmann
> folgt dem Prinzip des großen Namens. Funktioniert hat das beim DFB noch
> nie.
IMG Bild: Liebling der Massen: Jürgen Klopp im WM-Stadion von Houston
Der Klopp wird’s. Weil: Er ist der Einzige. Was sich schon bei [1][Hansi
Flick] und auch bei [2][Julian Nagelsmann] nicht bewährt hat, wird vom DFB
weiter trotzig als Erfolgsmodell verfochten: Der aktuell erfolgreichste
inländische Vereinstrainer soll Chef der Nationalelf werden. Ob der
Kandidat schon Erfahrung mit Auswahlteams hat, ist völlig egal. Andere
Namen, die infrage kommen könnten, werden gar nicht ausgesprochen. Der
Fußball hat sich derart verändert, dass die in früheren Jahrzehnten übliche
Praxis, den Männerbundestrainer aus dem bereits eingearbeiteten und mit den
Anforderungen vertrauten Trainerstab zu berufen, gar keinen Gedanken mehr
wert ist.
Erfolgreiche Bundestrainer, die das Team zu Titeln führten, hatten allesamt
keine große Vereinstrainerlaufbahn hinter sich: [3][Sepp Herberger]
versuchte sich beim Potsdamer SV Nowawes 03, aus dem der [4][SV Babelsberg]
hervorging, und bei Tennis Borussia Berlin, ehe er Reichstrainer wurde.
[5][Helmut Schön] betreute die SG Dresden-Friedrichstadt, sehr kurz auch
noch Hertha BSC und den SV Wiesbaden, aber Erfolge hatte er nur als
Auswahltrainer: der DDR, des Saarlands und später als Herberger-Assistent
und -Nachfolger.
Franz Beckenbauer war überhaupt kein Trainer, hatte weder Lizenz noch
Fußballlehrererfahrung und wurde als „Teamchef“ verpflichtet. [6][Jogi
Löw], der letzte, der dem DFB einen WM-Titel verschaffte, konnte vor seiner
Verpflichtung als Bundestrainer als Höhepunkt ein mit dem VfB Stuttgart
verlorenes Europapokalfinale in seinen Lebenslauf schreiben. Ansonsten gab
es stets sehr kurze Trainerstationen beim Karlsruher SC, beim FC Tirol und
Austria Wien sowie bei Fenerbahçe Istanbul und Adanaspor.
Als Co-Trainer des Sommermärchentrainers Jürgen Klinsmann wurde er dann auf
den Chefposten befördert. So wie es lange Tradition war. So waren ja auch
[7][Jupp Derwall], Europameister 1982, und [8][Berti Vogts], Europameister
1996, zu ihren Jobs gekommen.
Seit etlichen Jahren gilt dieses Prinzip, das ja eine Reihe von Erfolgen
aufweisen kann, nicht mehr. Der DFB ist dazu übergegangen, auf große Namen
zu setzen. Ein bisschen ist es das Modell [9][Beckenbauer], das 1984
initiiert wurde, um mit einer besonders strahlenden Persönlichkeit die
öffentliche Diskussion von der Mannschaft wegzuführen.
Das hat geklappt, aber schon als der DFB diesen tollen Trick 1998
wiederholen wollte und [10][Erich Ribbeck] als seriösen, weil grauhaarigen
Imageretter verpflichtete, funktionierte es nicht mehr. Und schaut man sich
die WM-Auftritte der als große Namen geholten Vereinstrainer Hansi Flick
und Julian Nagelsmann an, muss man zugeben: Dieses Modell funktioniert
nicht. Wer da noch auf Klopp setzt, gibt nur zu verstehen, dass er es nicht
versteht.
## Bloß einer ohne deutschen Pass
Interessant ist ja noch eine weitere Barriere, die sich der DFB selbst in
den Weg gestellt hat. Selbst wenn seine Priorität auf große Namen aus dem
deutschen Fußball einigermaßen erfolgreich gewesen wäre, müsste im Grunde
nicht Klopp, der seit zwei Jahren aus dem Beruf ist, die erste Wahl sein,
sondern zumindest müsste man Namen aus der Bundesliga hören. [11][Vincent
Kompany] etwa, der bei Bayern München zeigt, wie ein teures
Weltstarensemble zu führen ist. Auf diesen Namen kommt beim DFB aber
niemand, weil Kompany keinen deutschen Pass hat. Es gilt die alte
deutschnationale Logik, erstmal „einen von uns“ zu holen.
Wenn Klopp scheitern sollte, was ja wahrscheinlicher ist als ein
erfolgreiches Durchstarten, wird die Diskussion in diesem Stil weitergehen:
Dann werden Sebastian Hoeneß oder Thomas Tuchel oder andere Namen, die in
zwei oder vier Jahren gerade en vogue sind, gehandelt. Hauptsache: ein
großer Name, der in der Öffentlichkeit als Fußballexperte akzeptiert ist,
und ein deutscher Pass, denn das Konstrukt heißt ja immer noch deutsche
Nationalmannschaft.
Man muss also schon einiges an Fußballwissen über Bord werfen und zugleich
sehr viel nationales Denken verinnerlichen, um zu diesem Schluss zu kommen,
der derzeit als alternativlos präsentiert wird: Der Klopp macht’s. Weil: Er
ist der einzige. Weil: Nach unseren völlig anachronistischen Kriterien
haben wir niemanden sonst.
5 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Martin Krauss
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