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       # taz.de -- Russische Kriegswirtschaft: Putins Waffen für die Nato-Außengrenze
       
       > Der Kreml rüstet enorm auf: 40 Prozent des Haushalts fließen in den
       > Krieg, in neue Militärbasen an der Nato-Außengrenze, in Drohungen gegen
       > den Westen.
       
   IMG Bild: Wladimir Putin während des Militärmanövers „Zapad“ (Westen) in Nischni Nowgorod, Russland, am 16. September 2025
       
       „Ich möchte niemanden beunruhigen, aber die kommenden Monate könnten
       tatsächlich entscheidend sein.“ So lautete die Antwort von Polens
       Premierminister Donald Tusk vor wenigen Tagen auf Presseanfragen. „Wir sind
       uns der Bedrohungen bewusst, auch dank der Informationen unserer
       Verbündeten.“ Berichtet hatte dies das Internetportal Onet unter Berufung
       auf Quellen aus dem Umfeld von Präsident Karol Nawrocki, die USA hätten
       Warschau mehrfach vor einem russischen Anschlag auf das Land gewarnt.
       
       Die russische Armee kommt in der Ukraine derzeit kaum voran. In besetzten
       Gebieten wie der Halbinsel Krim wurde wegen erfolgreicher ukrainischer
       Angriffe der Ausnahmezustand verhängt. Und jede Nacht wird in Russland eine
       Raffinerie von ukrainischen Drohnen in Brand geschossen. Derweil wächst
       westwärts die Angst.
       
       Lettische Geheimdienste haben gerade davor gewarnt, Moskau plane
       militärische Provokationen in der Region oder in Polen. Passend dazu
       bezichtigte der russische Vizeaußenminister Michail Galusin am Samstag
       „[1][Lettland] und andere baltische Republiken“, „ihre Luftkorridore für
       ukrainische Drohnen zur Verfügung gestellt zu haben, die zivile
       Infrastruktur unseres Landes angegriffen haben“. Dafür habe Moskau
       „verifizierte Daten“. Die drei baltischen Staaten bestreiten das vehement.
       
       Als wahrscheinlich gilt die Vorbereitung eines Angriffs auf eine
       Rüstungsfabrik, die im Westen Waffen für die Ukraine produziert – dieses
       Szenario verbreiten russische Staatsmedien seit ein paar Tagen.
       Gleichzeitig haben die Geheimdienste baltischer und nordischer Länder vor
       Kurzem über neue oder massiv ausgebaute Militärbasen entlang der
       Nato-Außengrenze vom Eismeer bis Polen berichtet.
       
       ## Russland baut Streitkräfte und Einheiten aus
       
       Ausgebaut oder neu errichtet werden Stützpunkte in Petschenga (11 km von
       Norwegen entfernt), in Kandalakscha (110 km von Finnland entfernt), auf der
       Kola-Halbinsel, in Petrosawodsk (weniger als 200 km von Finnland entfernt),
       in Luga (145 km von [2][Estland] entfernt) sowie in Kaliningrad, der
       russischen Exklave zwischen Polen und Litauen. Auf von skandinavischen
       Medien veröffentlichten Satellitenaufnahmen ist zu erkennen, wie zuvor
       stillgelegte Militäreinrichtungen wiederaufgebaut und Wälder gerodet werden
       zum Ausbau von Stützpunkten und Kasernen.
       
       „Russland treibt seine Pläne zum Ausbau seiner Streitkräfte sowie zur
       Aufstellung neuer Einheiten – darunter Divisionen anstelle von Brigaden –
       voran, von denen einige in der Nähe der baltischen Staaten stationiert
       werden“, heißt es in der „Military Balance 2026“, einer Militäranalyse des
       Londoner Thinktank IISS. „Der sichtbarste Fortschritt war die Aufstellung
       des 44. Armeekorps in Karelien, nahe der Grenze zu Finnland.“
       
       Die neuen Kasernen an Russlands Westgrenze werden Platz für bis zu 115.000
       Soldaten bieten, darunter 80.000 entlang der Grenze zu Finnland – eine
       Steigerung gegenüber den bisherigen 20.000. Auch insgesamt hat der
       russische Präsident Wladimir Putin die Gesamtstärke der Armee auf rund 2,4
       Millionen Personen festgelegt, davon 1,51 Millionen Soldaten. 2017 lag die
       Personalstärke der russischen Streitkräfte noch bei etwa 1,9 Millionen
       Menschen, darunter knapp 1 Million Soldaten.
       
       In der Folge stieg der Anteil der Militärausgaben am Gesamthaushalt auf 46
       Prozent, hat Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik
       errechnet. Das seien nochmals 29,9 Prozent mehr als im Vorjahr und deutlich
       mehr als das Vierfache wie 2022, dem Jahr der Vollinvasion. Allein in einem
       Monat gebe Moskau mehr Geld für Armee und Rüstung aus als für das gesamte
       Bildungssystem im ganzen Jahr.
       
       ## Mittel nicht nur für den Krieg in der Ukraine
       
       Die Nato plant mit 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Armeen
       und Rüstung sowie 1,5 Prozent für militärisch nutzbare Infrastruktur wie
       ertüchtigte Häfen und Eisenbahnen. In Russland habe der Wehretat laut Kluge
       im ersten Quartal 12 Prozent des BIP ausgemacht. „Diese Mittel werden nicht
       nur für den Krieg gegen die Ukraine verwendet, sondern für den zusätzlichen
       Auf- und Ausbau militärischer Kapazitäten – [3][insbesondere in der Nähe
       zur Nato-Ostflanke“], hat der Bundesnachrichtendienst ermittelt und
       bilanziert: „In diesen Zahlen materialisiert sich konkret die wachsende
       Bedrohung Europas durch Russland.“
       
       Belege dafür sind nicht nur die neuen Stützpunkte an der Nato-Ostgrenze,
       sondern vor allem auch in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad: Dort
       zeigen Satellitenbilder 38 große neue Bunker, in die konventionelle und
       atomare Waffen eingelagert werden. 26 Militärflugplätze wurden dort
       modernisiert und eine neue Radaranlage aufgebaut sowie große Störanlagen,
       die GPS-Signale stören. In Kaliningrad sind atomar bestückbare
       Iskander-Raketen stationiert, die binnen weniger Minuten Warschau, Berlin
       und andere Städte auf Nato-Gebiet erreichen können.
       
       Noch kürzer sind die Flugzeiten der „Oreschnik“, der Haselstrauch genannten
       Überschallrakete mit Mehrfachsprengkörpern. Diese im russischen
       Sprachgebrauch auf Deutsch als „Putinwaffen“ in Anspielung an Hitlers
       „Wunderwaffe“ verballhornten Rüstungsgüter haben sich beim Ukraine-Angriff
       bisher als nutzlos erwiesen. Denn sie waren gar nicht für den
       Ukraine-Einsatz gedacht. Die „Oreschnik“ wurden inzwischen in Belarus
       stationiert – dicht an der Nato-Grenze.
       
       6 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Mathias Brüggmann
       
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