# taz.de -- Geplante Reform: Was sich beim Elterngeld ändern könnte
> Der Bundeshaushalt wird festgezurrt, auch das Elterngeld soll sich
> verändern. Für die volle Auszahlung sollen Väter künftig länger
> Elterngeld beziehen müssen.
IMG Bild: Nur 46 Prozent der Väter nehmen überhaupt Elterngeld in Anspruch
Das Bundeskabinett hat den Haushalt für 2027 beschlossen. Auch im
Familienministerium unter Karin Prien (CDU) soll gespart werden: 500
Millionen Euro. Insbesondere dem größten Posten des ministeriellen Etats,
dem 7,5 Milliarden Euro teuren Elterngeld, stehen Reformen bevor. Während
sich in den letzten Wochen die Mutmaßungen und Vorschläge häuften, ist für
Anfang Juli nun eine Entscheidung geplant.
In der Diskussion stehen vor allem die Bezugsdauer des Elterngeldes und
eine andere Aufteilung der Elternmonate. Prien [1][hatte bereits
angekündigt, die Partnerschaftlichkeit stärker fördern zu wollen]. Das
Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete kürzlich sogar, der
Elterngeldbezug werde zukünftig hälftig aufgeteilt – sieben Monate das
eine, sieben Monate das andere Elternteil. Das sei „Spekulation und
entbehre jeder Grundlage“, hatte ein Sprecher des Familienministeriums den
Bericht umgehend zurückgewiesen.
## 12 statt 14 Monate
Andere Berichte dementierte das Familienministerium weniger scharf: So soll
laut [2][Spiegel] die Bezugszeit des Elterngeldes von 14 auf 12 Monate
gekürzt werden. Gleichzeitig solle zukünftig das Elterngeld nur dann voll
ausgezahlt werden, wenn beide Elternteile jeweils vier Monate Elternzeit
leisten. Die verbleibenden vier Monate könnten frei aufgeteilt werden.
Bisher waren pro Elternteil lediglich zwei Monate Elterngeldbezug
vorgesehen und zehn weitere Monate flexibel einsetzbar. Laut einer
[3][Befragung der Bertelsmann-Stiftung] nehmen Väter mit 2,8 bis 3,6 Monate
im Durchschnitt dabei deutlich weniger Elternzeit als Mütter mit 12 bis
14,6. Nur 46 Prozent der Väter nimmt überhaupt Elterngeld in Anspruch.
Zugleich nutzt Prien die geringe Nachfrage bei Vätern zu ihrem Vorteil: Im
Familien- und Finanzministerium geht man davon aus, dass vor allem Väter
ihre Elterngeldbezug nicht ganz ausschöpfen werden. Man rechne im
Ministerium sogar mit mehr Einsparungen als benötigt, so der Spiegel. Im
Gegenzug soll es Pläne geben, dafür die sogenannte Lohnersatzrate zu
erhöhen. Zukünftig könnte das Basiselterngeld damit mehr als 65 Prozent des
Nettolohns vor der Geburt betragen. Die Einkommensgrenze von 175.000 Euro
versteuerndes Einkommen, bis zudem Elterngeld gewährt wird, soll nicht
angetastet werden.
Das 2007 eingeführte Elterngeld löste damals das Erziehungsgeld ab.
Kritisiert wird seit Langem, dass die Sätze seitdem nicht mehr angepasst
wurden, der Mindestbetrag liegt weiterhin bei 300 und der Höchstbetrag bei
1.800 Euro. Eine Erhöhung, wie sie nun womöglich vorgesehen ist, haben
Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart.
## „Kindeswohl muss im Zentrum stehen“
Könnten die nun diskutierten Vorschläge also Fortschritt bei der
paritätischen Aufteilung im Elterngeld bieten? Beim Fachverband
Zukunftsforum Familie e.V. (ZFF) begrüßt man die geplante 4-4-4-Aufteilung
und fordert gleichzeitig weitreichendere Maßnahmen. „Gerade in der
derzeitigen politischen Gemengelage ist es wichtig, eine Familienpolitik zu
gestalten, die das Kindeswohl im Zentrum hat und die Bedarfe von Eltern
ernst nimmt“, sagt ZFF-Geschäftsführerin Sophie Schwab. Das Elterngeld sei
dabei nicht nur eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch der
sozialen Gerechtigkeit.
Als zentral wird dabei die Anhebung des Mindestbetrags gesehen, wenigstens
auf das Niveau der Grundsicherung für Erwachsene in einer Partnerschaft,
heißt es beim ZFF. Das entsprächen 506 Euro. Insbesondere für Familien mit
kleinerem Haushaltseinkommen sei die paritätische Aufteilung schwierig,
weil der Mindestbetrag samt Zuschläge für Geringverdiener:innen
„viel, viel zu klein“ ausfallen würde, so Schwab. Und das, obwohl eine
partnerschaftliche Aufteilung viele gesellschaftliche Folgeprobleme
verhindern könnte: So seien Frauen finanziell unabhängiger, seltener arm im
Alter und sogar handlungsfähiger, wenn sie beispielsweise [4][von
häuslicher Gewalt betroffen] sind.
Kritisch hingegen sieht der Verband die Verkürzung der Bezugsdauer von 14
auf 12 Monate und warnt vor einer Lücke zwischen dem Ende des
Elterngeldbezugs und Betreuung. „In vielen Regionen ist der Kitaplatz ab
einem Jahr immer noch nicht garantiert, und auch die Dauer der
Kita-Eingewöhnung ist nicht mitgerechnet“, so Schwab. Das könne manchmal
zwei, drei Monate dauern.
In einem [5][heute veröffentlichten Positionspapier] geht das ZFF weiter
und fordert ein „ElternGerechtigkeitsGeld“, wonach Elterngeld in Höhe von
1.800 Euro ausgezahlt wird, unabhängig vom Einkommen. „Ob die Windel voll
ist oder das Baby gefüttert werden muss, Sorgearbeit eines Neugeborenen ist
gleich, wieso wird sie unterschiedlich bezahlt?“, so Schwab. Auch fordert
man das Ende von Ausschlüssen, von Menschen im Grundsicherungsbezug oder
mit Duldung.
Dasselbe Elterngeld für alle würde außerdem den Verwaltungsaufwand deutlich
senken. Lösungen dafür, wie ein solch umfassendes Elterngeld allerdings
konkret gegenfinanziert werden könnte, liefert das Papier jedoch nicht.
Deutliche Kritik zur Elterngeldreform äußerte am Montag der Deutsche
Frauenrat. „Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen
Berufstätigkeit kompensieren“, teilte deren Vorsitzende Beate von Miquel
mit. Mit den Kürzungen beim Elterngeld, beim Unterhaltsvorschuss für
Alleinerziehende und drastischen Einsparungen im Gesundheitsbereich sei
dieser Haushalt ein „Armutstreiber für Millionen von Frauen“.
6 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Debatten-um-Bundeshaushalt/!6181914
DIR [2] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/elterngeld-wie-prien-mit-laengerer-partnermonate-regel-geld-sparen-will-a-3d7ffa65-b8bd-4f59-96c9-ddf5e62eadda
DIR [3] https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2025/maerz/frauen-und-maenner-wollen-die-bezahlte-elternzeit-gleichmaessig-aufteilen-tun-es-aber-nicht
DIR [4] /Berlin-setzt-Gewalthilfegesetz-um/!6187216
DIR [5] https://www.zukunftsforum-familie.de/wer-familien-staerken-will-darf-beim-elterngeld-nicht-sparen/
## AUTOREN
DIR Amelie Sittenauer
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