# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Mich können alle anrufen
> Fifa-Präsident Infantino hat für alle ein offenes Ohr, die den Fußball
> besser und gerechter machen wollen. Donald Trump gehört fraglos auch
> dazu.
IMG Bild: Da sollte er besser rangehen: Infantino wird von einem prominenten Anrufer angewählt
## 5. Juli
Was ist das überhaupt für eine Frage? Ob ich mit Donald telefoniert habe?
Wir sprechen ständig miteinander, das sollte die Welt doch so langsam
wissen. Schließlich habe ich oft genug davon erzählt. Und natürlich reden
wir über alles Mögliche. Gefühlt eigentlich jeden Tag. Über die Situation
im Irankrieg und die richtige Politik im Gaza schon deshalb, weil Donald
mich in diesen Friedensrat berufen hat. [1][Das gehört zu meinem Job.]
Berufen hat er mich, weil er meinen unvoreingenommenen Blick von außen
schätzt. Seine ganzen Experten, die ihm ständig widersprechen, gehen ihm
auf die Nerven. Das kann ich gut nachvollziehen. Besserwisser gibt es
ständig und überall. Deshalb habe ich ihm damals schon angeboten, er könne
sich jederzeit bei mir melden, wenn er so unbeeinflusst wie ich etwas sehe,
wie wir den Fußball besser und gerechter machen können.
Und es ist nicht immer alles schwarz oder weiß, manchmal, wenn ich mir
diesen guten Scherz erlauben darf, sind die Dinge rot oder nicht rot.
[2][Ob die Rote Karte für diesen US-Fußballer] eine gute Entscheidung
gewesen ist, darüber muss man in einer offenen Organisation wie der Fifa
diskutieren können. Vielleicht war es richtig, vielleicht war es aber auch
falsch. Die Strafe auf Bewährung auszusetzen, war deshalb eine kluge
Entscheidung.
Es wäre doch fatal, wenn wir die gute Entwicklung des Fußballs auf dem
US-Markt wegen einer Entscheidung bremsen würden, von der wir nicht restlos
überzeugt wären. In so einer heiklen Angelegenheit müssen wir alle anhören.
Donald freilich auch.
## Guter Kompromiss: Nächstes Vergehen wird bestraft
Es wäre zudem ganz schön arrogant von mir, einerseits in so einem wichtigen
Gremium in der Weltpolitik mit meinen geistreichen Beiträgen mitzumischen
und andererseits auf die originellen Ideen von Donald für den Weltfußball
verzichten zu wollen. Dass wir nach unserem Reglement Strafen nachträglich
auf Bewährung aussetzen können, hatte ich ehrlich gesagt nicht auf dem
Schirm.
Da ist uns nun doch ein fantastischer Kompromiss gelungen. Sollte diesem
US-Spieler auf dem Rasen noch einmal ein strafwürdiges Foul unterlaufen,
wird er sofort bestraft. Das ist eine klare Botschaft an den Spieler und
eine gute für die Belgier.
Wenn mir jetzt Einseitigkeit vorgeworfen wird, verletzt mich das
selbstverständlich. Jeder weiß doch um meine Vielseitigkeit. Wenn der
belgische König mit mir telefonieren möchte, würde ich ihm niemals das
Gespräch verweigern. Sehr gerne höre ich mir an, was er mir zu sagen hat.
Und sollten seine Ratschläge den Fußball besser und gerechter machen,
werden wir diese schon am nächsten Tag umsetzen. Das kann ich an dieser
Stelle versprechen.
Das gilt im Übrigen auch für sie, liebe Leserinnen und Leser meines
Tagebuchs. Unseren Fußball noch besser zu machen, ist seit meiner Amtszeit
zwar fast schon unmöglich geworden, aber falls Sie trotzdem eine Idee haben
sollten, zögern Sie bitte nicht, meine Nummer zu wählen. [3][Derzeit bin
ich am besten mobil erreichbar.]
6 Jul 2026
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