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       # taz.de -- Nato-Gipfel in Ankara: Im Rüstungsrausch
       
       > Europa rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Beim Nato-Gipfel
       > müssen die Mitgliedstaaten zeigen, wie sie das 5-Prozent-Ziel erreichen
       > wollen.
       
   IMG Bild: Nato-Generelsekretär Mark Rutte will verhindern, dass Donald Trump dem Bündnis erneut mit Liebesentzug droht
       
       Am Dienstag und Mittwoch treffen sich die Staats- und Regierungschefs der
       Nato zum jährlichen Gipfel. Das Bündnis befindet sich in einer paradoxen
       Lage: Seit Russlands Vollinvasion der Ukraine ist die Nato gefragter denn
       je. Gleichzeitig steht sie unter massivem Druck. US-Präsident Donald Trump
       treibt die Bündnispartner seit seiner Wiederwahl im Oktober 2024 vor sich
       her. Er verlangt, dass die Europäer mehr Verantwortung übernehmen, poltert,
       tobt und droht dem Militärbündnis immer wieder mit Liebesentzug.
       
       Nato-Generalsekretär Mark Rutte wird in Ankara Wert darauf legen, das
       Treffen so gut wie möglich nach den Bedürfnissen Trumps zu gestalten. Der
       Gipfel wird zur Leistungsschau. Die Mitglieder müssen in diesem Jahr
       glaubhaft beweisen, dass sie das im vergangenen Jahr beschlossene
       5-Prozent-Ziel für Verteidigungsausgaben erreichen werden. 2025 gaben die
       europäischen Mitglieder und Kanada bereits 90 Milliarden US-Dollar aus.
       
       Bis auf Spanien, die zwar Kritik äußern, aber wohl der Absichtserklärung in
       diesem Jahr nicht im Weg stehen werden, ist die Stimmung in den
       Mitgliedstaaten von einem Aufrüstungsboom geprägt: Ein Krieg in Europa,
       sorgte nicht nur in Deutschland für einen neuen Fokus auf die eigene
       Wehrfähigkeit.
       
       Die damalige Regierung unter Kanzler Olaf Scholz rief vor vier Jahren die
       Zeitenwende aus und beschloss ein 100 Milliarden Euro schweres
       Sondervermögen, um die Bundeswehr einsatzfähiger zu machen. Für CDU-Kanzler
       Friedrich Merz war das nicht genug. Im März 2025 ließ er
       Verteidigungsausgaben von mehr als einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts
       von der Schuldenbremse ausnehmen. Deutschland verfügt damit faktisch über
       ein unbegrenztes Budget für die Aufrüstung. Vor diesem Hintergrund
       überrascht es nicht, dass Regierungskreise davon ausgehen, das NATO-Ziel
       von fünf Prozent bereits 2029 erreichen zu können.
       
       ## Bundesregierung im Rüstungsrausch
       
       Doch immer wieder stolpert die Bundesregierung über ihren Rüstungsrausch:
       Zuletzt stoppte sie das Marineprojekt F126, für das 18 Milliarden Euro
       ausgegeben werden sollen. Die Geschwindigkeit, mit der die Nato-Mitglieder
       auch auf Druck der USA aufrüsten müssen, hat ihren Preis. Kontrollen sind
       kaum möglich – und sind offenbar auch nicht wirklich gewünscht. Im Dezember
       2025 genehmigte der Haushaltsausschuss innerhalb weniger Stunden
       Rüstungsvorhaben von rund 50 Milliarden Euro. Pikant ist ebenso, dass im
       Zuge der Rüstungsdeals offenbar keine Hemmungen mehr bestehen, auch mit
       fragwürdigen Partnern Kooperationen einzugehen. Etwa wenn es um Deals mit
       der Türkei geht. Das alles unter dem Narrativ: Wir müssen aufrüsten, um
       Aggressoren – insbesondere Russland abzuwehren. [1][Der Kreml wird ganz
       klar als Bedrohung für das Militärbündnis bewertet.] Die Rüstungslobby
       freut es.
       
       Während die europäischen Nato-Mitglieder mit ihren Investitionen um ihre
       Souveränität kämpfen und sich unabhängiger von den USA machen wollen,
       klaffen gleichzeitig große Lücken in den Finanzierungsplänen der Länder.
       Auch in Deutschland wird heftig diskutiert. Auf die Investitionen in
       Rüstung folgen Abstriche in der Sozial- und Klimapolitik.
       
       Die taz will den Aufrüstungsboom genauer betrachten und nutzt den
       Nato-Gipfel, dem Who-is-who der Rüstungsbefürworter für den Auftakt. Wir
       fragen uns in den kommenden Wochen, wie sich die Zeit gewendet hat: Wohin
       fließen die Milliarden der Bundesregierung für die Wehrfähigkeit? Und wie
       wehrfähig muss eine Gesellschaft überhaupt sein? Dabei blicken wir nicht
       nur auf die innerdeutsche Debatte, sondern auch auf den Rest Europas, und
       sind unter anderem unterwegs in Kroatien, wo die Wehrpflicht wieder
       eingeführt wurde und recherchieren zu den globalen Playern in der
       Drohnenherstellung in der Türkei.
       
       7 Jul 2026
       
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