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       # taz.de -- Israels Pläne im Libanon: Christliche Gemeinden widersprechen Netanjahu
       
       > Im Süden des Libanon wollen einige christliche Dörfer von Israel
       > annektiert werden, behauptet Premier Netanjahu. Doch die weisen das
       > kategorisch zurück.
       
   IMG Bild: Ein Weihnachtsbaum inmitten der Trümmer der melkitischen griechisch-katholischen Kirche des südlibanesischen Dorfes Derdghaiya (Aufnahme von 2024)
       
       afp/dpa | Im Südlibanon haben christliche Grenzgemeinden Äußerungen des
       israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zurückgewiesen, wonach
       örtliche christliche Vertreter um eine „Annexion“ ihrer Dörfer durch Israel
       gebeten hätten.
       
       Netanjahu hatte dem US-Sender Fox News am Sonntag gesagt, „einige
       christliche Dörfer im Libanon haben tatsächlich darum gebeten, von Israel
       annektiert zu werden.“ Sie wollten [1][sich vor der Hisbollah schützen], so
       Netanjahu. Die Hisbollah hat vor allem im Süden des Libanon eine starke
       Präsenz. Israel [2][hält dort Gebiete besetzt] und kämpft weiter gegen die
       Miliz.
       
       In einer gemeinsamen Erklärung wiesen die christlichen Grenzgemeinden die
       Aussagen Netanjahus kategorisch zurück. Sie hätten keinen Bezug zur
       Realität. Die Gemeinden hätten während des Krieges stets zum libanesischen
       Staat und dessen legitimen Institutionen gestanden. Die Bewohner seien
       stolz auf ihre libanesische Identität und betrachteten den Libanon als ihre
       wahre Heimat. Versuche, ihre nationale Haltung falsch darzustellen oder ihr
       Leid für politische Zwecke zu instrumentalisieren, wiesen sie entschieden
       zurück.
       
       Der Bürgermeister der Grenzgemeinde Rmeisch, Hanna al-Amil, sagte der
       Deutschen Presse-Agentur, die Aussagen Netanjahus seien „völlig falsch“.
       Keine Ortschaft im Süden des Libanon habe einen entsprechenden Antrag
       gestellt. Das sei „absolut undenkbar“, sagte al-Amil.
       
       ## Evakuierungsaufrufe ignoriert
       
       Die pro-iranische Hisbollah-Miliz hatte [3][den Libanon in den Irankrieg
       hineingezogen], indem sie nach Kriegsbeginn Raketen auf Israel abfeuerte.
       Israel reagierte darauf mit Angriffen im Libanon und einer Bodenoffensive.
       Die israelische Armee richtete eine sogenannte Sicherheitszone ein, die bis
       zu zehn Kilometer in libanesisches Territorium hineinreicht.
       
       Viele Bewohner der christlichen Dörfer im Südlibanon ignorierten Israels
       Evakuierungsaufrufe und blieben trotz der israelischen Angriffe in den
       Ortschaften, um ihre Häuser, Kirchen und Ackerflächen zu schützen. Einige
       Dörfer wurden hingegen teilweise oder vollständig evakuiert.
       
       Israel und der Libanon hatten in der vergangenen Woche unter Vermittlung
       der USA ein Rahmenabkommen unterzeichnet, um den Weg für einen Frieden
       zwischen beiden Ländern zu ebnen. Das Abkommen macht einen Rückzug Israels
       aus den besetzten libanesischen Gebieten davon abhängig, dass Beirut die
       Hisbollah-Miliz entwaffnet.
       
       ## Israelischer Armeechef kündigt „entschlossenes“ Vorgehen gegen Hisbollah
       an
       
       Der israelische Armeechef Ejal Samir hat bei einem Besuch im Süden des
       Libanon ein „entschlossenes“ Vorgehen gegen die Hisbollah-Miliz
       angekündigt. Die israelische Armee werde „weiterhin entschlossen handeln,
       um Bedrohungen vom libanesischen Territorium zu entfernen“, sagte Samir am
       Sonntag nach Angaben des Militärs bei einem Besuch bei israelischen
       Soldaten im Bereich der Kreuzfahrerburg Beaufort.
       
       Die Armee sei bereit, bei einem Verstoß gegen die Waffenruhe rasch „zu
       offensiven Einsätzen“ überzugehen, sagte Samir demnach: „Jede Bedrohung
       gegen unsere Truppen oder israelische Zivilisten wird sofort angegriffen
       und beseitigt.“ Die Militäreinsätze im Bereich Beaufort und im gesamten
       Südlibanon erfolgten im Rahmen des jüngsten von den USA vermittelten
       Abkommens zwischen Israel und dem Libanon, betonte der Armeechef. Die
       libanesische Armee müsse ihren Verpflichtungen aus dem Abkommen nachkommen
       und „dafür sorgen, dass die Hisbollah-Terroristen und die terroristische
       Infrastruktur aus dem Gebiet verschwinden“.
       
       Die israelische Armee hatte die Kreuzfahrerburg Beaufort und deren Umgebung
       im Süden des Libanon Ende Mai eingenommen. Wenige Tage später erklärten die
       Streitkräfte, sie hätten unter der Burg ein Tunnelnetz entdeckt, das der
       vom Iran finanzierten Hisbollah als befestigter Stützpunkt für Angriffe
       nahe der israelischen Grenze dienen sollte.
       
       6 Jul 2026
       
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