URI: 
       # taz.de -- Rolle rückwärts beim Wohngeld
       
       > Das Bauministerium stockt die Mittel für den sozialen Wohnungsbau auf,
       > das Wohngeld soll gekürzt werden. Eine frühere SPD-Reform wird damit
       > teilweise kassiert
       
       Von Jasmin Kalarickal
       
       Die Zahl der Sozialwohnungen schrumpft, die Mieten steigen, bezahlbare
       Wohnungen fehlen, der Wohnungsbau kommt nicht voran – und das
       Bundesbauministerium muss sparen. Für 2027 stehen dem Ministerium 7,5
       Milliarden Euro zur Verfügung. Der Großteil fließt in den sozialen
       Wohnungsbau, dessen Budget im Vergleich zum Vorjahr um eine Milliarde auf
       fünf Milliarden Euro erhöht wird.
       
       Gleichzeitig plant die Regierung große Einschnitte beim Wohngeld, das Bund
       und Länder je zur Hälfte finanzieren. Der staatliche Zuschuss ist für
       Menschen mit wenig Einkommen gedacht, die keine Grundsicherung beziehen,
       aber hohe Wohnkosten stemmen müssen. Laut [1][Gesetzentwurf] sollen Bund
       und Länder im Jahr 2027 jeweils 738 Millionen Euro einsparen, eine
       Milliarde Euro ab 2028.
       
       „Die Kürzungen beim Wohngeld werden leider alle bisherigen Empfänger
       betreffen“, heißt es aus Regierungskreisen. Ein Drittel der bisherigen
       Wohngeldhaushalte werde „künftig kein Wohngeld mehr beziehen“. Das trifft
       zum Teil diejenigen, die aufgrund ihres Einkommens bislang gerade so noch
       antragsberechtigt sind. Wer heute etwa einen Betrag zwischen 50 und 60 Euro
       erhält, geht dann leer aus. Haushalte am unteren Rand des Wohngeldes werden
       dann in die Grundsicherung rutschen. Sprich: Das Bauministerium spart an
       der Stelle ein, aber beim Arbeitsministerium wird das zu Mehrausgaben
       führen.
       
       Bislang wird das Wohngeld alle zwei Jahre an die Inflation und die
       Mietpreisentwicklung angepasst. Das soll künftig wegfallen. Auch die
       Heizkostenkomponente, die steigende Energiekosten abfedert, wird halbiert,
       und die Wohngeldformel wird geändert. Laut Bauministerium sind 35 Prozent
       der Wohngeld beziehenden Familien, darunter viele Alleinerziehende. Und in
       mehr als der Hälfte der Wohngeldhaushalte [2][leben Rentner:innen]. Erst
       2023 wurde das Wohngeld als Reaktion auf steigende Mieten so reformiert,
       dass mehr Haushalte Anspruch haben – die SPD feierte das[3][damals als
       historischeReform.]
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/gesetzgebungsverfahren/DE/wohngeld-2026/wohngeldreform.html
   DIR [2] /!6093389&SuchRahmen=Print
   DIR [3] /!5880397&SuchRahmen=Print
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jasmin Kalarickal
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA