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       # taz.de -- Das Päckchen der Nachbarin: Eine Beule wird bleiben
       
       > Gegen die Hitze hilft Rote-Beete-Suppe und ein Freund mit gut gedämmter
       > Wohnung, zumindest ein Wochenende lang. Zurück zu Hause sorgt ein
       > Paketbote für Aufregung.
       
       Das superheiße Wochenende war ich zu Kornel nach Berlin-Weißensee geflohen,
       weil es in dem modernen Haus dort sehr viel kühler ist als bei mir. Weil
       ich krank bin, fahre ich mit dem Taxi zu ihm. Wir hatten uns lang nicht
       mehr gesehen und reden, er macht eine kalte Rote-Beete-Suppe mit Gurken und
       anderen schönen Dingen, und an einem anderen Tag gibt es Hamburger. In
       letzter Zeit hatte ich viel abgenommen und esse zum ersten Mal seit Langem
       mit Freude. Und abends gucken wir Fußball, das schöne Spiel zwischen Japan
       und Brasilien, das deprimierende Spiel gegen Paraguay. Am nächsten Tag bin
       ich dann wieder zu Hause.
       
       Es ist heiß und stickig in meiner Wohnung, weil ich die Balkontür
       geschlossen hatte. Ich trinke Kaffee und döse dann lange im Bett. Plötzlich
       klingelt es. Ich stehe auf, öffne die Tür. Stolpere über den Misch-Karton
       mit der Astronautennahrung, falle sekundenweise, glaube ich, in Ohnmacht.
       Ich liege auf dem Boden und sage „Entschuldigung“ zu dem Boten, der in der
       Tür steht und ein Zalando-Päckchen für die Nachbarin abgeben will. Er hält
       mir das Display zur Annahmebestätigung hin. Mir kommt die Szene völlig
       absurd vor. Mit den Zeigefinger male ich irgendwelche Zeichen auf sein
       Display. Der Paketbote geht wortlos. Ich fühle mich sehr schwach und stehe
       vorsichtig auf, sitze eine Weile noch am Schreibtisch, esse einen Joghurt
       mit Haferflocken, lege mich wieder ins Bett, betaste die große Beule an
       meinem Ellenbogen. Meine große Schwester ruft an; ich erzähle ihr nicht von
       meinem Abenteuer, um sie nicht zu beunruhigen.
       
       Zwei Tage später beginnen die Bestrahlungen im Krankenhaus am
       Friedrichshain. Der Tumor an der Wirbelsäule ist leider größer geworden.
       Mir gefällt es sehr gut auf der Palliativstation. Es ist noch unklar, wie
       lang ich hier bleiben werde.
       
       6 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Detlef Kuhlbrodt
       
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