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       # taz.de -- Abstimmung im Europaparlament: Rechtsradikaler Parteienfamilie droht das Aus
       
       > Das Europaparlament will ein Prüfverfahren gegen die Europapartei ESN
       > beantragen, zu der auch die AfD gehört. An diesem Dienstag stimmen die
       > EU-Abgeordneten ab.
       
   IMG Bild: Das Logo der europäischen Partei Europe of Sovereign Nations (ESN ), auf dem AfD-Bundesparteitag in der Messe Erfurt
       
       Es ist eine Premiere mit großer politischer Signalwirkung: Das
       Europaparlament will am Dienstag in Straßburg ein Prüfverfahren gegen
       [1][die Partei „Europa der Souveränen Nationen“ (ESN)] beantragen. Es
       könnte das Aus für die 2024 gegründete rechtsradikale Parteienfamilie
       bedeuten, in der die AfD den Ton angibt.
       
       Dem ESN wird vorgeworfen, [2][gegen europäische Grundwerte] verstoßen zu
       haben. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, so droht der Partei der
       Entzug der EU-Förderung von rund 2 Millionen Euro. Sie könnte auch den
       Status als anerkannte EU-Partei verlieren. Die ESN-Fraktion im Parlament
       wäre davon jedoch nicht betroffen.
       
       Beantragt wurde das Prüfverfahren von der Fraktion der Linken im
       Europaparlament. Daraufhin brachten die Parteien der Mitte einen eigenen
       Antrag ein, dem sich auch die Linke anschloss. Die nötige Schwelle von 247
       Abgeordneten wurde schon in der letzten Woche erreicht, sodass die
       Abstimmung am Dienstag als Formsache gilt.
       
       „Ich hoffe, dass das Europäische Parlament ein klares Zeichen setzen wird,
       dass europäische Steuergelder nicht weiter für Hass, Hetze und Rassismus
       missbraucht werden dürfen“, sagt Martin Schirdewan, Co-Vorsitzender der
       Linksfraktion im Europaparlament. Der AfD müsse auf europäischer Ebene „der
       Geldhahn zugedreht“ werden.
       
       ## Wegweisende Entscheidung
       
       Sozialdemokraten und Grüne sehen dies ähnlich. „Verletzungen der Grundwerte
       der Europäischen Union dürfen nicht mit Steuergeldern gefördert werden“,
       meint Daniel Freund von den Grünen. Von einem wichtigen Signal spricht Gaby
       Bischoff von der SPD. Es gehe zwar nicht um ein Verbot, dennoch handele es
       sich um eine wegweisende Entscheidung.
       
       Das Prüfverfahren beruht auf einer Neuregelung, die erst Ende 2025
       eingeführt worden war. Ausgelöst wurde es durch ein Schreiben der Behörde
       für europäische politische Parteien und Stiftungen (APPF). „Die Autorität“,
       so der offizielle Titel der auch in Brüssel kaum bekannten Behörde, hatte
       auf mögliche Verstöße hingewiesen.
       
       In dem Schreiben der APPF vom 22. Mai, das der taz vorliegt, werden vor
       allem mögliche Verstöße der rechtsextremen und prorussischen bulgarischen
       Partei Vazrazhdane aufgelistet. Als erstes Beispiel zitiert die Behörde
       einen Blogpost von Parteichef Kostadin Kostadinov, in dem sich dieser über
       mögliche Uran-Lieferungen an Israel lustig macht.
       
       ## Zweifel an der Vereinbarkeit mit EU-Werten
       
       Der Blogpost verstoße womöglich gegen die Menschenwürde, meint die Behörde.
       Ein endgültiges Urteil fällt sie allerdings nicht. Das gilt auch für eine
       Passage zur AfD. Äußerungen von Parteichefin Alice Weidel zu „muslimischen
       Kindern“ könnten gegen die Menschenwürde verstoßen, heißt es in dem
       Schreiben unter Verweis auf ein Urteil des Verwaltungsgericht Köln.
       
       Die AfD wird in der Beispielsammlung allerdings nur ein einziges Mal
       erwähnt. Die rechtsextreme französische Partei „Reconquête“ von Éric
       Zemmour wird dagegen gleich dreimal genannt, das niederländische „Forum
       voor Democratie“ viermal. Die Beispiele hätten „Zweifel an der
       Vereinbarkeit“ mit den EU-Werten geweckt, schreibt die Behörde.
       
       Die ESN-Partei wies die Vorwürfe zurück und verabschiedete eine „Berliner
       Erklärung“, in der sie sich zu europäischen Werten, aber auch zu einem
       „Europa der freien und souveränen Nationen“ bekennt. „Wer unsere Partei
       verbieten will, ist kein Demokrat“, sagte der AfD-Europaabgeordnete
       Alexander Sell. Damit würden „Millionen“ Wählerstimmen für die Rechten
       entwertet.
       
       Aus Sicht der AfD kommt das europäische Prüfverfahren nicht zufällig kurz
       vor den deutschen Landtagswahlen im Herbst, bei denen die Partei hohe
       Wahlsiege einfahren könnte. Allerdings ist bei der EU nicht mit schnellen
       Entscheidungen zu rechnen. Wenn das Europaparlament wie erwartet für eine
       Prüfung stimmt, hat der ESN erst einmal einen Monat Zeit, Stellung zu den
       Vorwürfen zu beziehen.
       
       ## Keine Entscheidung vor September
       
       Danach wird ein Expertenkomitee eingesetzt, das mögliche Verstöße prüfen
       soll. Sollte es feststellen, dass die ESN-Partei gegen die Grundwerte von
       Demokratie, Menschenwürde und Gleichberechtigung verstoßen hat, könnten
       EU-Gelder entzogen werden – aber erst, wenn das Parlament, die
       EU-Kommission und der Ministerrat grünes Licht geben.
       
       [3][Vor den Landtagswahlen im September] dürfte keine Entscheidung fallen.
       Selbst wenn die ESN-Partei schließlich abgestraft werden sollte, könnten
       die rechtsradikalen Abgeordneten im Europaparlament weitermachen. Partei
       und Fraktion sind rechtlich voneinander getrennt.
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Eric Bonse
       
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