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       # taz.de -- Filmkunst in München über Vulkanausbruch: Wie berauschend, so ein Weltuntergang
       
       > Der Ausbruch des Krakatoa erschütterte 1883 den Globus. Carlos Casas'
       > Filminstallation im Münchner Haus der Kunst lässt das Beben durch Körper
       > wandern.
       
   IMG Bild: Ein Riss in der Erdoberfläche im tiefroten Dunst: „KRAKATOA“ von Carlos Casas, 2020-2026, Filmstill
       
       Indonesien, 1883: Eine gewaltige Explosion erschüttert die Meerenge
       zwischen Java und Sumatra. Druckwellen verbreiten sich über den gesamten
       Globus – bis in den Ärmelkanal und nach New York schlagen die Messgeräte
       aus. Der historische Vulkanausbruch auf der indonesischen Insel Krakatau
       verursachte den lautesten Knall in der wissenschaftlich dokumentierten
       Geschichte der Erde. Eine Naturkatastrophe, deren Nachricht sich erstmals
       weltweit über Kabeltelegrafen in den Medien verbreitete.
       
       Deutschland, 2026: Der Wetterdienst meldet drei Tage in Folge
       Temperaturhöchstwerte, dunkelrot glüht die Karte in den Wettervorhersagen
       für das Wochenende vom 28. Juni. Rote Feuermassen brodeln auch auf der
       Leinwand einer Videoinstallation, die zeitgleich zu besagter Hitzewelle im
       Haus der Kunst in München eröffnete. „Krakatoa“ heißt die Arbeit des
       spanischen Videokünstlers und Filmemachers Carlos Casas, der sich mit dem
       gleichnamigen indonesischen Vulkan auseinandersetzt.
       
       Noch bevor man das Auditorium im Haus der Kunst betritt, hört man es
       rauschen und knistern, grollen und beben. In einem abgedunkelten Raum
       verbindet sich die wabernde Geräuschkulisse dann mit eindringlichen Bildern
       auf der Leinwand: Lavaströme wie Blutbahnen, sprudelnde
       Unterwasseraufnahmen, zusammengekniffene Augen in einem Gesicht. Dazu ein
       anschwellendes Sirren, bedrohlich und hypnotisch. Schnell wird man von der
       mystischen Atmosphäre der um sich greifenden Installation eingesogen.
       
       ## Das Rauschen wird zum Rausch
       
       In gemeinsamer Arbeit mit dem französischen Sounddesigner Nicolas Becker
       hat Carlos Casas einen Raum erschaffen, der vom Klang lebt. Die
       Videoaufnahmen dienen mehr als Fläche: Mal zeigen sie in dokumentarischen
       Aufnahmen das Leben eines Fischers auf dem [1][Indischen Ozean kurz vor dem
       Vulkanausbruch], dann lösen sie sich in abstraktes Bildrauschen auf.
       
       Erst durch die Wellenbewegung der Sounds, die einen über Lautsprecher aus
       allen Richtungen durchfluten, wird das Rauschen zum Rausch: „Die
       Schwingungen werden Teil des Körpers“, sagt Casas bei einem
       Publikumsgespräch auf dem zeitgleich stattfindenden Münchner Filmfest, wo
       „Krakatoa“ in einer stärker dokumentarischen Version auch im Kino zu sehen
       ist.
       
       Inspiriert von Jules Vernes’ Abenteuerroman „Die Reise zum Mittelpunkt der
       Erde“ übersetzen Casas und Becker seismische Daten des historischen
       Vulkanausbruchs auf Krakatau in einen aufwühlenden Sturm der Sinne. Da ist
       die Sehnsucht nach unberührter Weite, die immer seltener auffindbar ist.
       Und zugleich [2][das Bewusstsein für ein ausartendes Ökosystem], das
       zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät. Trotz historischer Vorlage wirft
       einen die bild- und klanggewaltige Komposition in die Gegenwart: Was
       bleibt, wenn alles brennt?
       
       Casas’ apokalyptische Installation im Haus der Kunst macht es schier
       unmöglich, sich der Frage nach der Endlichkeit zu entziehen – Furcht und
       Faszination gehen hier Hand in Hand. Der spanische Filmemacher knüpft so an
       eine Überwältigungsästhetik an, die Schönheit und Untergang in einem bannt.
       
       10 Jul 2026
       
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