# taz.de -- Staatsaffäre um Fußballstar: Rassistische Entgleisung
> Erst nach massivem Druck entschuldigt sich eine Senatorin aus Paraguay
> für ihre Posts über Kylian Mbappé. Der hatte die Politikerin auf X
> angezählt.
IMG Bild: So nicht: Kylian Mbappé lässt sich die rassistischen Beleidigungen einer Senatorin aus Paraguay nicht gefallen
Das WM-Spiel zwischen Frankreich und Paraguay war längst abgepfiffen, da
legte die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla de Boccia erst so
richtig los: „Statt Muttermilch hat er Kokosnüsse ausgesaugt, und das
Gebildetste, was er je gehört hat, waren Schimpansen. Hättest du ihm doch
den Mittelfinger gezeigt, Orlando Gill. Ich mache das im Senat auch, und da
passiert überhaupt nichts!!!“, schrieb sie in den sozialen Medien.
Frankreichs Stürmer Kylian Mbappé sei ein „kolonisierter Kameruner“, der
den harten Franzosen spiele, „voller Minderwertigkeitskomplexe, neureich,
arrogant und hässlich“, so Amarilla de Boccia. Mbappé hatte per Strafstoß
das einzige Tor des Spiels und damit den Siegtreffer für die Franzosen
erzielt. Nach dem Abpfiff verweigerte er offensichtlich Paraguays Keeper
Orlando Gill den üblichen Handschlag.
„Sie sind eine verachtenswerte Frau und unwürdig Ihres Amtes“,
[1][antwortete Mbappé auf X]. Menschen wie Amarilla de Boccia werde er
„niemals die Freiheit lassen, ihren Hass und ihren Rassismus in der Welt zu
verbreiten“, so der Stürmer. Direkt an die Senatorin gerichtet fügte er
hinzu: „Sie vertreten nicht Paraguay, dieses Land, das während des gesamten
Wettbewerbs Leidenschaft und Ehre verströmt hat.“
Die 61-jährige Rechtsanwältin gehört seit 2018 für den Partido Liberal
Radical Auténtico (PLRA), die wichtigste Oppositionspartei Paraguays, dem
Kongress an. Bis 2023 war sie Abgeordnete, und seither ist sie Senatorin.
Der PLRA gilt traditionell als Mitte-rechts-Partei, ist jedoch seit Jahren
von heftigen innerparteilichen Machtkämpfen geprägt. Amarilla de Boccia
zählt zur liberal-konservativen Strömung Nuevo Liberalismo.
## Präsidiale Reaktion aus Frankreich
Der Vorfall löste auch diplomatische Reaktionen aus. Frankreichs Präsident
[2][Emmanuel Macron schrieb auf X]: „Ein weiteres Tor für Kylian Mbappé.
Diesmal gegen den Rassismus. Meine volle Unterstützung. Wenn Worte
verletzen, setzen unsere Werte ein Zeichen: Würde, Respekt,
Brüderlichkeit.“ Der paraguayische Präsident Santiago Peña habe sich
schriftlich an Macron gewandt und die getätigten Äußerungen verurteilt,
verlautete aus dem Élysée-Palast in Paris.
Inzwischen hat sich auch die paraguayische Botschaft in Paris zu Wort
gemeldet und von Tausenden Protestmails berichtet. Möglicherweise hat auch
dieser Druck bei Celeste Amarilla de Boccia ein Umdenken bewirkt. „Ich
entschuldige mich bei allen Menschen afrikanischer Abstammung und bei allen
Afrikanern. Ich entschuldige mich für die Verwendung eines abwertenden
Begriffs, der auch zur Diskriminierung von Lateinamerikanern verwendet
wird“, erklärte sie inzwischen.
Sie gehöre einer anderen Generation an, in der Ausdrücke, die heute als
inakzeptabel gelten, noch gebräuchlich gewesen seien. „Ich arbeite an mir
selbst. Ich setze mich für die Rechte der Frauen ein und bin Feministin
geworden. Zu diesem Prozess gehört es, Fehler einzugestehen und aus ihnen
zu lernen“, sagte sie. Bleibt zu hoffen, dass der Vorfall tatsächlich etwas
in Bewegung gesetzt hat.
Zuvor hatte sie in einem [3][„offenen Brief an Mbappé“] noch schlimmer
gemacht, was eigentlich schon schlimm genug war. „Das Problem ist zwischen
dir und mir“, lautet der erste Satz, dem eine ausführliche
Selbstbeschreibung folgt, in der sie schildert, dass sie Französisch
spricht und die letzten Weihnachten sogar in Frankreich verbracht hatte.
Der Brief ließ die Einsicht, die sie jetzt vorgibt, erlangt zu haben,
vermissen. „Wer bist du, dass du mich als unwürdig oder
verabscheuungswürdig bezeichnest, wenn du mich gar nicht kennst!!! Das ist
nichts anderes als geschlechtsspezifische Gewalt!!!“, schreibt sie im
letzten Absatz.
Die Äußerungen der Senatorin sind Ausdruck des alltäglichen Rassismus in
den lateinamerikanischen Ober- und Mittelschichten, die ihre Identität vor
allem aus ihrer europäischen Einwanderungsgeschichte ableiten. Ein
Paradebeispiel dafür lieferte 2021 der ehemalige argentinische Präsident
Alberto Fernández: „Die Mexikaner stammen von den Azteken ab, die Peruaner
von den Inkas und die Argentinier von Schiffen“, [4][erklärte der studierte
Rechtsanwalt] beim Besuch des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez
in Buenos Aires. Indigene und Schwarze kommen in dieser Erzählung nicht
vor, und der darin angelegte Rassismus wird nicht wahrgenommen.
7 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://x.com/KMbappe/status/2074188157763875267
DIR [2] https://x.com/EmmanuelMacron/status/2074260211733291407
DIR [3] https://www.abc.com.py/resizer/v2/EACUG5GC4FH4FKLR3W6KOHKH44.jpg?auth=5d03b77eb6c7679e08835d42ee49f5ba0db83e02c0f45f22ecb97b25e70ad883&width=770&smart=true
DIR [4] /Rassistischer-Gruendungsmythos/!5778461
## AUTOREN
DIR Jürgen Vogt
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